Hochleistungssportler oder Lastesel? 1984er Mercedes-Benz 280 TE AMG Stufe II

Affalterbacher T-Modell in Liebhaberhand

Hochleistungssportler oder Lastesel? 1984er Mercedes-Benz 280 TE AMG Stufe II: Affalterbacher T-Modell in Liebhaberhand
Erstellt am 4. Dezember 2012

Der Mercedes W 123 ist mit fast 2,7 Millionen Einheiten das meistgebaute Modell in der Daimler-Benz Geschichte. Die Lieferfristen betrugen bis zu drei Jahre, teilweise wurden über 5.000 DM (umgerechnet rund 2.500 €) für die Übertragung eines Kaufvertrags gezahlt. Was soll es bei solch' einem Masseauto, das sogar den VW Golf in einem Zulassungsjahr an Neuzulassungen übertraf, Besonderes zu berichten geben? Möglich wird´s durch Jörg Maschke's 1984er Mercedes-Benz 280 TE AMG Stufe II, der nach bewegter Geschichte mit fünf Vorbesitzern heute in Hildesheim beheimatet ist.

Doch zunächst zurück zum 123er im Allgemeinen. Bei seiner Einführung schien man sich bei Daimler-Benz des künftigen Absatzerfolges noch gar nicht sicher zu sein. Immerhin wurde er nach Auslieferungsbeginn 1975 etwa elf Monate parallel zu seinem Vorgänger, dem Strich 8 angeboten. Von den 2,7 Millionen hergestellten Fahrzeugen waren 2,4 Millionen Limousinen. Die Motorenpalette reichte bei Ottomotoren von 2,0 bis 2,8 Liter bei 94 bis 185 PS, bei den Dieselmotoren von 2,0 bis 3,0 Liter bei 60 bis 125 PS.

Erstmals nannte Mercedes den Kombi T-Modell

Mit dem Kombi, bei Mercedes-Benz erstmalig als T-Modell bezeichnet, bot der Hersteller zu ersten Mal in seiner Geschichte ein im eigenen Haus gefertigtes Fahrzeug dieser Art an.(Die ca. 300 Kombis der Heckflosse wurden unter Daimler-Benz- Lizenz in Belgien hergestellt.) Die ersten Fahrzeuge wurden 1977 auf der IAA vorgestellt, die Serienproduktion begann Anfang 1978 und endete im Januar 1986.

Mit seinem Erscheinen war Mercedes-Benz bemüht, den neuen Kombi vom normalen Handwerker- und Familienkombi abzusetzen. Die Innenausstattung lag weit über dem üblichen Niveau. So übertraf z.B. ein durchgehender Teppichboden, selbst auf der Ladefläche, bei Weitem das seinerzeit Gewohnte.

Dieser 280TE erreicht in 8,2 Sekunden Tempo 100

In der Ausstattungsvariante mit 15-Zoll-Rädern, speziellen Federn und Stoßdämpfern sowie einem höher dimensionierten Bremskraftverstärker betrug die Zuladung gegenüber den 560 Kilogramm des Normalmodells 700 Kilogramm. Es wurden zunächst die Modelle 230 T, 250 T, 280 TE, 240 TD und 300 TD angeboten, ab 1980 waren der 200 T, der 230 TE, der 280TE, der 300 TD und der 300 TD Turbodiesel erhältlich. Beim Hersteller wurde der T gern als Versuchsfahrzeug benutzt. So wurden sowohl eine Ausführung mit Elektroantrieb und bereits 1983 ein 280TE mit Wasserstoffantrieb entwickelt.

Mit dem 280 TE sind wir dann wieder bei Jörg Maschke. Sein AMG gehört, da Baujahr 1984, zu den späteren Modellen des 123er T-Modells. Für das Fahrzeug bot AMG seinerzeit drei Leistungssteigerungsstufen an. Die mittlere, die Jörg unter der Haube hat, holt zusätzliche 25 PS aus dem Sechszylindertriebwerk, was 210 PS ergibt. Das maximale Drehmoment von 255 Nm liegt bei 4.200 U/min an.

Das verleiht dem Kombi mit dem optionalen 5-Gang-Getriebe eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h. Er beschleunigt aus dem Stand in 8,2 Sekunden auf 100 km/h. Diese Werte waren, obwohl heute nicht atemberaubend, für die damalige Zeit und insbesondere für einen Kombi etwas Besonderes. Immerhin ist Jörgs Auto damit auch heute und im Alter von 28 Jahren noch ein recht heißes Eisen.

Auch im Alter von 28 Jahren noch ein recht heißes Eisen

Erreicht werden diese Leistungsdaten durch einen in gewohnter Weise überarbeiteten Zylinderkopf. Die Brennraumformen wurden geändert, die Ein- und Auslasskanäle ausgefräst und poliert. Das Verdichtungsverhältnis von 9:1 wurde unverändert beibehalten. Die Ventile sind feinbearbeitet, die Schlepphebel verjüngt und poliert. Spezielle AMG Nockenwellen sorgen für längere Ventilöffnungszeiten. Ansaugrohr und Auspuffkrümmer sind ohne strömungshemmende Übergänge ausgeführt. Die mechanische K-Jetronic Einspritzanlage wurde beibehalten, auch das Kühlsystem blieb unverändert.

