Oben ohne - Aber mit Stil!

Mercedes-Benz 560 SEC Cabrio Umbau von der Design und Technik GmbH Hamburg

Oben ohne - Aber mit Stil!: Mercedes-Benz 560 SEC Cabrio Umbau von der Design und Technik GmbH Hamburg
Erstellt am 19. April 2018

Beim Concours d`Élégance in Schwetzingen entdeckte Mercedes-Fans.de einen ganz besonders seltenen Vertreter der Sternenflotte. Der Park des Schwetzinger Schlosses bot den passenden Rahmen für das traumhaft elegante Mercedes Cabrio von Karl Heinz Brosius aus Wiesbaden.

Werdegang des Traumschiffs

Am 01.04.1987 lieferte die ansässige Mercedes-Benz Niederlassung das 560 SEC Coupé an den Erstbesitzer, eine Firma in Nürnberg aus. Das Fahrzeug kostete damals stolze 136000 DM. Zur Sonderausstattung gehörten folgende Positionen:

Wegfall der Abgasanlage Südafrikaausführung Code 822: - 1500 DM
Klimatisierungsautomatik: 700 DM
Kopfstützen im Fond Code 430: 200 DM
Sitzheizung für die elektrischen Vordersitze: 630 DM

Der Ausstattungscode 822 bedeutet eine Leistungssteigerung schon ab Werk. Der 560er wurde damals von Mercedes-Benz auf Kundenwunsch mit 300 PS ohne Kat ausgeliefert, um den BMW V12 750i-Modellen die Stirn bieten zu können. Das Fahrzeug hat dadurch eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Damit war man in der gleichen Liga wie der Porsche 911 Turbo welcher 1977 bis 1989 300 PS leistete.

Schönheitschirurgie bei der Design und Technik GmbH

1979 wurde die Styling Garage Schenefeld (SGS) bei Hamburg gegründet. Die Kunden des damals schnell wachsenden Unternehmens kamen zumeist aus dem arabischen Raum. Amerikanische Film- und Popstars, japanische Geschäftsleute und afrikanische Potentaten gehörten zu den Auftraggebern für die pompösen Umbauten. Veredelt wurden unter anderem Ferraris, Mercedes und BMW Fahrzeuge. Fahrzeugverlängerungen von bis zu 1 Meter gehörten ebenso zum angebotenen Spektrum, wie Flügeltüren und Cabrio-umbauten der S-Klassen Coupés.

In puncto Sonderausstattung wurden alle denkbaren Wünsche der illustren Kundschaft verwirklicht. Ob Kühlschrank, Telefon, Fax, oder Blattgoldkühlergrill. Der Kunde war nicht nur sprichwörtlich König. Anlässlich der Hochzeit des Kronprinzen von Abu Dhabi lieferte SGS einmal 30 veredelte Mercedes Limousinen auf einen Schlag. Durch eine Währungsinstabilität in den Auftragsländern und einen damit verbundenen Auftragsrückgang, ging das Unternehmen SGS 1986 bankrott. 1987 wurde unter dem Namen Design und Technik GmbH das Geschäft mit den Fahrzeug-umbauten wieder aufgenommen. 2005 wurden die Tore jedoch endgültig geschlossen.

2004 Hex Hex her mit der Flex. Das Blechdach weicht dem Stoffkleid.

Der zweite Besitzer, Herr R. hat das Fahrzeug am 04.05.1995 mit einem Kilometerstand von 222.200 Kilometern zugelassen. Im Jahr 2004 wurde für viel Geld nicht nur eine Katanlage eingebaut. Der Umbau zum Cabrio erfolgte mit einer elektrohydraulischen Dachbetätigung für das Verdeck, welches zusätzlich über einen Notöffnungsmechanismus verfügt. Dieser Mechanismus ist für den Fall gedacht, wenn das Cabrio offen ist und die Hydraulik versagt. Indem man einen Hebel umlegt, wird die Hydraulikpumpe entkoppelt. Dann kann das Verdeck manuell bedient werden. So lässt die Design und Technik GmbH einen nicht oben ohne im Regen stehen. Das hydraulische Verdeck verfügt sogar über einen gedämmten Himmel.

