Mit Mercedes auf große Fahrt: 1965er Mercedes L319

Wohnmobil-Umbau der Mindener Karosseriefabrik

Mit Mercedes auf große Fahrt: 1965er Mercedes L319: Wohnmobil-Umbau der Mindener Karosseriefabrik
Erstellt am 22. Juli 2013

Seit Mitte der Fünfziger schob der Mercedes L319 unermüdlich Dienst als hartgesottenes Arbeitstier. Doch konnte der Mercedes als Pritsche, Kastenwagen oder Bus nicht nur tüchtig malochen, sondern auch die wohlverdiente Freizeit genießen helfen. Denn auch als Basis für Wohnmobil-Umbauten macht der grundsolide Mercedes L319 einen hervorragenden Job. Eines der seltenen Wohnmobile zählt heute zur Sammlung von L319-Experte Manfred Johnen.

Mit dem Mercedes L319 kommt das Wirtschaftswunder auf Touren

Mitte der Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts: Die größte Not der Nachkriegszeit ist überwunden. Die Wirtschaft erholt sich und ist auf dem besten Wege zu rasant steigenden Produktionszahlen, die man wenig später als Wirtschaftswunder titulieren wird. Die Fabriken brummen, der Handel kommt in Fahrt. Damit es so weiter gehen kann, benötigt die Wirtschaft einen vielseitigen Transporter. Mercedes liefert ihn in Form des Mercedes-Benz L319.

Der L319 begründet bei Mercedes die Transporter-Tradition

Der sogenannte „Schnell-Lastwagen“ in charakteristischer Frontlenker-Bauweise mit dem unter dem Fahrerhaus positionierten Motor feiert seine Premiere im September 1955 auf der Frankfurter IAA. Der Mercedes darf für sich das Verdienst anrechnen, der Vorläufer von zahlreichen erfolgreichen Transporter-Generationen von Mercedes-Benz bis zu den aktuellen Baureihen Sprinter, Vito und Vario zu sein..

Rustikal und grundsolide: Der Mercedes L319 ist das ideale Arbeitsgerät

Mit 3,6 Tonnen Gesamtgewicht und kompakten Abmessungen kommt die neue Baureihe L319 für Handwerk, Handel und Gewerbe gerade recht. Die Technik mit blattgefederten Starrachsen vorne und hinten sowie Zwillingsbereifung und großen 16-Zoll-Rädern an der Hinterachse ist robust und hart im Nehmen. Ideale Voraussetzungen, um als solides Nutzfahrzeug jeder Arbeitsanforderung gerecht zu werden.

Ein Auto für alle Fälle: Mercedes L319

Es gibt den L319 als Kastenwagen, Pritschenwagen, Tieflader sowie als Verkaufswagen mit Markisenverschlüssen an Seiten und Heck, bezeichnet als „offener Lieferwagen“. Auch ein Kastenwagen mit Schiebetüren zählt zum Angebot. Im Laufe der Jahre kommen Karosseriebauer dann auch auf die Idee, den Mercedes L319 als Basis für ihre Wohnmobilaufbauten zu verwenden.

80 PS sorgen beim L319 für neuen Schwung

So wie dieses Wohnmobil des Baujahres 1965, das von einem 2,0 Liter Benziner mit 80 PS angetrieben wird. Die zuvor verwendeten Aggregate sprühten sowohl als Benziner mit 65 PS und als Diesel mit 43 PS wahrlich nicht vor Diensteifer. “Aber der 80 PS-Motor bringt den Mercedes durchaus zügig in Schwung”, findet der L319-Fan Manfred Johnen, der als gelernter Kfz-Meister die legendären Lastesel professionell restauriert. „Alles in allem ist der L319 immerhin 109 km/h schnell", ergänzt der Simmerather.

Die Mindener Karosseriefabrik baut den L319 zum Wohnmobil aus

“Dabei handelt es sich um ein Original-Wohnmobil der Mindener Karosseriefabrik”, weiß Manfred Johnen zu berichten. “Ein Unternehmer im Ruhrgebiet hatte den Mercedes L319 seinerzeit in Auftrag gegeben." Tja, nach den turbulenten Wirtschaftswunder-Jahren hatten sich die Deutschen einen kleinen Urlaub wahrlich verdient. Während das Gros der deutschen Touristen sich jedoch in vergleichsweise kleinen Blechkisten über den Brenner gen Süden quälte, dürfte das Reisen im geräumigen Mercedes-Wohnmobil deutlich angenehmer gewesen sein.

