Originalgetreu restauriert: 1958 Mercedes-Benz Ponton Coupé

Wieder ein Mercedes-Benz Oldtimer von der Ponton Manufaktur

Originalgetreu restauriert: 1958 Mercedes-Benz Ponton Coupé: Wieder ein Mercedes-Benz Oldtimer von der Ponton Manufaktur
Erstellt am 23. Januar 2013

Nach dem 1958 Mercedes-Benz Ponton Cabrio, das wir bereits auf Mercedes-Fans.de hier vorgestellt haben, zeigen wir Ihnen heute einen weiteren Mercedes Oldtimer aus der Ponton Manufaktur – ein vollrestauriertes 1958 Mercedes-Benz Ponton Coupé.

Das 1958er Mercedes-Benz Ponton Coupé stammt aus der Konkursmasse eines Bauunternehmers aus dem süddeutschen Raum. Thomas Hanna bekam damals einen Anruf einer Bank, die Autos aus einem Konkurs in Bargeld umwandeln wollte. „Der Bauunternehmer hatte wohl als Ziel von jedem 220S-Ponton einen zu haben. So sammelten sich eine Limousine, ein Coupé und ein Cabrio, und darüber hinaus eine Heckflosse und ein BMW V8 in diversen Tiefgaragen“, erklärt der Oldtimer-Spezialist. Alles oder nichts hieß die Devise, also musste er das ganze Paket übernehmen. Die beiden nicht so interesanten Oldtimer verschob Hanna weiter – die Pontons behielt er natürlich.

Die Pontons standen zerlegt in Tiefgaragen

„Das Coupé war vor vielen Jahren zerlegt und anrestauriert worden. Es präsentierte sich als neu lackiertes 'Rolling chassis', samt neuer, d.h. vor 15 bis 20 Jahren gemachter, roter Lederausstattung und vielen Teilen, die lose beilagen“, berichtet Hanna. Vor rund 20 Jahren hatte der Bauunternehmer um alle Autos gleichzeitig zu diversen Restaurateuren gebracht – alle Pontons zerlegt und bei Cabrio und Coupé die Bestuhlung einigermaßen fachgerecht mit neuem, roten Leder bezogen worden. „Natürlich hatte das Leder durchs Lagern etwas Staub angesetzt und auch einige Druckstellen. Ich sah vor meinem geistigen Auge die Kunden, die immer nach „Patina“ fragen, schon auf diesen Sitzen Platz nehmen“, sagt Hanna.

Schnell wurde der schlechte Zustand erkannt

Doch es sollte anders kommen: Die „neuen“ Sitzbezüge wanderten in den Müll und auch die „neue“ Lackierung, die zwar glatt und ansehnlich, aber eben auf 90er-Jahre-Niveau mit reichlich Spachtel aufgebaut war, sollte wieder weichen. Auch die hinteren Radläufe waren „über den Daumen“ modelliert wie Thomas Hanna beim Anhalten des originalen Radlaufchroms schnell feststellte. Wie oft in den 1990er Jahren hatte man bei der Restauration den Chrom weggelassen, was heute für eine echtes Beschaffungsproblem führt. Kurzum haben Hanna und sein Team den Radlaufchrom komplett nachgefertigt. „Ich war es einfach leid, für diesen Chrom in lausigem, gebrauchtem Zustand astronomisch hohe Summen zu zahlen und dafür Stunden im Internet zu surfen und am Ende dann festzustellen, dass nichts zueinander passte. Denn durch die Handfertigung sind die Türen bis zu zwei Zentimeter unterschiedlich lang und entsprechend wurden die Leisten genau aufs Auto angepasst.“

Eine Restaurierung kostet! Viel Geld und Nerven

Wäre der Bauunternehmer damals nicht pleite gegangen und die „Restaurierung“ wäre beendet worden, dann hätte er diesen Wagen vermutlich als „restauriert“ angeboten um zu Geld zu kommen. „Doch es sind bisher nur wenige Autos perfekt restauriert worden und fast alles was unter 100.000 Euro angeboten wird, ist eine 'Restaurierung' im Stile vor der Jahrtausendwende oder hat bestenfalls weitgehend original und ungeschweißt überlebt“, erklärt der Ponton Experte.

Da es kaum voll restaurierte Ponton Cabrios und Coupés auf dem Markt gibt, wird man in der Regel bestenfalls einen teilrestaurierten, einigermaßen fahrbereiten Wagen auftun. Das wichtiges beim Kauf (und das gilt auch für andere Oldtimer): Das Fahrzeug sollte komplett sein, speziell die vielen Zierteile können in der Beschaffung und Bearbeitung sehr problematisch werden.

Die Restaurierung eines solchen Modells beginnt wie bei anderen Oldtimern mit dem Zerlegen in alle Einzelteile. Es folgt das komplette Entlacken der Karosse, denn nur so ist die saubere Reparatur aller Blechteile möglich. „Speziell der Heckbereich ist beim C/C immer perforiert. Die Radläufe und der Verdeckkasten sind da nur die Hauptverdächtigen“, erklärt Thomas Hanna. Ist die Karosse wieder hergestellt, kommt der Lackauftrag - der Motorraum war beim Ponton Coupé & Cabrio immer schwarz und nicht wie bei den Limousinen in Wagenfarbe! Der Unterboden wurde in grau lackiert, der Kofferraum wiederum grundsätzlich in tiefdunkelgrau in matter Einstellung.