Jörgs Auto wurde als 280 TE Mitte 1983 beim Mercedes-Benz Vertragspartner Fahrzeugwerke Lueg AG in Bochum von einer Werbeagentur bestellt und am 14.09.1984 mit umfangreicher Sonderausstattung, wozu damals noch das ABS System zählte, ausgeliefert. Besonders ins Auge sticht hierbei die Lieferzeit von über einem Jahr. Das AMG Leistungspaket wurde sofort eingebaut, das Fahrwerk wurde entsprechend AMG um 25 mm tiefer gelegt und erhielt rundum Bilstein Gasdruck-Stoßdämpfer. Die Felgenausstattung war 7x16 bzw. 8x16“, die Bereifung 225/50 VR16. Die Veränderungen wurden am 21. September 1984 eingetragen.

1988 wurde das Fahrzeug bei AMG in Affalterbach weiter aufgerüstet. Hinzu kamen Front- und Heckspoiler sowie eine Außentemperaturanzeige unter dem Tacho. Die bisherigen Chromteile erhielten die Wagenfarbe Anthrazit Metallic. Ferner wurde umgerüstet auf 8x16 bzw. 9x16“ Remotec-Felgen und Bereifung 225/50 VR16 vorn sowie 245/45 VR16 hinten. Zwischendurch erlebte der Wagen eine wechselvolle Umbaugeschichte. Reifendesigns und Felgen wechselten mehrfach, die Chromteile wurden entfärbt bzw. durch Originalverchromung ersetzt. Auch die Spoiler wurden im Rahmen einer Kotflügelreparatur entfernt.

Jörg bemüht sich bei der Wiederherstellung des künftigen Klassikers um Originalität

Inzwischen ist Jörg Maschke dabei, den ursprünglichen Zustand akribisch wiederherzustellen. Mit viel Glück, wie es eben bei solchen Aktionen dazu gehört, stieß er bei Ebay auf nagelneue Front- und Heckspoiler. Seitenschweller und Heckschürze erhielt er in den Niederlanden, hinzu kamen gebrauchte AMG Felgen in 8x16“ bzw. 9x16“. Aktuell sucht er noch einen originalen AMG Tacho mit erweiterter Skala. Die Geschichte hört eben, wenn man sich ihr einmal verschrieben hat, nie auf… - belohnt wird Jörg jedoch durch den Fahrspaß pur, den er in seinem Lastesel mit Stern immer wieder genießt. Am Ende möchte Jörg dem Verein für Freunde des W123 e.V. (www.VfW123.de) Danke sagen, da man ihm dort den Kontakt herstellte, als er nach einem leistungsgesteigerten W123 suchte.



Text: Friedrich W. Thüner

Fotos: Daimler AG, Jörg Maschke, Friedrich W. Thüner

Mercedes-Fans Facts

1984 Mercedes 280 TE AMG Stufe II (S123)

Antrieb: Reihensechszylinder, 2.746 ccm, 210 PS bei 4.200 U /min, 5-Gang Schaltgetriebe, Hinterradantrieb

Fahrwerk: Vorne Doppel-Querlenker mit Drehstab-Stabilisator und AMG Schraubenfedern, Scheibenbremsen; Hinten Diagonal-Pendelachse, hydropneumatische Federbeine, Drehstab-Stabilisator, AMG Schraubenfedern, Scheibenbremsen

Räder: AMG 8x16“ vorne, 9x16“ hinten mit 205/55 ZR 16 vorn, 225/50 ZR 16 hinten

Sonstiges: Selbsttragende Ganzstahlkarosserie, Leder schwarz mit verkleinertem Airbag-Lenkrad

56 Bilder Fotostrecke | Hochleistungssportler oder Lastesel? 1984er Mercedes-Benz 280 TE AMG Stufe II: Affalterbacher T-Modell in Liebhaberhand #01 #02

2 Kommentare

  • PICT1711

    PICT1711

    Was für ein phantastisches Auto! Fahre nur Limo, hatte noch nie einen Kombi/Coupé/Cabrio, aber der ist einfach sensationell. Den Stern vorne drauf würde ich allerdings hintun, gehört einfach dazu. Wenn bezahlbar, könnte es mein erster Kombi werden... Gruß, ein anderer Christoph (aus Hamburg).
  • LukasA35

    LukasA35

    Und sieht man die 28 Jahre..? Nicht wirklich, auch nicht vom Design her. Aber wenn man an die aktuelle Generation eines AMG-E-T denkt... Gruß Christoph

Schreibe einen Kommentar

Login via Facebook

Community