Die Bodengruppe wurde bei dem entfernen vom Dach natürlich verstärkt. Die nötige Verwindungssteifigkeit wurde serienmäßig natürlich durch das Dach erreicht. Der Wagen war nicht als Cabrio konzipiert. Der Benz verwindet sich überraschenderweise trotz des Umbaus kein bisschen. Durch die Verstärkungen der Struktur bringt der Wagen etwas mehr Gewicht auf die Waage, als der serienmäßige 560 SEC mit 1750 kg. Mit 1870 kg ist de Benz nun 120 kg schwerer, obwohl das Blechdach durch ein Stoffdach ersetzt wurde, weil ja auch die Strukturverstärkungen ins Gewicht fallen. Das abschließbare Fach der Mittelkonsole wurde mit Wurzelholz versehen. Im Innenraum wurde noch ein zusätzlicher „Spezial Wurzelholzsatz“ verbaut. Das Originallenkrad wich einem Nardi Holzlenkrad. Auch die Armaturen bekamen „Instrumentenstyling“ durch eine Umrandung aus Wurzelholz. Dieses Holz mit seiner typischen Maserung war damals das gängige Material um Luxus und Reichtum zu demonstrieren.

Die Rechnung der Design und Technik GmbH für die umfangreichen Umbauten im Innenraum und an der Struktur des Mercedes betrug stolze 82.308 DM. Am 12.05.1995 bekam das frisch enthauptete Auto in Rülzheim noch einen Satz neuer Räder. Für 9.788 DM. Verbaut wurden dreiteilige Felgen von WRD in den Maßen: Vorne 2 x 8,5J x 17“ 235/45 hinten 2 x 10J x 17“ 265/40.

Einer geht noch, einer geht noch rein… Ein neuer Stern.

Im Besitz von Karl Heinz Brosius war bereits ein Mercedes-Bens 500 SEC 1991 den er 2001 mit 49.000 Kilometern kaufte. 2003 kam ein 560 SEC mit 130.000 Kilometern dazu. Dieser 560 SEC hat noch kein H-Kennzeichen wird aber regelmäßig gefahren. Beruflich fuhr Herr Brosius einen 500 SEL von 1989-2006 der mittlerweile stolze 513.000 Kilometer auf der Uhr
verzeichnet.

Neben dem S-Klasse-Treffen stehen übrigens noch weitere Benz in der Sammlung: Ein 170 SA Cabrio, ein 111 Cabrio, ein 109 mit 3,5-Liter Motor, ein 107er und last but not least ein 129er. Da war also noch Platz für ein Auto.

Wurzelholzbäumchen Wechsel dich. Der dritte Besitzer.

Herr Brosius ist selbstverständlich auch Mitglied im S-Klasse Club, denn der Cabrio-Umbau ist ja nicht der einzige Stern an seinem Garagenfirmament. Nach einem Besuch im Mercedes Museum Anfang 2015 schlenderte Herr Brosius mit einem Freund über eine bekannte Oldtimer-Messe. Dort stand der Cabrio Umbau in bemitleidenswertem Zustand. Vom Verkäufer keine Spur. Nur eine Mobiltelefonnummer am Auto. Nach ein paar Telefonaten wurde man sich einig und das Auto wechselte den Besitzer. Als der Mercedes im April 2015 in den Besitz von Karl Heinz Brosius überging, war der Wagen also in keinem guten Zustand.

