Technik: erste Fahrt im Concept Mercedes AMG GT XX

Highspeed mit Meerblick

Technik: erste Fahrt im Concept Mercedes AMG GT XX: Highspeed mit Meerblick
Erstellt am 28. August 2025

Das Concept Mercedes AMG GT XX hat auf dem Hochgeschwindigkeitskurs in Nardo‭ ‬25‭ ‬Langstreckenrekorde aufgestellt.‭ ‬Der Prototyp der viertürigen E-Coupé-Limousine ist weit mehr als ein hochgezüchtetes One-Trick-Pony,‭ ‬sondern ein Technologieträger mit Innovationen,‭ ‬von denen einige den Weg in die Serie finden werden.‭ ‬Wir haben uns bei einer Fahrt selbst davon überzeugt.

Am Horizont schimmert smaragdblau das Ionische Meer.‭ ‬Was nach einer Zeile eines Reisetagebuchs klingt,‭ ‬ist für uns nur eine Episode,‭ ‬die nur ein paar Sekunden andauert.‭ ‬Wir sitzen mit Gurten festgezurrt auf dem Beifahrersitz des Concept-Mercedes-AMG GT XX,‭ ‬schießen mit‭ ‬250‭ ‬km/h auf der obersten Bahn des Highspeed-Ovals von Nardo über den Asphalt und können diese pittoreske Szene kaum genießen.‭ ‬Unerbittlich prügelt Entwicklungsfahrer Florian Fröhlich den orangen Boliden über die Bahn.‭ ‬Zweihundertfünfzig Stundenkilometer,‭ ‬in Zahlen‭ ‬250‭ ‬km/h,‭ ‬sind sauschnell und saugen vor allem die Batterien von Elektroautos blitzschnell leer.‭ ‬Doch für den‭ ‬1.000‭ ‬kW‭ ‬/‭ ‬1.360-PS-starken Mercedes-AMG-Prototypen ist diese Geschwindigkeit nur eine mobile Fingerübung.‭ ‬Denn der E-Bolide hat in sieben Tagen,‭ ‬13‭ ‬Stunden,‭ ‬24‭ ‬Minuten und‭ ‬7‭ ‬Sekunden‭ ‬3.177‭ ‬Runden in den Asphalt gebrannt.‭ ‬Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp unter‭ ‬300‭ ‬km/h.‭ ‬Bei Tag und bei Nacht.‭ ‬Bei Bullenhitze und Temperaturen von mehr als‭ ‬35‭ ‬Grad‭ – ‬oder auch bei Regen und Wind.

Der Wagen liegt ruhig.‭ ‬So ist das‭ ‬12,68‭ ‬Kilometer lange Oval konzipiert.‭ ‬Erst bei‭ ‬300‭ ‬km/h sind Lenkeingriffe erforderlich.‭ ‬Aber auch so merkt man,‭ ‬dass das Fahrwerk schon ziemlich ausgereift ist.‭ ‬Auch wenn man wie ein Berserker über die Bahn fliegt,‭ ‬ist der Asphalt nicht glattgebügelt,‭ ‬und jede noch so kleine Unebenheit stellt das Fahrwerk bei diesem Speed auf die Probe.‭ ‬Die Luftfeder-/Dämpfer-Kombination meistert diese Herausforderung souverän und wirkt bereits sehr ausgereift und harmonisch.‭ „‬Das Fahrwerk ist schon nah an der Serie‭“‬,‭ ‬wird uns Projektleiter Linus Böhnlein später bestätigen.‭ ‬Nicht prügelhart oder gar hoppelig.‭ ‬Weiter geht es im Affenzahn,‭ ‬der sich in diesem Auto jedoch anfühlt wie eine entspannte Kaffeefahrt ins Grüne.

