Was kann der GLB im EQ-Dress tatsächlich?

Fahrbericht: Mercedes-EQB 350 4MATIC in Patagonia Red

Was kann der GLB im EQ-Dress tatsächlich?: Fahrbericht: Mercedes-EQB 350 4MATIC in Patagonia Red
Erstellt am 15. November 2021

Elektrisierte Kompaktklasse: Der EQB ist nach dem EQA nun der zweite vollelektrische Kompakte von Mercedes-EQ. Der Elektro-Bruder des GLB soll mit seinem üppigen Platzangebot den Markt der Kompakt-EVs aufmischen, erhältlich ist er nämlich mit bis zu sieben Sitzplätzen, ein echtes Alleinstellungsmerkmal in dieser Fahrzeugklasse. Darüber hinaus bietet das Kompakt-SUV dank des langen Radstandes des GLB-Chassis (2.829 mm) sagenhafte 1.620 Liter Ladevolumen. In Europa startet der EQB als EQB 300 4MATIC mit einer Leistung von 168 kW und als EQB 350 4MATIC mit 215 kW. Beide Modelle erreichen eine Reichweite von jeweils 419 Kilometer nach WLTP (Worldwide Harmonised Light Vehicles Test Procedure). Doch was kann der GLB im EQ-Dress tatsächlich?

Dazu lud uns die Daimler AG zu einer Pressefahrveranstaltung ein, bei der wir den EQB einen Tag lang auf Herz und Nieren prüfen durften. Ich, Moritz Krüger, 26 Jahre alt und neu in der Mercedes-Fans-Redaktion, konnte hinter dem Lenkrad eines EQB 350 4MATIC in Patagonia Red Platz nehmen.

Der EQB besticht auf den ersten Blick durch seine EQ-typischen Design-Elemente. Dazu gehören der Zentralstern auf dem, im Fall des EQB, großen Black-Panel-Grill und ein durchgehendes Leuchtband vorne als auch hinten. Letzteres scheint sich in der Welt der Oberklasse-EVs zu etablieren.

Wir werfen einen Blick auf das Design

Doch fangen wir einfach mal mit der Front an. Die progressive und sehr präsente Black-Panel-Front lässt den EQB in Verbindung mit einem horizontalem Lichtleiter, der die Tagfahrleuchten der Voll-LED-Scheinwerfer miteinander verbindet, selbstbewusst auftreten. Das Innenleben der Scheinwerfer erscheint wie ein Schaukasten, da man sich in der Wertigkeit, Präzision und Ausführung des blau akzentuierten Scheinwerferinneren schon fast verlieren kann. Zuletzt lässt der EQB den Betrachter durch dezent angedeutete Powerdomes wissen, dass mit diesem Auto nicht nur der Wocheneinkauf erledigt werden kann.

Auch von der Seite zeigt sich der EQB von seiner besten Seite, dominiert wird diese nämlich von den breiten Kotflügen, die an eine muskulöse Schulter erinnern. Dieser Eindruck wird durch die ansteigende Scheibenkante nochmals verstärkt. Insgesamt wirkt der EQB trotz seiner Gesamtlänge von über 4,5 Metern sehr ausbalanciert, was den kurzen Überhängen an Front und Heck zu verdanken ist. Das Greenhouse ist funktionsorientiert und die geständerte Dachreling unterstreicht die hohe Nutzbarkeit des neuen EQB.

Sitzprobe im neuen EQB

Hüften, nach denen man sich gerne mal umdreht. Das Heck des EQB präsentiert sich sehr breit. Unterstrichen wird diese Breitenwirkung durch das sich verjüngende LED-Leuchtband, das nahtlos in die LED-Heckleuchten übergeht. Was besonders gefällt ist, dass das Kennzeichen in den Stoßfänger ausgelagert wurde, was im Vergleich zum Heck des GLB ein besonders gelungenes Heckklappen-Design ermöglicht hat.

Von innen wird der EQB dann zum spektakulären zweiten Familienwohnzimmer auf vier Rädern. Im Innenraum verweisen seine Rohrelemente in Aluoptik an den Innengriffen, der Tür, der Armaturentafel und der Mittelkonsole abermals auf den starken Nutz-Charakter. Andeutungen auf das elektrische Gemüt spiegeln sich, je nach Ausstattung, im eindrucksvolle Zierteil auf dem Armaturenbrett, die Akzente auf den Sitzen, dem Fahrzeugschlüssel und sogar an den beleuchteten Lüftungsdüsen wider. Die für ein Elektroauto typischen Anzeigen greifen das Farbkonzept des Interieur-Designs in entsprechend gefärbten Elementen wieder auf. Die Sportlichkeit des EV wird durch eine High-Tech-Turbinen-Optik angedeutet. Wie gewohnt begrüßt uns das MBUX-System, das wir schon aus dem GLB kennen, nun aber mit an das EV angepassten Elementen. So lassen sich im Media-Display über das Mercedes-EQ-Kachel-Menü Ladeoptionen, Stromverbrauch und Energiefluss aufrufen. Alles in allem ein sehr beeindruckend gelungener Innenraum, der einige Innenräume der letzten drei Jahre buchstäblich alt aussehen lässt!

