Aller Laster Anfang: Mercedes 450 SE in erster Hand

Immer noch in erster Hand: Mercedes 450 SE mit zeitgenössischer AMG-Verfeinerung

Aller Laster Anfang: Mercedes 450 SE in erster Hand: Immer noch in erster Hand: Mercedes 450 SE mit zeitgenössischer  AMG-Verfeinerung
Erstellt am 3. November 2010

Wer bei Laster an die „Schweren Sterne“ denkt, liegt falsch. Gleichwohl geht es um ein automobiles Schwergewicht, nämlich um den Mercedes-Benz 450 SE. Dieser hat bei seinem Besitzer das ausgelöst, was mit „Leidenschaft“ nur unvollständig beschrieben ist.

Jede Passion hat ihren Anfang: die hier geschilderte Mercedes-Passion hat ihren Urknall in einem Unfall! Und wird dem einen oder anderen Auto-Manager an die Nieren gehen. Naja, zumindest denen aus München! Denn sie haben einen Marken-Fan verloren, der sich nun in einem anderen Stern tummelt.

Der Bruder war "schuld" am Markenwechsel: Statt Nieren nun ein schöner Stern!

Der Einstieg ist gekonnt! Damit ist nicht der Anfang dieser Geschichte gemeint, sondern der Einstieg des damals 27-jährigen Ralf Weber in die Marke Mercedes-Benz.

Weber fuhr bis dato ausschließlich BMW! Doch dann ging er zu seinem Mercedes-Händler, orderte eine S-Klasse und fährt sie heute noch! Im Übrigen neben einem S55 AMG und einigen anderen interessanten Autos mit Stern.

Webers Einstieg war wie gesagt bemerkenswert: Er bat einen Automobil-Verkäufer der Mercedes-Benz Niederlassung Frankfurt um eine Probefahrt mit einem 450 SE und bestand darauf, nicht auf dem Beifahrersitz Platz nehmen zu müssen, wie das damals so üblich war, sondern selbst zu fahren: "Ich sag Ihnen was", so der vergleichsweise junge Kunde damals, "wenn der Mercedes 450 SE auf dem Anstieg bis zum Wiesbadener Kreuz 200 km/h erreicht, dann nehme ich ihn!"

Der Schilderung zufolge soll der Verkäufer eingewilligt und an der Probefahrt sogar teilgenommen haben -- und das, obwohl doch immer erzählt wurde, die Daimler seien damals "zugeteilt" worden! Nein, in diesem Fall, wollte der Verkäufer offensichtlich verkaufen, und das ist ihm auch geglückt.

Der Klang des V8 überzeugte vollauf!

"Schuld" am Markenwechsel war übrigens Ralfs Bruder, dieser hatte nämlich dessen BMW 2800 CS bei einem Unfall beschädigt und die Versicherung stellte Ralf einen roten Mercedes 280 SE der Baureihe W 116 zur Verfügung. Ein Kontrastprogramm mit Konsequenzen: "Donnerwetter,

sowas baut BMW aber nicht!", staunte Ralf Weber, der in seiner Studentenzeit so ziemlich jeden Vierzylinder-BMW der damaligen Zeit schon mal um die Kurven des Vordertaunus geworfen hatte.

"Und", so Ralf Weber heute, "ich war von der gebotenen Qualität des Mercedes begeistert. So etwas kannte ich von BMW nicht!" Und dann kommt noch der Aspekt „Motor“ ins Spiel: Irgendwann hörst du zum ersten Mal einen V8 und denkst dir: „Mann, ist das geil!“ Es kam also nur ein V8 in Betracht. Und BMW hatte damals maximal Reihen-Sechszylinder!“.