Jeder Elektromobilist weiß,‭ ‬dass es beim Stromern auch um Energierückgewinnung und Laden geht.‭ ‬Wir nähern uns der Ausfahrt in die Boxengasse.‭ ‬Im Display erscheint das Kommando‭ „‬Lift‭“‬,‭ ‬und der Fahrer nimmt den Fuß vom Gas.‭ ‬Der Rekuperations-Countdown wird angezeigt,‭ ‬und bei Null schaufelt das System Energie in die Stromspeicher.‭ ‬Als es uns bei der Verzögerung nach vorne in die Gurte drückt,‭ ‬schmunzelt Florian Fröhlich.‭ „‬Wir haben die Stärke der Rekuperation reduziert.‭“ ‬Auf die Frage,‭ ‬wie stark die Energierückgewinnung sei,‭ ‬lächelt der Techniker erneut:‭ „‬Mehrere hundert kW.‭“ ‬Den genauen Wert will er nicht verraten.‭ ‬Wir gehen von‭ ‬400‭ ‬kW aus‭ – ‬mindestens‭! ‬Auf den paar hundert Metern steigt der Ladestand der Batterie so wieder um einen Prozentpunkt.‭ ‬Wenn man davon ausgeht,‭ ‬dass die Batterie eine Kapazität von rund‭ ‬100‭ ‬Kilowattstunden hat‭ (‬eher mehr‭)‬,‭ ‬ist das schon ganz beachtlich.

Jetzt geht es ans Laden.‭ ‬Und auch das ist bemerkenswert,‭ ‬wenn man bedenkt,‭ ‬wie hart die Akkus beim Dauerballern mit‭ ‬250‭ ‬km/h und hohen Temperaturen rangenommen werden.‭ ‬Der Blick auf die Ladesäule offenbart:‭ ‬975‭ ‬kW‭ – ‬und zwar konstant,‭ ‬wie das Plateau zeigt.‭ ‬Beeindruckend.‭ ‬Innerhalb einer Minute werden so rund zehn Prozent in die Akkus gepresst.‭ ‬Auch wenn diese Werte in der Serie wohl kaum erreicht werden,‭ ‬wären schon‭ ‬600‭ ‬kW über einen längeren Zeitraum hinweg ein massiver Fortschritt.‭ ‬Dieser Fortschritt findet zudem an der Ladesäule statt:‭ ‬Damit das Laden zum Premium-Erlebnis wird,‭ ‬hat sich Mercedes mit den Schnelllade-Spezialisten von Alpitronic zusammengetan und eine Ladesäule entwickelt,‭ ‬die als erste Stromtankstelle solche Ströme über ein CCS-Kabel überträgt.‭ ‬Die Innovation liegt in der Kühlung.‭ ‬Das Kabel ist kaum dicker und schwerer als das an einer‭ „‬normalen‭“ ‬Schnellladesäule,‭ ‬und auch der CCS2-Stecker ist Standard.‭ ‬Das erleichtert das Stromtanken bei den Power-Stromern aus Affalterbach ungemein.‭ ‬Schließlich kommt nach dem viertürigen Coupé,‭ ‬das der AMG GT XX vorwegnimmt,‭ ‬auch ein SUV,‭ ‬das die AMG.EA-Plattform nutzt und die Batterie sowie die Yasa-Axialflux-Motoren ebenfalls in Serie bringt.

Zeit,‭ ‬sich weiter den Geheimnissen des Prototyps zu widmen.‭ ‬Das Fahrwerk beziehungsweise die vier Räder sind miteinander vernetzt.‭ ‬Wie genau das vonstattengeht,‭ ‬will Linus Böhnlein noch nicht preisgeben.‭ ‬Nur so viel,‭ ‬dass es eine Neuheit sei.‭ ‬Wir sind gespannt.‭ ‬Was außerdem auffällt,‭ ‬ist,‭ ‬dass der AMG GT XX ohne monströsen Heckspoiler auskommt.‭ ‬Das setzt eine ausgetüftelte,‭ ‬effiziente Aerodynamik voraus.‭ „‬Wir haben jeden Quadratzentimeter des Autos optimiert‭“‬,‭ ‬sagt Aerodynamiker Gustavo Estrada.‭ ‬Da denkt man natürlich in erster Linie an den Unterboden.‭ ‬Wer nun glaubt,‭ ‬dass dieser besonders glatt ist oder mit Kanälen versehen ist,‭ ‬täuscht sich.‭ ‬Zwar ist der Heckdiffusor besonders lang,‭ ‬doch der Unterboden hat eine spezielle Wellenform,‭ ‬deren‭ „‬Bauch‭“ ‬bis zu‭ ‬30‭ ‬Millimeter hoch ist.‭ „‬Der Spoiler wurde während der Rekordfahrt nicht einmal ausgefahren‭“‬,‭ ‬erzählt Estrada.‭ ‬Das ist nicht der einzige Kniff.‭ ‬Natürlich kommen auch Anströmkörper und Air Curtains zum Einsatz.‭ ‬Das führt zu einem beeindruckenden cW-Wert von‭ ‬0,19.‭ ‬Und das,‭ ‬ohne das Thermomanagement zu beeinträchtigen.

