50 Jahre Mercedes-Benz Baureihe 123 (Teil 3) - das T-Modell

123er Trilogie: Der Mercedes-Kombi, der so nicht heißen durfte.

50 Jahre Mercedes-Benz Baureihe 123 (Teil 3) - das T-Modell: 123er Trilogie: Der Mercedes-Kombi, der so nicht heißen durfte.
Erstellt am 9. Februar 2026

Als Mercedes-Benz im April 1978 das T-Modell der Baureihe 123 vorstellte, war dies weit mehr als die Einführung einer weiteren Karosserievariante.

Mit dem S123 präsentierte der Hersteller – nach Versuchen mit unterschiedlichen Karosseriebauern wie der belgischen Firma IMA wo die elegante  Heckflosse Universal oder dem portugiesischen Unternehmen  Sociedade Comercial C. Santos, das für den StrichAcht-Kombi verantwortlich zeichnete -  erstmals einen werkseitig entwickelten Kombi, der nicht als Nutzfahrzeug werden wollte, sondern als vollwertiger Mercedes mit Komfort-, Sicherheits- und Qualitätsanspruch. So erklärt sich auch die Herkunft des Modellnamens, wobei die Schwaben clever genug waren, eine Bezeichnung zu finden, die genügend Raum für Interpretationen offen ließ. Der Lifestyle-Kombi war damit erfunden, bevor es dafür überhaupt einen Begriff gab. Aber der Schritt erwies sich als wegweisend. Zwischen 1978 und Anfang 1986 entstanden 199.517 Exemplare des S123 – ein beachtlicher Anteil an den insgesamt rund 2,7 Millionen Fahrzeugen der Baureihe 123.

Das Erfolgsgeheimnis des T-Modells lag in seiner Vielseitigkeit. Mercedes-Benz schaffte es, das robuste Grundkonzept der Limousine so weiterzuentwickeln, dass der Kombi sowohl als Familienauto, Langstreckenfahrzeug, Handwerker-Mercedes oder luxuriöser Reisewagen funktionierte. Mit einer dritten Sitzreihe ausstaffiert, wuchs das T-Modell sogar zum Siebensitzer.

Die Bank befand sich im Laderaum, war gegen die Fahrtrichtung positioniert und war eigentlich nur Kindern zuzumuten, die dann durch die Scheibe der Heckklappe auf den nachfolgenden Verkehr schauten. Nicht wirklich gemütlich, aber immerhin praktisch. Besonders gefragt waren beim T-Modell die Dieselmotoren, allen voran der 240 TD, der sich mit über 67.000 gebauten Exemplaren zum meistverkauften S123 überhaupt entwickelte. Er vereinte ausreichende Leistung, enorme Laufleistung und moderate Verbrauchswerte – genau die Eigenschaften, die Käufer von einem Mercedes-Kombi erwarteten.

Doch auch die Benzinmodelle spielten eine wichtige Rolle. Der 300 TE, das stärkste reguläre Serienmodell des T-Modells, brachte es auf rund 28.000 gebaute Fahrzeuge und gilt heute als besonders begehrt. Mit seinem kultivierten Sechszylinder verband er souveräne Fahrleistungen mit der praktischen Karosserieform – eine Kombination, die den 300 TE schon zu seiner Zeit in die Nähe der Oberklasse rückte und ihn heute zu einem gesuchten Klassiker macht.

Der Buchstabe „T“ stand bei Mercedes-Benz offiziell für „Transport und Touristik“, und genau diese Doppelrolle erfüllte der S123 mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit. Der variable Innenraum, die große Heckklappe und die hohe Zuladung machten ihn unglaublich vielseitig, während Fahrkomfort, Geräuschdämmung und Sicherheitsniveau klar über dem lagen, was Kombis bis dahin boten. Damit setzte der S123 Maßstäbe – nicht nur für Mercedes selbst, sondern für die gesamte Branche.

VIDEO: Das ZDF testet den Mercedes 300 TD

Technisch entsprach das T-Modell weitgehend Limousine und Coupé, profitierte jedoch von verstärkten Fahrwerks- und Karosseriekomponenten. Auch hier hielten im Laufe der Bauzeit moderne Systeme wie ABS Einzug. Die Motoren galten – unabhängig von Benziner oder Diesel – als ausgesprochen langlebig, was wesentlich zum hervorragenden Ruf des S123 beitrug.