So nahm das Schicksal seinen Lauf. Der selbstständige Weber hatte gerade einen lukrativen Auftrag abgewickelt und gönnte sich als Belohnung einen Mercedes-Benz 450 SE. In milanbraun-metallic. Den er auch persönlich in Sindelfingen abholte und am 3. Juli 1978 auf seinen Namen zuließ. Dieses Datum markiert den Urknall für eine Markenbegeisterung, die sicherlich nicht ganz alltäglich ist, mit der Ralf Weber aber ganz entspannt umgehen kann.

"Ich hab jetzt einen Raum, in dem ich nur Autoliteratur, in der Hauptsache alte Mercedes-Dokumente verwahre...- herrlich!" Von seinem „Schatzkästchen“ mal gar nicht zu reden…

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Seite 2!


"Das Auto vom Vater?" Also AMG zur "Image-Pflege!"

Um nicht den Eindruck zu erwecken, die S-Klasse wäre das Auto seines Vaters, ließ der damals 27-jährige Ralf Weber seine S-Klasse bei AMG "verjüngen"!



"Anfangs dachten die Leute immer, ich sei mit dem Auto meines Vaters unterwegs!", spielt Ralf auf das oft kolportierte Bild des gesetzten Mercedes-Fahrers an. Doch in dieses Raster passte der junge Hofheimer nicht. Ganz im Gegenteil: um seinen W 116 etwas dynamischer zu machen, entschied sich Ralf Weber, mal bei AMG anzuklopfen. Die waren 1978 ebenfalls ein aufstrebendes Unternehmen. "Der Herr Aufrecht hat damals meinen Frontspoiler noch persönlich über die Theke gereicht!"

AMG verpasste der Mercedes S-Klasse ein neues Sportfahrwerk, breite Felgen, einen Frontspoiler und ein AMG-Lenkrad. Gepaart mit den serienmäßigen 225 PS reichte dies damals für flotte Fortbewegung auf hohem Niveau: „Wenn ich in München ausgestiegen bin, war ich völlig entspannt und hab unterwegs vielleicht 5 Zigaretten geraucht, der Porsche-Pilot war nicht schneller, musste aber das Hemd wechseln!“

Tuning damals: Serviceleiter in Not!

Diese aus heutiger Sicht – der Tuning-Boom sollte ja erst noch kommen - eher harmlosen Eingriffe sorgten beim damaligen Service-Leiter von Webers Händler allerdings auch für Schweißperlen auf der Stirn. Ob das der Wagen verkraften würde? Die Radlast wäre doch gar nicht auf solche breiten Reifen und Felgen ausgelegt. Mal ganz abgesehen vom Geschmacklichen? Nun, da sollte der jugendliche Leichtsinn unseres Mercedes-Fans noch einen drauflegen. "Als der 500 SL rauskam, habe ich sofort dessen Heckspoiler für meine S-Klasse bestellt!" Und was ist mit dem für diese Zeit und für dieses Modell obligatorische "Radlauf-Chrom"?

Natürlich auch den hat sich Ralf und seiner Mercedes S-Klasse gegönnt.

So fuhr Ralf seinen Mercedes bis 1984 als Alltagswagen.

Totalrestauration vom Fachmann!

Über 30 Jahre später befindet sich der milanbraun-metallic-farbene Benz immer noch in Ralf Webers Besitz. Aber der Lack ist ab! Und nicht nur im übertragenen Sinne, denn der Gilb hatte im Verborgenen gewütet. Braun ist für den Rost eine dankbare Farbe.

„Der Rost breitet sich aus, und du merkst es nicht. Weil ja das ganze Auto rostbraun ist!“ Heute kann Ralf Weber darüber schmunzeln. Vor 7 Jahren befand sich der Gemütsstand im Modus „besorgt“! Da hatte er dann beschlossen, den 450 SE komplett zu restaurieren. „Der erste selbst neu gekaufte Mercedes, mit dem Auto haben meine Frau und ich uns kennen gelernt und er war unser Hochzeitswagen, da hängt man dran!“. Und er entschied sich für eine Wiederbelebung beim „Flossenpapst“ Günter Lehmann aus Neuhaus/Pegnitz. Speziell Ponton- und Flossen-Freunden sicherlich kein Unbekannter.