Restaurierung für neuen Sternenglanz

Die Firma Kaufeld in Mannheim kümmerte sich liebevoll um die Instandsetzung der Holzapplikationen im Innenraum. Der Lack wurde schon mal erneuert, aber es handelt sich noch um die Originalfarbe 587 Pallietterot metallic. Die Innenausstattung ist noch die erste und der Farbton heißt 274 Dattel. In Wiesbaden fand sich eine Werkstatt, die sich auf die 126er Baureihe spezialisiert hat. Dort wurden im August 2015 unter großem Aufwand die Federspeicher ausgetauscht. Außerdem hat man das undichte Automatikgetriebe repariert. 2017 erhielt der Mercedes problemlos sein wohl verdientes H-Kennzeichen.

Das Auto stammt noch aus der Ära des Chefdesigners Bruno Sacco. Typisch für die Ära Sacco sind die Seitenschutzplanken aus Plastik in der unteren Türhälfte. Der Einsatz von Kunststoff bei einem Luxusauto sorgte damals noch für Diskussionen in der Fachwelt. Die Plastikteile haben sich jedoch gut gehalten und werden liebevoll „Sacco-Bretter“ genannt. Die vorderen Federn mussten noch erneuert werden, was bei der Laufleistung nicht verwunderlich war. Die defekte und sehr komplizierte elektronische Wegfahrsperre wurde kurzerhand ausgebaut. Ein ganzer Karton Kabel wurde entfernt. Auch für die Wegfahrsperre war nicht mehr an Ersatzteile zu kommen. Das Thema wird für dieses und die nachfolgenden Modelle in Zukunft ein echtes Problem.

Das Verdeck war zum Glück dicht und heile. Zur Zeit steht der Wagen wieder in der Werkstatt. Der Klimakompressor japanischer Herkunft wurde in Norddeutschland bei einem Spezialisten abgedichtet und wird gerade eingebaut. Die liebevolle Wartung lohnt sich. Im März 2017 wurde dem Wagen ein Zustand 2+ bescheinigt. Fixstern. Immer wieder zu bestaunen

Seit 2016 ist das Cabrio jedes Jahr in Wettenberg bei der Veranstaltung Golden Oldies zu bestaunen. Dort sprach der bekannte Autofachmann Johannes Hübner, der durch das Programm führte, Herrn Brosius an und bat ihn, zur Classic Gala in den Schloßpark von Schwetzingen zu kommen.
Gesagt, getan. 2016 und 2017 stand der Mercedes in Schwetzingen. Dieses Jahr bleibt Karl Heinz Brosius den Events treu. Das Auto muss bewegt werden, sonst entstehen teure Standschäden. Kleine Wege werden gern bei schönem Wetter offen gefahren, aber im großen Viersitzer wird es auf der Autobahn dann doch sehr stürmisch. Sehen wir ihn auch bei unserem Fan-Festival „Schöne Sterne“ in Hattingen auf dem Gelände des LWL-Industriemuseums Heinrichshütte am 25./26. ‬August 2018? Wir würden uns freuen! Das zehnjährige Mercedes-Fans.de-Jubiläum wäre ein toller Anlass.

Technische Daten:

Modell: Mercedes-Benz 560SEC
Baujahr: 1987
Baumuster: C 126 E 56 ( 126.045 )
Motor: M 117 E 56
Produktionszeit von / bis: Sept. 1985 - Aug. 1991
Zylinder / Nockenwelle / Ventile: V8 / 2x1 ohc / 2 pro Zyl.
Höchstleistung in PS: 300
bei 1/min: 4800
Getriebe: 4-Stufen-Wandler-Automatik
Bremsen: 4 Scheiben mit Servo, ABS

 

1 Kommentar

  • mb-youngclassics.de

    Mb-youngclassics.de

    Ralf Weber war nie Präsident des -S-Klasse-Clubs! Außerdem muss es heißen "Die Firma H&S Technik in Köln hatte geholfen. Die Kölsche Jungs waren auf W 126er Mercedes spezialisiert." Die Firma gibt es nicht mehr!

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