50 Jahre Mercedes-Benz Baureihe 123 (Teil 2) - das Coupé C123

Klasse mit „C“: Eleganz, Exklusivität und ganz viel LeBENZgefühl

50 Jahre Mercedes-Benz Baureihe 123 (Teil 2) - das Coupé C123: Klasse mit „C“: Eleganz, Exklusivität und ganz viel LeBENZgefühl
Erstellt am 9. Februar 2026

Als Mercedes‑Benz im Frühjahr 1977 das Coupé der Baureihe 123 auf den Markt brachte, war schnell klar: Dieses Fahrzeug sollte mehr sein als nur ein zweitüriger Ableger der erfolgreichen Limousine. Nach dem Strich-Acht Coupé war die neue Coupé-Variante der Baureihe 123 vielleicht eine Spur extravaganter.

 

Mit dem C123 Coupé entstand ein eigenständiges Modell, das die solide Technik und Zuverlässigkeit der W123‑Familie mit einer emotionaleren Formensprache verband. Die Coupé‑Version wurde von 1977 bis August 1985 produziert und deckte damit nahezu die gesamte Lebenszeit der Baureihe ab. Insgesamt entstanden 99.884 Coupés – gemessen an der Gesamtsumme von Modellen der Baureihe 123 ein überraschend geringer Anteil. Waren die Kunden noch nicht bereit für einen emotionaleren Mercedes? An der Linienführung wird es wohl kaum gelegen haben. Das Coupé versprühte durchaus eine gewisse Klasse und es passte gut in die Zeit eines spürbar zunehmenden Wohlstands weiter Teile der Gesellschaft. Vielleicht war die Sorge vor dem Gedanken “Was würden wohl die Nachbarn denken?“ zu der Zeit trotzdem einfach noch zu groß. Eine Mercedes Limousine ließ sich jederzeit auch rational verargumentieren. Aber mehr bezahlen, um weniger Raum zu bekommen? Soviel war den meisten Zeitgenossen eine  elegantere Dachlinie und eine fehlende B-Säule dann doch nicht wert.

Bereits beim Einstiegspreis wurde der Charakter des Coupés deutlich. Denn der Basis‑230C kostete bei Markteinführung rund 38.000 DM, etwa 8 bis 10 Prozent mehr als eine vergleichbare viertürige Limousine – ein Aufschlag, der dem Anspruch des Coupés durchaus gerecht wurde. Wer sich für den C123 entschied, tat dies bewusst: aus Liebe zur Form, aus Anspruch an Qualität und aus dem Wunsch nach einem Auto mit mehr Persönlichkeit. So empfing in die Insassen ein mit Zebranoholz ausgelegtes Interieur, die Armaturentafel unterstrich mit einem serienmäßigen Drehzahlmesser anstelle der analogen Uhr das sportliche Naturell des Coupés.

Doch das Coupé war nicht nur teurer, es war nicht zuletzt deswegen auch deutlich seltener. Während die Limousinen der W123‑Familie in millionenfacher Auflage gebaut wurden, blieb das C123 ein Nischenmodell. 84.375 der Mercedes C123 Coupés waren Benziner, was bedeutet, das immerhin 15.509 Exemplare mit einem Dieselmotor ausgestattet waren. Die meistproduzierte Version war der 280 CE mit 32.138 Exemplaren, dicht gefolgt vom 230 CE mit 29.858 Fahrzeugen – also den beiden Einspritzbenziner‑Varianten, die am stärksten den Charakter des Coupés prägten. Der 230 C selbst brachte es auf 18.675 Einheiten, während der Sechszylinder‑Vergaser 280 C mit nur 3.704 Exemplaren die seltenste Variante bei den Benzinern darstellte.

Interessant sind die Stückzahlen der Dieselvarianten: Für den nordamerikanischen Markt bot Mercedes‑Benz das Coupé ebenfalls mit Dieselaggregaten an – den 300 CD in 7.502 Exemplaren und den aufgeladenen 300 CD Turbodiesel in 8.007 Einheiten. Diese Dieselversionen sind auf dem europäischen Klassikermarkt ausgesprochen ungewöhnlich und gelten heute als besondere Sammlerstücke.

Optisch setzte das Coupé deutliche Akzente im Vergleich zur viertürigen Limousine. Die rahmenlosen Türen und die niedrigere Dachlinie verliehen dem C123 im Zusammenspiel mit dem um 85 mm verkürzten Radstand eine elegante, fast sportliche Silhouette, ohne dabei die sachliche Mercedes‑Formensprache zu verlassen. Aufgrund dieser coupétypischen Proportionen geriet das Coupé zu einem akzeptablen 2+2-Sitzer. Der Innenraum war etwas knapper geschnitten, wirkte dennoch offen und hochwertig. Die Verarbeitung war über jeden Zweifel erhaben und der Komfort auch auf langen Strecken vorn vorbildlich und im Fond auch für Erwachsene leidlich akzeptabel, wenn auch der Zugang zu den Rücksitzen sich natürlich etwas weniger komfortabel gestaltete als beim Viertürer.