Tarnfarbe Milanbraun-Metallic: hier kann der Rost im Verborgenen wüten!

Lehmann nahm in Sachen Blech „tiefe Einschnitte“ vor. Die Innen- und Außenschweller mussten ebenso komplett rausgetrennt und ersetzt werden wie die hinteren Radläufe. Auch in andere signifikante Blechstrukturen hatte der Gilb schon herzhaft zugebissen. „Schmeiß ihn weg und such dir einen Besseren!“ riet Lehmann seinem Kunden. Doch der wollte seinen Mercedes wieder zurückversetzt haben. Die S-Klasse erhielt zwei neue Türen und neue vordere Kotflügel. Eine Neulackierung war ebenso erforderlich wie eine Aufforstung des Interieurs.

Aus 4 mach 1: das Interieur war schwör!

Was sich als ausgesprochen schwierig herausstellte, da die Ausstattung „Velours pergament“ vom Werk nicht mehr lieferbar war. Weber kaufte daraufhin noch eine komplette Mercedes S-Klasse W 116 und zwei weitere Innenausstattungen in „Velours pergament“! Und daraus zauberte Lehmann ein nahezu neuwertiges Interieur und Ralf Weber stellte das Rauchen ein. Angesichts der Restaurationskosten ein respektabler Akt der Selbstbeherrschung.





Relaxen statt Quarzen: für sein Interieur hat ralf weber auch das Rauchen aufgegeben!

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Seite 3!


Das gemütliche Flair der 70er Wohnstuben

Vier Interieurausstattungen mussten dran glauben, um eine perfekte zu neuem Leben zu erwecken!

Ein Blick ins Innere weckt Erinnerungen an den Zeitgeist der Siebziger. „Hits a gogo“ meint Hits am laufenden Band! So die Überschrift zahlloser – Achtung, liebe Jugendliche – Schallplatten, bevorzugt eingespielt von einem gewissen James Last, der hibbelig vor seinem Orchester wie eine Aufziehpuppe herum zappelte.





Holz und Velour sind der Schick der Siebziger! Und emotional einfach ansprechend

Warum mir das bei diesen sensationellen Polsterstoffen einfällt, ich weiß es nicht. Diese sind traumhaft bequem. Nicht kalt im Winter, und nur wenig schweißtreibend im Sommer. In Kombination mit den Edelholz-Intarsien verbreitet sich ein tiefes Gefühl aufrichtiger Gemütlichkeit. Hätte so ein Interieur heute wirklich keine Chance mehr? Ist nackte Sportlichkeit immer alles?







Was waren die Konsolen früher doch schlicht und überschaubar!

Die AMG-Qualitäten von einst hat Ralf Webers Mercedes 450 SE übrigens immer noch: „Die Rückmeldung des Autos sind ziemlich direkt. Die rechte Arschbacke fühlt, was das rechte Hinterrad macht.“ Und was die linke fühlt, können wir uns alle denken.

Fahrzeugtyp: Mercedes-Benz 450 SE W116

Baujahr: 1978

Motor: 4,5 Liter V8-Zylinder mit 225 PS / 165 kW bei 5000 /min, K-Jetronic Einspritzanlage

Räder: 16"- AMG Tiefbettfelgen rundum mit Pirelli 225/50 R16

Fahrwerk: AMG Sportfahrwerk mit ca.40mm Tieferlegung

Karosserie: AMG-Frontspoiler, Originallack „Milanbraun-Metallic“

Innenraum: AMG-Sport-Lenkrad, Zebrano- Holzeinlagen, Original Velours pergament Innenausstattung

Kennen Sie den schon?

Kulturerbe vor dem Verfall bewahrt: Mercedes W116 280 SE als Schönwetterauto: hier klicken!

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