Was alles steckt ausstattungstechnisch in dem über viereinhalb Meter langen Kompaktwagen (4.684 Millimeter, um genau zu sein)?

Der EQB übernimmt den vollvariablen Allradantrieb 4MATIC des EQA. Dieser sorgt auch bei schwierigen Straßenverhältnissen für souveräne Fahreigenschaften. Ganz nebenbei ist der 4MATIC die technische Basis für das dynamische Fahrverhalten des EQA und EQB. Gepaart mit seinem langen Radstand und dem variablen, geräumigen Innenraum, lässt der GLB sogar eine dritte Sitzreihe zu und bietet zwei zusätzliche Einzelsitze. Zusammen eine Kombination, die den EQB zum nachhaltigen Familien-Roadtriper machen könnte.

Dafür spricht auch das üppige Platzangebot, mit meinen 1,92 habe ich selbst noch in der zweiten Reihe genug Kopf- und Bein-Freiheit, in der dritten Reihe hört der Komfort dann allerdings wieder auf, die auch nur für Insassen mit einer Körpergröße bis 1,65 Meter konzipiert ist. Doch selbst in der dritten Reihe reisen die Kleinen mit einem hohen Maß an Komfort.
Abhängig davon wie viele Sitzreihen ich umklappe, reicht das Ladevolumen von 495 bis 1.710 Liter (Siebensitzer) bzw. 465 bis 1.620 Liter (Fünfsitzer). Nebst der serienmäßig in der zweiten Reihe verbauten und verstellbaren Armlehnen kann auf Wunsch die zweite Reihe auch 140 mm in der Länge verschoben werden und lässt so zusätzliche 190 Liter Ladevolumen zu.

Der Antrieb – kein Plaid-Mode wie bei Tesla, aber dafür genauso innovativ

Das 215 kW starke 350er Modell wird dabei an der Vorderachse von einer Asynchronmaschine angetrieben. Diese E-Maschine, ein Getriebe mit fester Übersetzung samt Differenzial, Kühlsystem und Leistungselektronik bilden dabei eine hochintegrierte, kompakte Einheit – den elektrischen Antriebstrang (eATS). Zusätzlich besitzen EQB 300 4MATIC und EQB 350 4MATIC an der Hinterachse einen eATS mit einer neu entwickelten permanenterregten Synchronmaschine. Synchron heißt der Motor, weil sich der Rotor mit der Frequenz des Stator-Magnetfelds dreht. Die Frequenz wird mittels der Leistungselektronik an die Geschwindigkeitsanforderungen des Fahrers angepasst. Zu den Vorteilen dieser Bauart zählen hohe Leistungsdichte, hoher Wirkungsgrad sowie hohe Leistungskonstanz. Die Leistungsanforderung zwischen Vorder- und Hinterachse wird bei den 4MATIC-Versionen je nach Fahr­situation 100 Mal pro Sekunde intelligent geregelt. Denn die EQ-Philosophie sieht vor, dass zur Verbrauchsoptimierung, wenn möglich, nur die hintere E-Maschine betrieben wird, während die Asynchronmaschine an der Vorderachse im Teilastbetrieb nur geringe Schleppverluste erzeugt.
In der Praxis spürt man dies sogar, da sich der EQB selbst im Sportmodus nicht so sportlich fahren lässt wie sein Verbrenner-Bruder. Das ist bei einer Höchstgeschwindigkeit von 162 km/h auch nicht zu erwarten war. Der EQB ist nun mal mehr ein Familien-Nutztier als ein Sport-SUV.

Das Fahrwerk – Adaptiv intuitiv

Das Fahrwerk überzeugt am meisten im Comfort-Modus und erinnert in Sachen Dämpfungskomfort stark an eine hochgelegte E-Klasse, trotz seiner größeren Dimensionen und Masse dämpft das Fahrwerk auf egal welchem Untergrund einfach butterweich, selbst Schotterparkplätze und Feldwege in Immendingen bügelt der EQB so für den Fahrer flach. Verdanken tut dies das SUV seiner ausgefeilten Sensorik, die permanent das Fahrzeug überwacht und sogar die Fahrweise des Fahrers erfasst.
Der Sport-Modus hingegen enttäuscht dann eher, zumal man sich fragt, wofür ein Familien-SUV diesen Modus überhaupt benötigt. Denn in der Praxis fährt sich der EQB damit lediglich minimal straffer, regelt aber nach, wenn er es eigentlich nicht sollte und lässt somit nicht wirklich ein Gefühl von Sportlichkeit aufkommen.
Wie aber wie bereits erwähnt will der EQB hauptsächlich durch seine vielseitige Nutzbarkeit überzeugen, was in Anbetracht des Fahrzeug-Konzeptes völlig legitim ist.

