Pagode "Laetitia von C."

Freudenbringer: 1964 Mercedes-Benz 230 SL (W113)

Pagode "Laetitia von C.": Freudenbringer: 1964 Mercedes-Benz 230 SL (W113)
Erstellt am 15. September 2016

Im Frühjahr 1963 debütierte der Nachfolger des 300 SL und des 190 SL auf dem Genfer Automobilsalon. Und noch bevor der Mercedes-Sportwagen auf die Straße kam, hatte er seinen Spitznamen weg: „Pagode“. "Schuld" an dem Spitznamen ist das Hardtop-Dach, das durch einen nach innen gerichteten Schwung sowie die hohen Scheiben mit schmalen Säulen sehr an fernöstliche Tempelbauten erinnert.

Der neue Mercedes-Benz 230 SL der Baureihe W113 versteht sich als Sportzweisitzer mit hohen Fahrleistungen, bestem Fahrverhalten und gepflegtem Komfort. Kein Wunder, dass er sich bei der Rallye "Spa – Sofia – Lüttich" bewährte und Eugen Böhringer/Klaus Kaiser mit ihm siegreich nach Hause fuhren. Das Exterieur ist durch maskuline Linien und das unverkennbare SL-Gesicht samt dem in der Mitte prangenden Mercedes-Stern geprägt. Die Motorhaube hat in der Mitte eine leichte, zusätzliche Wölbung, die dem aufrecht stehenden Sechszylinder Raum bietet.

Lieferbar ist der 230 SL schon ab Sommer 1963, als Roadster mit einem spielerisch leicht zu bedienenden Faltverdeck – eine kleine Sensation für sich – und als Roadster mit Hardtop. Im März 1967 – der 230 SL wurde inzwischen vom 250 SL abgelöst - kommt als weitere Variante  ein Hardtop-Coupé hinzu. Letzterem fehlt das Verdeck und der Verdeckkasten, dafür gibt es mehr Platz für Gepäck oder einen Notsitz im Innenraum. Alle drei Versionen lassen sich offen fahren.

Die „Pagode“ basiert auf der Bodengruppe der berühmten „Heckflossen“- Baureihe W 111/112 ist, des weltweit ersten Automobils mit Sicherheitskarosserie. Und auch der 230 SL bietet eine steife Fahrgastzelle und Knautschzonen mit verformbaren Bug- und Hecksegmenten. Der Innenraum ist wie bei der Limousine „entschärft“, es gibt keine harten Ecken und Kanten; Sicherheitsgurte sind, wie beim Vorgänger, als Sonderausstattung erhältlich.

Auch das Fahrwerk wurde von den großen Limousinen und auf den Roadster abgestimmt. Die Federung ist straff, aber für einen Sportwagen fast untypisch komfortabel. Für die Dämpfung sorgen Gasdruck-Stoßdämpfer, und erstmals fährt ein SL auf Gürtelreifen. Dazu erhielt der SL Pagode ein Zweikreis-Bremssystem und Scheibenbremsen an der Vorderachse. 

 

 

 

Der Innenraum ist „entschärft“, es gibt keine harten Ecken und Kanten

Der ebenfalls aus der Limousine stammende Sechszylinder muss einige einschneidende Änderungen über sich ergehen lassen, deren wichtigste der Übergang von der Zweistempel- zur Sechsstempel-Einspritzpumpe ist. Damit ist es möglich, den Kraftstoff direkt durch den vorgewärmten Ansaugkanal und die geöffneten Einlassventile in den Brennraum zu „schießen“ und nicht mehr nur in das Ansaugrohr. Der auf 2,3 Liter aufgebohrte Motor will fleißig gedreht werden, dann leistet er 150 PS bei 5500 U/min und bietet bei 4200 U/min ein Drehmoment von 196 Nm.

Das Vierganggetriebe, ebenfalls aus dem Limousinen-Baukasten, ist lediglich im ersten Gang etwas kürzer ausgelegt, um eine sportlichere Beschleunigung zu erzielen. Die liegt bei 9,7 Sekunden für den Spurt von Null auf 100 km/h. Ab Januar 1966 steht auch ein Fünfgang-Schaltgetriebe (von ZF) zur Verfügung, als Sonderausstattung waren eine Automatik und Servolenkung lieferbar.