Die nächste Ausbaustufe der Aerodynamik testen die Experten bereits an‭ ‬1:1-Modellen des AMG GT XX im Windkanal‭ – ‬und zwar mit Plasma-Aktuatoren.‭ ‬Klingt wie aus einem Science-Fiction-Film,‭ ‬stammt aber tatsächlich aus der Luftfahrt.‭ ‬Ein Plasma-Aktuator besteht aus zwei asymmetrisch angeordneten Elektroden,‭ ‬die durch eine isolierende dielektrische Schicht voneinander getrennt sind.‭ ‬Er kann bündig an verschiedenen Bauteilen angebracht werden.‭ ‬Wenn man eine hochfrequente Wechselspannung zwischen den Elektroden anlegt,‭ ‬entsteht ein elektrisches Feld sowie schwach ionisierte Luft‭ (‬eben das Plasma‭)‬.‭ ‬Die Ionen werden durch das elektrische Feld beschleunigt,‭ ‬und die daraus resultierenden Teilchen-Teilchen-Kollisionen führen zu einer Impulsübertragung von den Ionen auf die das Auto umgebende neutrale Luft.‭ ‬Durch diese Ionisierung wird der Effekt eines Spoilers simuliert,‭ ‬der eine physikalische Abrisskante‭ – ‬etwa am Heck des Fahrzeugs‭ – ‬überflüssig macht.‭ ‬Der Vorteil dieser Lösung:‭ ‬Die Bauteile sind so flach,‭ ‬dass sie nahezu überall am Auto platziert werden können.‭ ‬Das optimiert die Windschlüpfrigkeit und beendet die ewige Diskussion zwischen Aerodynamikern und Designern.‭ ‬Allerdings funktioniert dieser Kniff am besten bei Geschwindigkeiten zwischen‭ ‬70‭ ‬und‭ ‬200‭ ‬km/h.

Der AMG GT XX ist ein Technologieträger,‭ ‬der voller Technik steckt,‭ ‬die früher oder später für alle verfügbar sein wird.‭ ‬Die Sitzschalen aus Carbon sind mit Polstern aus dem‭ ‬3D-Drucker bestückt,‭ ‬die nach einem Scan exakt auf die Statur des Fahrers angepasst werden.‭ ‬Der Helm hat ein Visier,‭ ‬das mit Augmented-Reality-Technik bestückt ist.‭ ‬Auf Wunsch werden die Ideallinie der Rennstrecke sowie Brems-‭ ‬und Rekuperationspunkte eingeblendet‭ – ‬oder eben nur die wesentlichen Informationen wie die aktuelle Geschwindigkeit und der Ladezustand der Batterie.‭ ‬Das‭ „‬Großhirn‭“‬,‭ ‬das all diese Funktionen zusammenführt und dem Piloten hilft,‭ ‬möglichst schnell und effizient zu fahren,‭ ‬ist der Predictive Performance Manager‭ (‬PPM‭)‬.‭ ‬Ziemlich futuristisch.‭ ‬Das passt ja zur Hochgeschwindigkeitsstrecke.‭ ‬Aus der Vogelperspektive sieht die Fahrbahnschüssel aus wie ein monströses Ufo.‭ ‬Doch die Geschwindigkeitskathedrale im Süden Italiens genießt bei Automobilisten einen legendären Ruf.‭ ‬Hier purzeln Geschwindigkeitsrekorde.‭ ‬Mercedes ist hier seit Jahrzehnten Dauergast‭ – ‬angefangen beim legendären C‭ ‬111‭ ‬bis hin zum AMG Concept GT XX.

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