Die Batterie

Die Kraft bezieht das Kompakt-SUV aus einer Lithium-Ionen-Batterie mit einer Maximalspannung von 420 V, einer Normalkapazität von 190 Ah und einem nutzbaren Energiegehalt von 66,5 kW/h. Besagte Batterie umfasst fünf Module, welche sich unterhalb der Passagierkabine in der Fahrzeugmitte befinden.
Die Batterie profitiert dabei vom intelligenten Thermomanagement des EQB. Dieses ermöglicht mittels einer kühlmitteldurchströmten Platte unter ihr gekühlt oder erwärmt zu werden.
Das Lademanagement der Batterie erlaubt es an herkömmlichen Wechselstrom mit bis zu 11 kW oder an Schnellladestationen mit bis zu 100 kW Gleichstrom zu laden, was einer Reichweite von 300 Kilometern nach 15 Minuten entspricht.

Ausgefuchste Navigation dank Electric Intelligence

Wo geht es lang, und wo ist die nächste Ladesäule? Klassische Aufgaben eines Co-Piloten, die im neuen EQB intelligente Assistenten übernehmen. Die Navigation mit Electric Intelligence kalkuliert die aktuell schnellste Route unter Berücksichtigung zahlreicher Faktoren. Ist ein Ladestopp nötig, wird zu einer Ladestation navigiert.
Unter anderem fließen in die Berechnung der Route die aktuelle elektrische Reichweite, der momentane Stromverbrauch, die Topografie der geplanten Route (wegen des Energiebedarfs) und die dortigen Temperaturen (wegen der Ladedauer) ein. Weitere Faktoren sind die Verkehrssituation auf der geplanten Strecke sowie die dort verfügbaren Ladestationen und ihre Ladeleistung. Der Kunde muss nicht immer zwingend vollladen, sondern erhält an der Ladestation eine konkrete Empfehlung der benötigten Ladezeit. Die Ladestationen werden so eingeplant, wie es am günstigsten in Bezug auf die Gesamtreisezeit ist, denn unter Umständen kann zwei Mal kurz Laden mit höherer Ladeleistung schneller sein als einmal lange Laden.

Wird die Reichweite knapp, gibt die Aktive Reichweiten-Überwachung Tipps wie „Klimaanlage aus“ oder „ECO Fahrprogramm wählen“. Zudem wird im Fahrprogramm ECO eine effizientere Fahrgeschwindigkeit errechnet und im Tacho dargestellt, mit der die nächste Ladestation oder das Ziel wie geplant erreichbar ist. Beim Aktivieren der DISTRONIC wird diese Geschwindigkeit automatisch übernommen. Zusätzlich wird in diesem Fahrprogramm ebenfalls auf eine intelligente Betriebsstrategie der Nebenverbraucher umgestellt, um den anfallenden Strombedarf zu reduzieren und damit die Reichweite situativ zu erhöhen.

Die Routenplanung kann im Voraus in der Mercedes me App erfolgen. Grundsätzlich werden die Daten vor Fahrtantritt und dann alle zwei Minuten aktualisiert. Zwei Punkte, die Viel- und Langestreckenfahrer sehr zugutekommen werden. Darüber hinaus kann der Fahrer die Navigation per Electric Intelligence auch individuell anpassen.

Nicht nur durch Subventionierungen sparen, sondern auch gleich ein Jahr kostenlos laden

Über "Mercedes me"-Charge bekommen Mercedes-EQ Kunden bequem Zugang zu Ladesäulen verschiedener Anbieter und profitieren von einer integrierten Bezahlfunktion mit einfacher Abrechnung. Mit Mercedes me Charge können Kunden europaweit an über 250.000 öffentlichen Ladepunkten in Europa ökonomisch laden, Mercedes-Benz sorgt nachträglich für ökologischen Ausgleich durch Grünstrom.

Fazit

Betrachtet man den EQB als reines EV, macht er sich in allen Belangen super, meckern kann man hier tatsächlich nur auf hohem Niveau. Da ist die Höchstgeschwindigkeit von 162 km/h für den einen oder anderen Interessenten schon eher ein großes Aber, man will halt nicht unbedingt zu den Mittelspur-Schleichern zählen. Andererseits ist diese Abriegelung erforderlich, um Effizienz und Reichweiten gewährleisten zu können. Darüber hinaus ist der EQB auch als Familien-Kompakt-SUV gedacht und mit den Liebsten an Board sollten selbst die größten Bleifüßler unter uns sanft aufs Pedal legen. Daher müssen wir gestehen: Alles in allem macht der EQB das, was er soll sehr souverän. Ich freue mich schon auf weitere EQ-Offensiven und schon auf die nächsten Shooting-Stars der EQ-Modellreihe - in der Zukunft vielleicht auch einer mit AMG-Genen?

75 Bilder Fotostrecke | Was kann der GLB im EQ-Dress tatsächlich?: Fahrbericht: Mercedes-EQB 350 4MATIC in Patagonia Red #01 #02

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