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Gemütlichkeit im Stil der Zeit

Der Innenraum spiegelt den Charme jener Jahre wider. Und damals war “Gemütlichkeit” angesagt. Dem Zeitgeschmack entsprechend wurde der Mercedes mit weichen Sitzmöbeln, braunen Bezügen, ebensolchen Vorhängen und natürlich dunkelbraunen Resopal-Möbeln ausgestattet.

Neuer Glanz in der alten L319-Hütte

“Der Mercedes ist 2006 an einen älteren Herrn in Holland verkauft worden. Dieser hatte das Wohnmobil entsprechend seinen Vorstellungen inwendig umgestaltet”, berichtet Manfred Johnen. “So war im Innenraum zum Beispiel komplett Teppichboden verlegt worden. Diesen haben wir nach Erwerb des Mercedes 2011 als erstes entfernt, um den Original-Zustand wieder herzustellen."

Coole Sache: Der Mercedes L319 bekommt einen Kühlschrank

Außerdem wurden die Resopal-Fronten aufgearbeitet und die Ausstattung um Kochgelegenheit und Kühlschrank erweitert. Von Anfang an mit auf Reisen war das in typischer Kacheloptik der 60er Jahre gehaltene Bad. “Da is alles drin, was man unterwegs benötigt – inklusive Heizung”, merkt Manfred Johnen an.

Im Gegensatz zu modernen Campingmobilen ist die Kabine nüchtern und sachlich gehalten. So wie man es eben vom Mercedes L319 kennt. Äußerlich wartet das rollende Freizeit-Vergnügen mit einer Lackierung in einem charmanten Lindgrün auf.

Optische Details hübschen den Mercedes auf

Die großen weißen Aufkleber bringen Dynamik und Schwung an die Flanken des voluminösen Mercedes. Ferner zieren hübsche Radblenden die Felgen und verleihen auf diese Weise dem Erscheinungsbild des Reisemobils einen Hauch Luxus.

Der Mercedes bietet reichlich Gesprächsstoff

“Obwohl Teil meiner L319-Sammlung ist das Mercedes-Wohnmobil beileibe kein Museumsstück, sondern wird tatsächlich für Reisen genutzt”, sagt Manfred Johnen. "Zweimal im Jahr fahren meine Frau und ich im Wohnmobil zu den Treffen der L319er Community. Und bei Urlaubsreisen entfacht der Mercedes L319 auf dem Campingplatz immer wahre Begeisterungsstürme.”

Fotomodell Mercedes L319

Ja, so stiftet der Mercedes L319 auf dem Campingplatz im Handumdrehen einen netten Kontakt zu den Nachbarn. Für Gesprächsstoff ist jedenfalls sogleich gesorgt. An hübschen Begebenheiten, die sich zu erzählen lohnen, herrscht denn auch kein Mangel. So erzählt Manfred Johnen, wie er einmal direkt am Eingang des Mercedes-Museums parken durfte. “Wir waren dort zu Besuch, und sonst gab es weit und breit keinen Parkplatz. Der Direktor des Museums bot mir schließlich an, direkt am Museums-Eingang zu parken. Und so stellte ich den L319er direkt neben den dort ebenfalls geparkten Actros ab. Mann“, erinnert sich Manfred Johnen, „war das ein Blitzlichtgewitter bei den Museumsbesuchern. Jeder wollte eben unbedingt ein Foto machen.“ Fragt sich nur, wer am Ende wem die Show gestohlen hat...



Text & Fotos: Frank Ebeling

Mercedes-Fans Facts

30 Bilder Fotostrecke | Mit Mercedes auf große Fahrt: 65er Mercedes L319 als komfortables Wohnmobil #01 #02 Fahrzeugtyp: Mercedes-Benz L319 Benziner

Baujahr: 1965

Motor: Vierzylinder-Reihenmotor, Hubraum: 1988 ccm, Leistung: 80 PS

Getriebe: Viergang-Schaltgetriebe

Bremsen: Zweikreis-Bremsanlage mit Bremskraftverstärker

Räder: 16-zöllige Stahlfelgen

Reifen: Zwillings-Hinterräder

Fahrwerk: Starrachse mit Halbfedern vorn und hinten

Karosserie: Kastenprofilrahmen mit Aufbau

Innenraum: Original Wohnmobil-Ausstattung

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