AMG-Chef Ola Källenius: „Wir werden getrieben von der Unruhe des schwäbischen Ingenieurs!“

Ola Källenius, Vorsitzender der Geschäftsleitung Mercedes-AMG im Gespräch mit Mercedes-Fans.de über Liebe, Leistung und Leichtbau

AMG-Chef Ola Källenius: „Wir werden getrieben von der Unruhe des schwäbischen Ingenieurs!“: Ola Källenius, Vorsitzender der Geschäftsleitung Mercedes-AMG im Gespräch mit Mercedes-Fans.de über Liebe, Leistung und Leichtbau
Erstellt am 26. Juni 2012

Zum 45. Jubiläum lud AMG die Fachpresse nach Affalterbach. Nicht nur, um auf eine ebenso außergewöhnliche wie erfolgreiche Firmengeschichte zurückzuschauen, sondern auch, um einen Ausblick auf die nahe Zukunft zu geben. Dazu zählte auch ein kurzer Blick auf den kommenden A45 AMG, den wir allerdings noch nicht ungetarnt zeigen können, da wir ihn leider nicht fotografieren durften. Unsere Leser müssen sich da vorerst noch mit Erlkönigfotos begnügen. Wir nutzten die Gelegenheit, mit AMG-Chef Ola Källenius über die Marke AMG zu sprechen. Eines wurde im Laufe dieses Interview schnell deutlich: der gebürtige Schwede sprüht vor Begeisterung, wenn er von AMG spricht! Mit Ola Källenius sprach Thomas Ebeling





Herr Källenius, wie würden Sie persönlich AMG definieren?



Wenn ich mit dem Markenversprechen anfangen darf? AMG ist ein einzigartiges Fahrgefühl! Das ist das Allerwichtigste. Ein Kunde aus England hat einmal zu mir gesagt: „If you drive one, you love one!“ Die Kraftentfaltung, der Sound, das Design, das Handling, wie sich das Lenkrad anfühlt, die Individualität, die Exklusivität – das alles ist für mich AMG! Und wenn du AMG lieben lernst, dann ist das meist eine lebenslange Liebe! Dann ist da noch eine andere Dimension: Die wird definiert durch die Unruhe des schwäbischen Ingenieurs... (lacht!)



Des schwedischen oder schwäbischen Ingenieurs?



Des schwäbischen Ingenieurs!!!: Erfindergeist, Innovation und Technik! Die Basis unseres Erfolgs ist unsere Technik. Unsere innere Unruhe, nie zufrieden zu sein. Wir schauen immer nach vorne: Was ist der nächste Schritt oder der übernächste Schritt? – Genau das ist es, was diese Firma antreibt. Wir agieren und arbeiten wie ein Mittelständler. Gleichzeitig können wir uns an den Regalen der besten Marke der Welt, Mercedes-Benz, bedienen und verfügen über das hervorragende „back up“ und die Ressourcen des Konzerns. Diese beiden Dinge – das einzigartige Fahrerlebnis und der Ingenieurstrieb – das macht für mich AMG aus!

Wie wichtig ist der Begriff „Exklusivität“ für den Erfolg der Marke AMG?



Sehr wichtig! Wir sind eine sehr exklusive Marke. Wir haben 2011 rund 20.000 Autos verkauft, das muss man in Relation zu 1,3 Millionen Mercedes-Fahrzeugen sehen. Selbst wenn wir in fünf Jahren dann 30.000 Autos produzieren, dann sind wir immer noch höchst exklusiv. Und es ist auch sehr wichtig, dass AMG auch beim Einstieg in die Kompaktklasse segmentgerecht exklusiv bleibt.



Sie wollen bis zum 50. Jubiläum von AMG den Absatz um 50 % steigern, wie schafft man da den Brückenschlag zwischen Absatzsteigerung und Exklusivität?



Wir sprechen hier von einer Steigerung von 20.000 auf 30.000 Einheiten, das ist in Relation zum Gesamtmarkt von 70 Millionen Einheiten oder in 5 Jahren vielleicht deutlich mehr immer noch eine kleine Stückzahl. Da sehe ich für die Exklusivität unserer Performance-Marke keinerlei Gefahr!

"Sie können dem Mann, der Ihren Motor gebaut hat, persönlich die Hand schütteln!"

Das teilweise doch sehr persönliche Verhältnis zwischen Kunde und Marke bleibt von dieser Umsatzsteigerung unberührt?



Wir werden die Zahl der AMG Performance Center von 270 auf über 350 steigern. Und so sind wir dem Kunden nah, ob er nun aus Stuttgart oder Peking Sanlitun kommt. Der Kunde kann aber immer auch zu uns kommen: Das hier (zeigt auf die AMG Private Lounge), das ist sein Clubhaus. Hier in der Nähe hat Hans-Werner Aufrecht sein Haus gehabt. Und wir werden das Thema „factory delivery“ – also das Abholen eines Mercedes-AMG an seinem Geburtsort – auch forcieren. Die Erlebnisauslieferung für den Kunden, der seinen AMG in Affalterbach abholt, beinhaltet unter anderem ein Essen in der Private Lounge, eine Werksbesichtigung inkl. Motorenmanufaktur, wo er seinem Motorenmechaniker - hier gilt das Prinzip "Ein Mann - ein Motor!" – kennen lernen und ihm persönlich die Hand schütteln kann. Mehr und mehr Kunden machen das.