Der 2,3-Liter Hubraum muss für die 150 PS ordentlich drehen

Ende Februar 1967 wird der 230 SL nach 19.381 gebauten Fahrzeugen vom etwas hubraumstärkeren, aber ansonsten weitgehend identischen 250 SL abgelöst – getreu der Devise: „Es geht nichts über Hubraum, außer mehr Hubraum.“ Bereits ein knappes Jahr später kommt diese Weisheit erneut zur Anwendung, als der 170 PS starke 280 SL die Nachfolge des 2,5 Liter-Modells antritt. Von allen drei „Pagoden-SL“ entstehen bis März 1971 insgesamt 48 912 Exemplare – eine beachtliche Stückzahl für diese innovative und stilistisch prägnante Sportwagen-Modellreihe von Mercedes-Benz.

Mercedes-Oldtimer für den weiblichen Mercedes-Fan

Das hier gezeigte Modell ist ein 230 SL aus dem Jahr 1964 und gehört Helma Sperling und Joachim Ebbert aus Herne, pardon, Wanne-Eickel. Die beiden sind Auto-Fans durch und durch und hatten schon einige Oldtimer in ihrer Garage bzw. Einfahrt stehen. Mittlerweile sind die beiden zu echten Mercedes-Fans geworden - neben dem historischen SL gehören noch ein SLK 230 K (R170)  und ein smart Cabrio (C451) zum Fuhrpark.

Die weiße Pagode mit braunem Stoffverdeck und cognac-farbenem Interieur brachte Joachim bereits mit in den gemeinsamen Haushalt - er hatte den SL von einem Schulfreund gekauft. Doch für Helma ist der Roadster -  gerade wegen der Kombination aus Eleganz und Sportlichkeit - ein absolutes Frauenauto.

 

Unterwegs auf vielen Oldtimer-Rallyes - auch für Radio Oldtimer

Da die erste Restauration leider nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden war, machten sich die beiden gemeinsam an die Überarbeitung des Roadsters - ein halbes Jahr lang arbeiteten die beiden allein an der Blecharbeiten der Karosserie und des Unterbodens und versiegelten diese schließlich mit neuen Lack in 050 weiß und einer Unterbodenkonservierung!

Nicht nur das Schrauben, auch das Fahren danach ist Lebensfreude und zum Teil Abschalten vom Alltag, denn Helma ist freie Mitarbeiterin bei Radio Oldtimer und hat ihr Hobby zum Beruf gemacht.

Und weil die Pagode soviel "Fahrfreude" bereitet - gerade auf vielen Oldtimer-Rallyes -  haben die beidem dem SL Roadster einen eigenen Kosenamen gegeben: "Laetitia von C" - aus dem Lateinischen „Freude, Fröhlichkeit“...

Autor: Thomas Frankenstein, Fotos: Thomas Frankenstein

28 Bilder Fotostrecke | Pagode "Laetitia von C.": Freudenbringer: 1964 Mercedes-Benz 230 SL (W113) #01 #02

Mercedes-Fans Facts / Technische Daten

1964 Mercedes-Benz 230 SL (W113)

Antrieb: Reihensechszylinder mit Saugrohreinspritzung, 2306 ccm, 150 PS bei 5500 U/min, 196 Nm bei 4600 U/min, Viergang-Schaltgetriebe, Hinterradantrieb

Fahrwerk: Vorne Einzelradaufhängung, Doppel-Querlenker, Schraubenfedern, Drehstab-Stabilisator, hydraulische Teleskop-Stoßdämpfer, Scheibenbremsen; Hinten Eingelenk-Pendelachse mit Ausgleichfeder, Schraubenfedern, hydraulische Teleskop-Stoßdämpfer, Trommenbremsen

Räder: 14" Stahlfelgen mit Radkappe und 185/80 R14 Weißwandreifen

Sonstiges: Farbe Weiß 050, Verdeck Stoff braun, Innenraum MB Tex Cognac

 

 

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1 Kommentar

  • egide aus belgien

    Egide aus belgien

    Sehr schön, was fur ein genuss, topf-Auto die Pagode!!

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