3... 2... 1... meins! Der 850-Euro-Benz!

Teil 1: Mercedes-Benz E 240 T (S210): Der Zombie-Kombi - Die Auferstehung einer Leiche

3... 2... 1... meins! Der 850-Euro-Benz!: Teil 1: Mercedes-Benz E 240 T (S210): Der Zombie-Kombi - Die Auferstehung einer Leiche
Erstellt am 19. März 2020
Christian Nikolai schreibt regelmäßig für Mercedes-Fans.de. Dabei spezialisiert er sich vor allem auf das Thema Old- und Youngtimerei, Wertentwicklung und Restaurierung. In den vergangenen 21 Jahren arbeitete Christian im Marketing und Vertrieb der Daimler AG in Stuttgart sowie für Unternehmen wie LUEG, Herbrand oder Ostendorf, wo er die dortigen Klassik-Abteilungen aufbaute und den Handel mit klassischen Mercedes-Benz-Modellen verantwortete.

Christian Nikolai berichtet vom Kauf eines E240T

 
Derzeit macht er sich mit seiner eigenen Automotive Unternehmensberatung "RaumLenker MotorConsult" selbständig, die sich hauptsächlich mit der Erstellung von Vertriebs- und Marketingkonzepten für Automobilhersteller und Händler beschäftigt. Außerdem engagiert er sich für Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, die in Zukunft die deutlich einfachere und CO2-neutralere Alternative zur Elektromobilität sind.
 
Auto-Enthusiasten steht er - wenn es die Zeit zulässt - beim Kauf oder bei der Suche nach einem klassischen Fahrzeug zur Seite; mit Spezialisierung auf Klassiker mit Stern. In dieser Story wird Christian über den Kauf seines "neuen" Mercedes-Benz E 240 T (S210) berichten, der übergangsweise sein "Daily-Benz" werden soll. In den nächsten Wochen werden wir über die Entwicklung des Zombie-Kombi berichten. Viel Spaß!
 
In den letzten Jahren, die ich (Christian Nikolai) im Handel mit klassischen Mercedes-Benz-Modellen verbracht habe, wurde ich von Kunden oft gefragt, worauf man beim Autokauf achten sollte. 
 
Neben den vielen Besonderheiten der jeweils gesuchten Baureihe, die es zu beachten galt, gab ich stets den eindringlichen Rat, sich das Auto vor Ort genau - am besten auf einer Hebebühne - anzusehen und auf jeden Fall Probe zu fahren. Ein Sachkundiger sollte immer einen genauen Blick drauf werfen. 

Ich suche einen Mercedes für den Alltag


Keinesfalls sollte man ein Auto blind im Internet kaufen; egal, wie vielversprechend die Bilder auch sein mögen. Beschriebene Mängel, die in der Realität immer dramatischer als geschildert sein dürften, sollten jeden stutzig machen und vom Kauf Abstand nehmen lassen.
 
Als ich mich Anfang 2020 entschloss, mich mit meiner Automotive Unternehmensberatung selbständig zu machen und deshalb auch meinen (geliebten W126-) Dienstwagen an meinen vorherigen Arbeitgeber zurückgab, musste schnell ein Ersatz her. Optimalerweise ein T-Modell, mehr oder weniger klassisch, Anhängerkupplung, Klima und Automatik. Fertig, Suche starten!

Das Auto musste keine Schönheit, aber auch keine Ratte sein und war als Transport- und Überbrückungsfahrzug für ein paar Monate und als Zugfahrzeug gedacht. Ich fing also an, im Internet zu suchen!

3... 2... 1... meins!

 
"...oh, coole Farbe - und sogar Leder", war wohl beim Klick auf den aquamarinblauen E 240 T, der bei eBay inseriert wurde, mein einziger Gedanke, wie sich aber erst später herausstellen sollte. 
 
Das aktuelle Gebot lag bei €792, also bot ich - der seriöse Profi, der jedem Kunden fundierte Kaufempfehlungen gab - ungesehen generöse €850, und setzte mich zur Familie zum Abendessen. "Eine Auktion so knapp vor Ende gewinnt mann ja sowieso nicht", dachte ich noch, als ich in meinen Hähnchen-Wrap biss. 

Doch, gewinnt man - wie sich später am Abend herausstellte - sogar ganz easy, als eine Benachrichtigung mit dem Text " Wann kommst Du das Auto abholen?" auf meinem Handy aufpoppte. Ich hatte mit satten €813,01 die Auktion souverän gewonnen!

Günstiger Schnapper oder Kostenfalle?

Ich las sicherheitshalber nochmal den Verkaufstext, den ich vorher anscheinend wohl eher überflogen haben musste: 

"Biete hier meinen W210 E 240 T an.
Das Fahrzeug hat aktuell keinen TÜV, ist im Oktober 2019 abgelaufen.
Für den TÜV muss auf jeden Fall Ölverlust Ölkühler/Ölfiltergehäuse gemacht werden. Dazu braucht er zwei neue Reifen vorne und die Spur muss eingestellt werden. Er fährt und bremst wie er soll und macht keine Probleme. Motor, Automatik und Karosserie sind fit, er hat wenig Rost und eine gute Substanz. Lediglich an den Kotflügeln hat er Roststellen. Unterboden ist ebenso gut in Schuss, Bilder sind anbei.

Was für den TÜV nun noch gemacht werden muss kann ich nicht sagen, bin nicht zum TÜV gefahren. Wir müssen uns einen 7-Sitzer zulegen. Daher habe ich den Wagen am 24.01.20 abgemeldet, bis dahin bin ich damit gefahren.

Zu den kleinen Mängeln:
Auto startet nur mit dem Werkstattschlüssel, der Funkschlüssel ist defekt.
Die Heckklappe schließt nicht mit der ZV ab, dort entweicht Luft an einem Schlauch bei der Heckklappe. ZV schließt über den Knopf am Armaturenbrett, auf und zu.
Probefahrt ist auf dem Gelände möglich, Fahrzeug ist halt schon abgemeldet. Automatikölspülung wurde vor ca. 18 Monaten gemacht, Öl war sauber, nix verbrannt, keine Späne. Der Wagen hat an den Türen ebenfalls keinen Rost, sieht alles top aus. Fahrzeug ist fahrbereit kann aber auch mit Hänger abgeholt werden."


...stand da! 

Wie geht es mit dem Mercedes-Benz E 240 T weiter?

 
Ach, alles Kinkerlitzchen, sagte ich mir und stellte mir trotzdem, ohne es zu wollen Willy, den Senior-Meister in meinem letzten Betrieb vor, wie er zwei Stunden kopfschüttelnd und fluchend unter dem Auto herumkriechen würde, um dann einen fünfstelligen Kostenvoranschlag zu schreiben. ...selbstverständlich netto/Mitarbeiterrabatt inklu. 
 
Am nächsten Morgen rief ich den Verkäufer an. Auf meine Frage „fährt die Möhre überhaupt noch?" antwortete er: „Klar! Die Reifen vorne müssten mal gemacht werden, aber ich bin mit dem Auto bis vor kurzem noch gefahren!"
„...kann ja nicht so dramatisch werden!",
sagte die Stimme des Vollidioten in mir...
 
 

Teil 2 folgt in der nächsten Woche!

 

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