Der ADAC war jahrzehntelang so etwas wie der Schutzpatron der Autofahrer. Pannenhilfe, Verbrauchertests, rechtlicher Beistand – ein Club für Autofahrer, nicht gegen sie. Doch genau dieses Selbstverständnis steht derzeit massiv in Frage.
Der Auslöser: Aussagen des ADAC-Verkehrspräsidenten Gerhard Hillebrand wonach höhere Spritpreise ein geeignetes Mittel seien, um den Umstieg vom Verbrenner auf das Elektroauto zu erzwingen. Die Reaktion vieler Mitglieder folgte prompt – Austritte in bemerkenswerter Zahl. Man spricht von bislang über 5.000. Unter Autofahrern sorgt die Haltung des ADAC für Unverständnis.
Autofahrer sind keine Technikverweigerer. Wer Auto fährt, fährt nicht automatisch „von gestern“. Im Gegenteil und schon gar nicht, wenn man deutsche Fabrikate und da an erster Stelle Mercedes-Benz fährt: Kaum ein Hersteller hat in den letzten Jahrzehnten so konsequent neue Technologien in die Serie gebracht – vom Sicherheitsgurt über Assistenzsysteme bis hin zu modernen Hybrid- und Elektroantrieben. CLA, EQE, Plug-in-Hybride mit alltagstauglichen Reichweiten – Mercedes-Kunden kennen Innovation. Was sie jedoch ablehnen, ist Bevormundung durch Preiskeulen.
Viele Mercedes-Fans haben sich bewusst für einen effizienten Diesel, einen kultivierten Benziner oder einen leistungsstarken Sechszylinder entschieden. Nicht aus Ignoranz gegenüber dem Klimaschutz, sondern weil ihr Fahrprofil, ihre Infrastruktur oder ihre Nutzung aktuell schlicht nicht zum reinen Elektroauto passen. Wer täglich lange Strecken fährt, einen Anhänger zieht oder keine Lademöglichkeit zu Hause hat, trifft eine rationale Entscheidung – keine ideologische. Zumal sich beim Diesel durch eine Betankung mit HVO100 ebenfalls fast 90% des CO2-Ausstoß vermeiden lässt.
Der ADAC verkennt seine Rolle
Wenn der ADAC höhere Spritpreise als Lenkungsinstrument fordert, stellt sich eine grundlegende Frage: Wessen Interessen vertritt dieser Club eigentlich noch? Für viele Autofahrer bedeutet ein höherer Spritpreis nicht „Anreiz“, sondern reine Mehrbelastung – ohne echte Alternative. Ein Luxus-Problem? Keineswegs. Viele Autos werden oft als Langstreckenfahrzeug genutzt, als Firmenwagen, als Reisefahrzeug. Höhere Kosten treffen am Ende also nicht den „Spaßfahrer“, sondern vor allem Mittelstand, Pendler und Dienstwagenfahrer.
Der Eindruck entsteht: Statt neutral zu beraten, belehrt der ADAC. Statt Lösungen zu testen, fordert er Verbote durch den Geldbeutel. Das ist gefährlich für die Glaubwürdigkeit.
Während der ADAC den moralischen Zeigefinger hebt, fährt die Autoindustrie mittlerweile eine deutlich realistischere Strategie: Technologieoffenheit oder international treffender bezeichnet als "Multi Pathway". Elektro dort, wo es Sinn macht. Hybrid als Brücke. Effiziente Verbrenner, wo Infrastruktur und Nutzung es erfordern. Genau diese Vielfalt schätzen viele Autofahrer.
Bessere Produkte statt Druck
Die deutsche Autoindustrie hat schmerzhaft lernen müssen, der Kunde macht den Wechsel zur E-Mobilität nicht durch Druck, sondern nur durch bessere Produkte. Und die müssen finanziell auch erreichbar sein.
Ein Mercedes CLA überzeugt Kunden und Tester nicht, weil Diesel teurer wird, sondern weil er leise, komfortabel, schnell und technologisch beeindruckend ist. Das ist der Unterschied zwischen gekonnter Markenstrategie und Belehrungspolitik.
Vertrauen verspielt man schneller, als man es gewinnt
Der aktuelle Mitgliederschwund beim ADAC ist kein Zufall. Er ist ein Symptom. Viele Autofahrer fühlen sich nicht mehr vertreten, sondern gemaßregelt. Wer Akzeptanz für Elektromobilität will, muss begeistern, nicht bestrafen. Rund 5.000 verlorene Mitglieder von 22 Millionen sind mathematisch betrachtet natürlich nicht viel. Aber der ADAC sollte genau hinschauen – bevor noch mehr Mitglieder dem Verein den Rücken kehren.


Keine Kommentare
Schreibe einen Kommentar