3... 2... 1... meins! Der 850-Euro-Benz!

Teil 10: Der Zombie Kombi – frühkindliche Wurzeln (Kombi, mon Amour)

3... 2... 1... meins! Der 850-Euro-Benz!: Teil 10: Der Zombie Kombi – frühkindliche Wurzeln (Kombi, mon Amour)
Erstellt am 25. August 2020

2020 ist Christian Nikolais Firma „RaumLenker MotorConsult“ an den Start gegangen: Für mehr Selbstbewusstsein und Cojones in der Automotive Kommunikation, für Zukunft, die Herkunft braucht, für neue Konzepte und Wege, die bisher noch nicht gegangen wurden: Christian hat sich mit RaumLenker MotorConsult und der Erfahrung aus über 20 Jahren im Vertrieb und Marketing bei Mercedes-Benz Händlern und der Daimler-Konzernzentrale unter dem Leitbild „Zukunft braucht Herkunft“ auf die Entwicklung von maßgeschneiderten Kommunikations- und Vertriebskonzepten in der Automobilindustrie spezialisiert. Regelmäßig schreibt Christian Artikel für Mercedes-Fans, unter anderem die Geschichte vom „Zombie-Kombi“.

 
 
 

Teil 10

Nach meiner Einschulung im Sommer 1977 führte mich mein täglicher Schulweg über die Heimaterde in Mülheim an unserem örtlichen Tante-Emma-Spar-Laden vorbei. Familie Schnoor, die den Tante-Emma-Laden betrieb, fuhr ein Auto, nach dem ich mir stets den Hals verrenkte! Einen Ford Granada MKl Turnier. In blau-metallic mit Veloursitzen und Ghia Ausstattung. Ich war hin und weg, denn ansonsten kannte ich nur Käfer, Kadetts, Escorts und was sich damals sonst noch vor sich hin rostend auf unseren Straßen tummelte – aber es waren fast ausnahmslos Limousinen.

Wer was zu transportieren hatte, kaufte sich einen Bulli, oder einen Kombi, in dem es meistens ab der ersten Sitzreihe nur verkratztes und oft farbverkleckertes Blech in Wagenfarbe zu sehen gab – sofern er denn überhaupt Seitenscheiben hinten hatte. Die meisten Opel und Ford Kombis wurden damals nämlich von Anstreichern und anderen Handwerkern fast immer fensterlos bestellt, aber garantiert nicht mit Velours-Sitzen, Holzverkleidungen oder einem sonstigen Hauch von Luxus.

Da ich schon in sehr jungen Jahren schwerst autophil veranlagt war, beschäftigte ich mich fortan damit, die „Auto, Motor & Sport“ und andere Autozeitschriften nach Bildern von Kombis zu durchforsten, die besser ausgestattet waren und lag meinem Vater ständig in den Ohren, dass wir auch so ein Auto brauchten. …am liebsten einen Ami, wie den Chevrolet Caprice Classic Estate, bei dem man die Heckscheibe herunterkurbeln – ach was: sogar elektrisch herunterfahren konnte! Ich sah mich vor meinem geistigen Auge schon im Kofferraum sitzen – den Arm lässig aus dem Fenster hängend mit wehendem Haar, flatternder Jeansjacke, auf die meine Mutter einen „Smoky“-Sticker aufgebügelt hatte und Fuchsschwanz am Bund der stramm sitzenden Schlaghose.

„Blödsinn – ich bin doch kein Metzger“, war alles, was mein Vater zum Thema „Kombi“ zu sagen hatte, zumal er ja erst kürzlich die nagelneue, 45PS Diesel-Rakete „Golf LD“ beim freundlichen VAG Partner an der Essener Wickenburg abgeholt hatte, in der wir uns ab 100 Sachen nur noch laut schreiend und durch Lippenlesen unterhalten konnten. …und dann auch noch mit Schmutzfängern. Es war zum Heulen! So musste ich mich also weiter aufs Bilder-Blättern beschränken.

