Dakar Rallye 2012: 9.Etappe: Antofagasta - Iquique

Ellen Lohr berichtet in Mercedes-Fans.de von der Rallye Dakar

Dakar Rallye 2012: 9.Etappe:  Antofagasta - Iquique : Ellen Lohr berichtet in Mercedes-Fans.de von der Rallye Dakar
Erstellt am 11. Januar 2012

Auf geht es nach Iquique im Norden Chiles. Iquique liegt in einer Freihandelszone und ist deshalb beliebtes Ausflugsziel für die Chilenen. Auf dem Weg dorthin, immer am Meer entlang, gibt es für 300 Kilometer keine richtige Stadt. Die Menschen an diesem Küstenstreifen arbeiten alle auf sich allein gestellt. Die meisten ernten Algen aus dem Meer, oft ohne Boot einfach nur am Ufer `geerntet`. Sie sammeln es in kleinen Haufen und wenn entsprechend genug gefunden wurde wird das Ganze auf einen klapprigen LKW geladen und in die nächste grössere Stadt nach Antofagasta gebracht. Somit sehen wir immer mal wieder Ansammlungen von heruntergekommenen aber irgendwie sympathischen Häuschen oder Wellblechhütten am Strand. Meist in einer längeren Reihe. Dann allerdings wieder für viele Kilometer nur Strasse, Strand, Meer und Berge. Die Strasse schlängelt sich zwischen Meer und Bergen dahin und tatsächlich kommt nach einigen Stunden Fahrt eine grössere Stadt in Sicht. Mit bewässertem Mittelstreifen auf der Fahrbahn und Menschen an der Strasse, die dem Dakartross fröhlich zuwinken. Dann die Überraschung, der Ort - Tocopilla - hat einen Golfplatz!!! Mitten im Sand, ohne jeglichen Grashalm. Hier lernen wir also, warum chilenische Golfspieler in Sandbunkern so gut putten können!

Spritspende

Auf dem weiteren Weg helfen wir noch einem Chilenen aus, der ohne Diesel liegengeblieben ist. Ziemlich einsam hier um ohne Sprit dazustehen, aber er hat sofort einen Schlauch parat, um bei uns abzuzapfen. Als sich der als zu kurz erweist (unser GL hat einen 100l Tank und der war gerade ziemlich leer) kommt schon der nächste Einheimische angefahren und kann mit einem Schlauch aushelfen. Scheint hier des Öfteren benötigt zu werden so ein Teil….

In Iquique ist die Dakar mehr als willkommen. An der Zieldüne stellt der Veranstalter sogar eine Tribüne auf. Viele wühlen sich aber auch direkt mitten in den Sand an den Rand der stage hinein und warten dort Stunden, bis alle durch sind. Das ist allerdings relativ, den die Erfahrung zeigt, dass sich diese Etappe für viele bis in die Morgenstunden ziehen wird…der Veranstalter hat morgens eine Umleitung bekannt gegeben, was für die Teilnehmer über 50 Kilometer mehr racing bedeutet; damit ist die Etappe dann inklusive Neutralisation in der Mitte, über 600 Kilometer lang.

Zieldüne: Mit über 200 km/h abwärts...

Die Zieldüne in Iquique ist insofern spektakulär, als dass sie Vollgas bergab befahren werden kann. Hier zeigt sich Robby Gordon in Bestform. Er hat dafür natürlich auch das beste Auto , denn mit den (per Reglement erlaubten) grossen Federwegen an seinem Buggy schreckt ihn kein Loch. Robby wird dann auch endlich `seine` Etappe bei der diesjährigen Dakar gewinnen, nachdem ihm ja gestern schlappe fünf Sekunden dazu gefehlt haben. Er wird damit zum ärgsten Verfolger von immer-noch Spitzenreiter Peterhansel. In den Top 7 tummeln sich damit vier Marken (MINI/Hummer/Toyota/Great Wall). Nach dem Abgang von Dauersieger VW wohltuend für die Competition, wobei nur MINI und Hummer echte Siegchancen eingeräumt werden. Aus deutscher Sicht erfreulich: Stephan Schott auf BMW kommt als 22. Ins Ziel und erreicht damit sein bestes Tagesergebnis.

Eine typische Dakarstory ereignet sich in unserem Umfeld. Ein Motorradfahrer, dem wir zu Beginn der Dakar zum Test eine Flexitec Sohle in die Motorradstiefel gegeben haben und der sie seitdem als unser Testfahrer im Motorradbereich im Schuh trägt, hat sich in einem Fluss festgefahren und ist dort umgefallen. Da wir uns im Laufe der Rallye mit ihm und seinem Team angefreundet haben drücken wir ihm natürlich die Daumen, dass er es ins Ziel schafft, zumal er an Platz 22 Gesamt liegt. Miran ist ein Dakarveteran und schafft es tatsächlich, den Motor wieder flott zu kriegen. Er kämpft sich aus dem Matsch heraus in dem er komplett mit seinem Moto versunken war und repariert den Motor auf der stage indem er auf verschiedne Art und Weise das Wasser dem Aggregat herausholt. Dafür braucht er natürlich einheimisches Oel. Aber wie bei einem 24 Stunden Rennen am Nürburgring sind die Zuschauer auch hier mit dem nötigsten präpariert um Liegengebliebenen zu helfen. Frisches Öl für Miran ist also kein Problem. Er schafft es ins Bivak, allerdings mit zweieinhalb Stunden Standzeit. Morgen geht es für ihn mit Ersatzmotor weiter. . Viele hätten aufgegeben, aber dann wäre dies ja keine Dakarstory



Viele Grüsse

Ellen

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