 

 

AMG fertigte in der Vor-Merger-Ära als noch unabhängiger Tuner spektakuläre Varianten vom Coupé. Dabei handelte es sich um extrem seltene Einzelstücke oder Kleinstserien, die im Kundenauftrag entstanden. Die gängigste Tuning-Variante war wohl der Mercedes-Benz 280 CE AMG. Das auf den charakteristischen Penta-Stern-Felgen rollende Coupé basierte auf dem 2,8-Liter-Reihensechszylinder, dessen Leistung aber war durch klassische Optimierungen (Nockenwellen, Kopfbearbeitung) von 185 PS auf 210 PS bis 230 PS gesteigert. Das "Highlight" jedoch war der Einbau des 5,0-Liter-V8 (M 117) aus der S-Klasse (W126). Ein solches Fahrzeug leistete ca. 276-280 PS. Optisch waren die AMGs oft durch das komplette AMG-Bodykit mit Front- und Heckschürzen, Schweller) und den besagten Felgen gekennzeichnet. Ein modifiziertes Fahrwerk und die Bremsanlage der S-Klasse trugen der Mehrleistung Rechnung. Zeitgenössische Tester ermittelten eine Höchstgeschwindigkeit über 235 km/h und mit 6.5 s aus dem Stand auf Tempo 100 verdient auch heute noch das Prädikat „sprintstark“: Im Übrigen pflanzte AMG auch dem T-Modell mehr Leistung ein, was sie nicht nur zu den schnellsten Kombis ihrer Zeit machte, sondern auch zu gesuchten Raritäten.

 

Aus heutiger Sicht mag so manchen das Fehlen eines Diesel-Coupés auf dem europäischen Markt vielleicht etwas überraschen. Der Grund lag weniger in technischen Schwierigkeiten als vielmehr in der Positionierung. Mercedes-Benz sah das Coupé als emotionales Fahrzeug, während die Dieselaggregate auf dem europäischen Markt zu der Zeit noch primär mit Wirtschaftlichkeit und Nutzwert assoziiert wurden. Ein Diesel passte schlichtweg einfach nicht zum Image des eleganten Zweitürers. Umso überraschender die Situation auf dem nordamerikanischen Markt. Dort gab es ein 300CD Coupé, das ausschließlich für den nordamerikanischen Markt gebaut wurde. Dort war die Nachfrage nach Diesel-Coupés größer, vor allem aus Gründen der Verbrauchswerte und Abgasgesetzgebung.

Auch beim Thema Sicherheit machte das C123 keine Abstriche. Trotz der rahmenlosen Türen war die Karosseriestruktur überraschend stabil, und moderne Bremssysteme gehörten zur Serien‑ oder Sonderausstattung. Im Laufe der Bauzeit fanden auch Assistenzsysteme wie ABS ihren Weg in das Coupé – ein weiterer Hinweis darauf, wie Mercedes‑Benz Technik und Stil gleichermaßen pflegte.

Auf dem Oldtimer‑ und Youngtimer‑Markt ragen heute vor allem die 280CE‑ und 230CE‑Modelle heraus. Sie gelten als die harmonischsten und am besten ausbalancierten Vertreter des Coupés und sind entsprechend gefragt – nicht nur wegen ihrer Stückzahlen, sondern auch wegen ihrer stimmigen Kombination aus Leistung, Charakter und Alltagstauglichkeit.

Trotz ihres eleganten Auftritts blieben beim C123, ähnlich wie bei der Limousine, gewisse Schwachstellen nicht aus. Rostprobleme konzentrieren sich vor allem auf klassische Bereiche wie Radläufe, Wagenheberaufnahmen und Türunterkanten – bei Coupés zusätzlich verstärkt durch das Gewicht der großen Türen. Mechanisch hingegen gelten die Motoren und Getriebe bei guter Wartung als äußerst robust, was einen erheblichen Teil der anhaltenden Beliebtheit ausmacht.

86 Bilder Fotostrecke | Baureihe 123 Trilogie: 50 Jahre Baureihe 123: Aller guten Dinge sind 1-2-3! #01 #02

Fünfzig Jahre nach der Einführung der Baureihe 123 zeigt das Coupé C123, wie Mercedes‑Benz es verstand, Technik, Stil und Alltagstauglichkeit miteinander zu verbinden. Es ist – von den extrem raren AMG-Versionen vielleicht einmal abgesehen kein Klassiker für Sportfahrer, sondern ein leiser Genusswagen – ein Mercedes, der auch heute noch begeistert und der für viele Enthusiasten ein besonderes, stilvolles Kapitel in der Geschichte des Sterns darstellt. Preislich dabei in Regionen schwebt, die für viele Old- und Youngtimer-Fans noch erreichbar sind.

Im dritten und letzten Teil unseres Jubiläums‑Dreiteilers wenden wir uns dem T‑Modell S123 zu, jenem vielseitigen Kombi, der nicht nur Familien und Handwerker überzeugte, sondern den Begriff „Mercedes‑Kombi“ bis heute prägt.

+++—-+++—-+++—-+++
*NEU: WhatsApp-Channel von Mercedes-Fans.de

Verpasse keine Top-News aus dem Sternuniversum mehr und abonniere unseren kostenlosen WhatsApp-Channel!
Hier für den Mercedes-Fans WhatsApp-Channel anmelden//
https://whatsapp.com/channel/0029VafT5DR1NCrTs0nuVa0G

+++—-+++—-+++—-+++

Das könnte euch auch interessieren:

50 Jahre Mercedes-Benz Baureihe 123 - die Limousine 123er Trilogie: Die Limousine – ein Auto für die Ewigkeit Als Mercedes-Benz im Januar 1976 die neue Baureihe W123 präsentierte, war schnell klar, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Modellwechsel handelte.

50 Jahre Mercedes-Benz Baureihe 123 (Teil 3) - das T-Modell 123er Trilogie: Der Mercedes-Kombi, der so nicht heißen durfte.  Als Mercedes-Benz im April 1978 das T-Modell der Baureihe 123 vorstellte, war dies weit mehr als die Einführung einer weiteren Karosserievariante.

Glanz & Gloria (Mercedes C123) Strahlend schönes 85er Coupé 280CE Er gilt als der letzte Chrom-Benz: Die Rede ist vom schnittig karossierten Mercedes Coupé der Baureihe C123. Doch ist es nicht nur der Klassik-Charme mit dem d

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Login via Facebook

Community