Eine besondere Rolle spielen bis heute die extrem seltenen AMG-Umbauten auf Basis des S123. In den frühen 1980er-Jahren entstanden bei AMG einzelne Hochleistungs-T-Modelle, teils mit V8-Motoren wie dem legendären 5,0-Liter-Aggregat. Diese Fahrzeuge wurden nicht in Serienfertigung gebaut, sondern individuell für Kunden realisiert. Entsprechend gering sind die Stückzahlen – sie bewegen sich vermutlich im niedrigen zweistelligen Bereich. Heute zählen diese AMG-S123 zu den heiligsten Gralen der Mercedes-Sammlerszene: unscheinbare Kombis mit brachialer Leistung und historischer Bedeutung.

Wie bei allen Varianten der Baureihe 123 ist auch beim S123 Rost das zentrale Thema für heutige Klassik-Interessenten. Besonders gefährdet sind die hinteren Radläufe, die Schwellerecken, der Bereich unter dem Ladeboden sowie die Scheibenrahmen rund um die Heckklappe. Die Technik selbst gilt hingegen als erstaunlich standfest – viele T-Modelle absolvierten Hunderttausende Kilometer im harten Alltagseinsatz.

Ein oft unterschätzter Aspekt der Baureihe 123 ist ihre außergewöhnlich farbenfrohe Lackpalette. Neben klassischen Silber-, Schwarz- und Beigetönen bot Mercedes zahlreiche expressive Farben an. So konnte ein S123 beispielsweise in Inkagelb ausgeliefert werden, einem kräftigen Gelbton, der heute Kultstatus genießt. Ebenso typisch für die Zeit sind elegante Metallicfarben wie Zypressengrün metallic, das dem Kombi eine überraschend edle Note verlieh. Auf der kühleren Seite des Spektrums stand etwa Chinablau, ein tiefes, sachliches Blau, das besonders häufig bei gepflegten Langstrecken-T-Modellen zu finden war. Diese Vielfalt trug wesentlich dazu bei, dass der 123er nicht nur als Gebrauchsgegenstand, sondern auch als persönliches Statement wahrgenommen wurde.

Große Rarität mit großer Klappe: der 280TE AMG Stufe II zählt zu den seltensten Vertretern der Baureihe 123 

Fünfzig Jahre nach seiner Einführung gilt das T-Modell S123 als Meilenstein der Automobilgeschichte. Es definierte den Kombi neu und bewies, dass Funktionalität, Komfort und Wertigkeit keine Gegensätze sein müssen. In einer Welt, in der SUVs den Alltag dominieren, erinnert der S123 an eine Fahrzeug-Kategorie, die sich aufmachte, die Limousine vom Thron zu stoßen, schließlich aber selbst vor dem SUV kapitulieren musste.

Damit schließt sich der Kreis der Baureihe 123: von der legendären Limousine über das elegante Coupé bis hin zum revolutionären T-Modell. Drei Karosserieformen, ein Anspruch – und ein Mercedes, der bis heute Maßstäbe setzt.

+++—-+++—-+++—-+++
*NEU: WhatsApp-Channel von Mercedes-Fans.de

Verpasse keine Top-News aus dem Sternuniversum mehr und abonniere unseren kostenlosen WhatsApp-Channel!
Hier für den Mercedes-Fans WhatsApp-Channel anmelden//
https://whatsapp.com/channel/0029VafT5DR1NCrTs0nuVa0G

+++—-+++—-+++—-+++

Das könnte euch auch interessieren:

50 Jahre Mercedes-Benz Baureihe 123 - die Limousine 123er Trilogie: Die Limousine – ein Auto für die Ewigkeit Als Mercedes-Benz im Januar 1976 die neue Baureihe W123 präsentierte, war schnell klar, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Modellwechsel handelte.

50 Jahre Mercedes-Benz Baureihe 123 (Teil 2) - das Coupé C123 Klasse mit „C“: Eleganz, Exklusivität und ganz viel LeBENZgefühl Als Mercedes‑Benz 1977 das Coupé der Baureihe 123 auf den Markt brachte, war schnell klar: Dieses Fahrzeug sollte mehr sein als nur ein zweitüriger 123er.

Hochleistungssportler oder Lastesel? 1984er Mercedes-Benz 280 TE AMG Stufe II Affalterbacher T-Modell in Liebhaberhand Der Mercedes W 123 ist mit fast 2,7 Millionen Einheiten das meistgebaute Modell in der Daimler-Benz Geschichte. Die Lieferfristen betrugen bis zu drei Jahre, te

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Login via Facebook

Community