Dann - im Herbst 1977 – begann eine neue Epoche: In den Nachrichten wurde von der IAA in Frankfurt berichtet. Einer der Stars war der „Mercedes für Touring und Transport“, der dort seine Weltpremiere feierte: Die Baureihe 123, die als T-Modell das Wekskürzel S, statt W trug und im Namen zwischen Ziffer und Buchstabe stets ein „T“ auf den Heckdeckel montiert bekam.

Dieses Auto war kein schnöder „Kombi“, wie man ihn von Opel und Ford – abgesehen von der Tante-Emma-Laden-Ghia-Schönheit – kannte, in dessen blechernem Heck Farbeimer hin und her kullerten. Es war der erste Lifestyle-Kombi, auch wenn das Wort noch nicht erfunden war. Motorisierung und Ausstattung entsprachen der Limousine, mit der in der Werbung zwar dynamische Manager mit 280E am Heck über das Flugfeld zum Privat-Jet fuhren – in der Realität aber eher der Opa von Nebenan mit Helmut-Schmidt-Käppi, Zigarrenstummel und 200D Motorisierung seine Else einmal die Woche zum Einkaufen chauffierte. Ich fand den 123er schon zu seinen Lebzeiten altbacken – bis auf das T-Modell.

Das T-Modell wirkte frischer und cooler, weshalb ich auch keine Folge von „Falcon Crest“ verpasste, wo Mercedes-Benz damals ein weizengelbes T Modell gekonnt in Szene setzte. Auch die Familie Drombusch fuhr einen in der Serie „Die Drombuschs“, in der der
Postbote Heini aus „Neues aus Uhlenbusch“ unverständlicherweise mit der ständig heulenden Witta Pohl verheiratet war – die wohnten aber in Darmstadt, nicht im „Tuscany Valley“ und waren totale Spießer, was sich nicht zuletzt auch in der mageren Ausstattung ihres T Modells äußerte. Die Amis als Kombi-gewohntes Volk, das das Wort „Understatement“ nicht kennt, hatten weniger Hemmungen und orderten sich quasi besinnungslos am ersten Mercedes Station Wagon – fast ausnahmslos mit Leder oder MB-Tex, E-Fenstern, Automatik, 6-Zylinder – kurzum: voller Hütte!

Den Amerikanern haben wir übrigens auch zu verdanken, dass überhaupt nennenswerte Stückzahlen des 123er T´s überlebt haben und bei uns als Dick-lippige Re-Importe auftauchen. In Kalifornien regnet es halt seltener – und Mercedes hat einen anderen Stellenwert. In Deutschland wurde nämlich der Sand auf der Baustelle ab der dritten Hand immer direkt in den Kofferraum geschaufelt und wahrscheinlich dort auch der Beton angemischt. Anders kann man es sich nicht erklären, warum diese Autos so selten geworden sind.

Bis heute ist das 123er T Modell meine unerfüllte, große Liebe geblieben und ich habe mich mit 124er T Modellen, 123er Limousinen und auch einem 126er begnügen müssen. Den Zombie Kombi zähle ich erst gar nicht dazu, denn „Mitleid“ kann „Leidenschaft“ nicht ersetzen. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, irgendwann eine zu besitzen.

Vorerst suche ich eine R Klasse mit kleinem Benzinern ohne Airmatic und fünfstelliger Laufleistung als Firmen-Reise-Schulbus-für-alle-Dorf-Blagen-Auto. Irgendwie ist er der Bruder im Geiste des 123ers, denn auch er war seiner Zeit voraus, tat sich als Neuwagen in Deutschland erstmal schwer und wurde für viele nach Produktionseinstellung plötzlich interessant. Außerdem war er die Antwort auf die Frage, die eigentlich keiner gestellt hat. Wie damals der S123.

Wer sowas auf dem Hof stehen hat, kann sich gerne bei mir melden. Das gilt natürlich nicht nur für die R Klasse, sondern auch für einen rostfreien 280TE in nautikblau (Erstlack, bitte – ok?) mit Leder, Automatik, Klima und Schiebedach und maximal 100tsd km auf der Uhr. Für 5 Scheine komme ich den gerne noch heute Abend in Palermo abholen, wenn es sein muss…

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