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Während die Karosse neu aufersteht, konnte sich das Team um Thomas Hanna schon mal über Motor, Getriebe, Kardanwelle, Hinterachse und Vorderachse hermachen. Dazu kam noch jede Menge Kleinkram wie Kühler, Kühlerrohre, Heizung, Kupplung, Tank etc. In Sachen Elektrik ist der Ponton sehr übersichtlich - Autoelektrik pur! Allererste Finessen sind nur beim Einspritzer die Temperaturfühler. Aber alles nicht wirklich problematisch. „Allerdings sollte man die Gleichstrom-Lima gegen ein modernes Drehstrom-Pendant austauschen, da diese den Ladevorgang schon bei niedrigsten Drehzahlen bewerkstelligt“, empfiehlt der Ponton-Experte.

Ein große Baustelle während der Restauration - auch bei einem Mercedes Oldtimer - ist der Chrom! Wer ein perfektes Ergebnis will, muss die Teile neu verchomen lassen. „Vor dem Neuverchromen müssen die Teile zunächst entchromt und neu an die Karosserie angepasst werden“, berichtet Hanna.

Der Innen(t)raum: Leder & Holz

Der Ponton Coupé & Cabrio hat eines der schönsten Holzarmaturenbretter die man in der Autowelt jemals verbaut hat. Das massive Holzteil konnte in den verschiedenen Furnierarten „Makassar“, „Wurzelholz“ und „Palisander“ oder natürlich nach „Sonderwunsch“ geordert werden. Auch mit Leder wurde nicht gegeizt, es findet sich auf jedem Quadratzentimeter im Innenraum. Ein begehrtes Extra war das von Webasto gelieferte Stahlschiebedach, mit dem sich der Neupreis des Mercedes-Benz Ponton Coupés über den des Cabrios treiben lies.

Bei der Bereifung bedarf es eines Kompromisses: Zwar gibt es komfortablere Alternativen zu den originalen Reifen, die über die bekannten Oldtimerreifenhändler in 7,25x13 zu beziehen sind, aber diese sind fast alle im Abrollumfang zu klein. Aber das Ergebnis mit den originalen Radkappen auf den lackierten Felgen entschädigt. Nachdem die Karosse wieder auferstanden ist, hieß es, dem neuen Rostbefall vorzubeugen. Also werden alle Hohlräume der Karosse mit Hohlraumversiegelung behandelt und die teuren Kotflügel mit den finnischen Lokari-Innenkotflügeln – ein Zubehör, das es schon seit den 50er Jahren gibt, ausgestattet.

Das Ziel erreicht?

So eine Restaurierung mit all den Spezialkenntnissen und Spezialisten für die verschiedenen Gewerke geht natürlich ins Geld. Doch eine „Komplettrestaurierung“ von vor 20 Jahren ist nach heutigen Maßstäben eher eine Bastelarbeit. Damals bekam man kaum Ersatzteile (das Internet war noch nicht erfunden, Händler kaum etabliert) und so musste man sich oft behelfen. Meist war die TÜV-Abnahme das Ziel. Heute liegen die Dinge völlig anders und man muss dann erst mal die „Fehler“ einer frühen Restaurierung wieder eliminieren!

Die Rettung: Die Mercedes Datenkarte

Ob sich eine Restaurierung lohnt verrät die Datenkarte, die Mercedes gegen Besitznachweis bei Mercedes-Benz angefordert werden. Hier kann man vergleichen ob Motor, Getriebe, Hinterachse, Lenkgetriebe und Vorderachsschenkel noch die originalen sind. Auch die Schlüsselnummern von Lenkradschloss und sind hier erfasst, genau wie die Marken von Beleuchtung (Bosch oder Hella) und Scheibenwischer. Wenn alle diese Nummern noch mit dem Auslieferungszustand übereinstimmen, dann spricht der Oldtimer-Experte von „full matching numbers“. So einen Zustand sollte man versuchen zu erhalten. „Doch der Ponton ist und bleibt ein Auto für Kenner, damals wie heute“, meint Thomas Hanna.



Text: Thomas Hanna, Thomas Frankenstein

Fotos: Siegfried Stadler

Mercedes-Fans Facts

1958 Mercedes 220S Coupé



Antrieb: Reihensechszylinder, 2.195 ccm, 106 PS bei 5.200 U/min, 17,5 mkg bei 3.500 /min, zwei Solex-Register-Fallstrom Vergaser 32 PAJTA; 4-Gang-Schaltgetriebe, Hinterradantrieb

Fahrwerk: Einzelradaufhängung mit Doppel-Querlenker, Schraubenfedern, Drehstab-Stabilisator, hydraulische Teleskop-Stoßdämpfer, Trommelbremsen; Hinten Eingelenk-Pendelachse, Schraubenfedern, Drehstab-Stabilisator, hydraulische Teleskop-Stoßdämpfer, Trommelbremsen

Räder: Stahlfelgen mit Radkappe, 5x13" mit 6,70-13 Sport

Sonstiges: 1.251 vom 220S (und 830 vom 220SE)

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