Mein Sohn, 21 Jahre alt, ist AMG-Fan. Und wäre vermutlich begeistert von dem, was Sie gerade gesagt haben. An wen richtet sich denn der A 45 AMG, den wir gerade als kleine Vorschau anschauen durften?



Der A 45 AMG richtet sich an ihn - vielleicht noch nicht jetzt, da wir ihn nicht auf einem Preis-Level anbieten, so dass man direkt mit 21 zuschlagen müsste. Aber ich glaube, dass wir ein Potenzial haben, bei jüngeren Menschen zwischen 30 und 45 und natürlich auch bei den Junggebliebenen mit diesem Fahrzeug zu punkten. Ich sage immer: Auch der 65-Jährige fühlt sich wie ein 25-Jähriger. (schmunzelt)...



.Ja, das reden wir uns alle gern ein, oder?



Ja, aber ich glaube, wir erleben einen gesellschaftlichen Wandel. Die „young at heart“ – also die Junggebliebenen – ist nicht nur ein Spruch!



Wenn man mit 70 noch Rock'n Roll auf der Bühne machen darf (oder muss!)



Ja, wie Mick Jagger! Aber wir werden definitiv jüngere Kunden haben. Aber auch viele Enthusiasten, die sagen: „Das Ding macht Spaß! Das ist High Tech! Das schaut gut aus und das will ich!“ Das Alter spielt da keine Rolle!

"Leichtbau wird eine große Rolle spielen!"

Der Hintergrund verrät: fünf neue AMG-Modelle sind für die nahe Zukunft geplant!



Welche Autos sind denn die Konkurrenten des A 45 AMG? Golf GTI oder R32?



Das Segment der Performance-Kompakten definiert sich durch BMW 1M Coupé und Audi RS3. In dieses Segment passt der A 45 AMG hervorragend rein.

Was sind für AMG die nächsten technischen Ziele? Investieren Sie weiter in die klassische Motorentechnik, oder ist das bald ausgereizt? Wie wichtig wird z.B. der Leichtbau für AMG?



Der Leichtbau wird in Zukunft eine große Rolle spielen. Aber lassen Sie mich erst einmal auf die Motorentechnik zu sprechen kommen. Viele haben geglaubt, dass nach über 125 Jahren Entwicklungsgeschichte keine großen Fortschritte mehr zu erwarten sind. Das ist falsch. Nehmen Sie z.B. unsere neuen Bi-Turbo-Motoren. Was für enorme Schritte haben unsere Ingenieure bei Verbrauch und Effizienz erzielt. Und diese Entwicklung beim Motor – dem Herzstück eines jeden AMG – wird auch in den nächsten 20 Jahren noch anhalten. Dass mittel- und langfristig die Verbrennungsmotoren mit dem elektrischen Antrieb kombiniert werden, ist auch klar! Deshalb machen wir ja auch das SLS AMG E-CELL Projekt, um eine Basis für ein eigenes „Technik-Regal“ mit Performance-Elektro-Komponenten zu haben. Da spielt Leichtbau auch eine Rolle. Die Ansprüche an Sicherheit, Leistung und Performance werden in der Zukunft nicht sinken. Im Gegenteil, wir werden auch da im Zusammenspiel noch besser werden. Die neuen Fahrzeuge von AMG werden weniger wiegen - und das bei mehr Leistung, Performance und Sicherheit.



Ist es dann vorstellbar, dass ich in naher Zukunft vielleicht zwischen einem E 63 AMG und einem E 63 AMG Leichtbau wählen könnte?



Ich würde sagen, dass wir nicht zwischen zwei Versionen wählen könnten - sondern dass wir den AMG an sich leichter machen.

Die alte Motorsportweisheit, dass „die billigsten PS fehlendes Gewicht sind“, lässt sich dann aber nicht mehr halten, oder?



Die Gewichtsreduktion wird in der Tat anspruchsvoll. Aber die Automobilindustrie ist ein Wettbewerb, vergleichbar mit einer anspruchsvollen Sportart. Und es gilt beides zu können - dem Kunden die beste Technik zu geben und dabei aber wirtschaftlich noch erreichbar zu bleiben. Da arbeiten wir an allen Fronten gleichzeitig.



Danke für das schöne Stichwort. An welcher Motorsport-Front wollen Sie den A 45 AMG einsetzen? Wir durften uns ja auch eine sportliche Studie mit Sportsitzen und Käfig anschauen. Ist das eine Möglichkeit, das Kundensportprogramm weiter auszubauen? Vielleicht in Richtung Markenpokal?



Wir haben für den A 45 AMG keine konkreten Pläne für einen Marken-Cup oder etwas Ähnliches. Aber dass man im Rahmen der AMG Driving Academy ein Competition Format für den A 45 AMG finden kann, da bin ich recht zuversichtlich!



Letzte Frage: Warum gibt es eigentlich keinen GLK 63 AMG?



Wir gehen nicht in jede Lücke. Die M-Klasse ist in diesem Segment das Brot-und-Butter-Auto für AMG. Und daher haben wir beschlossen, dass ein GLK AMG nicht sein muss!

Lesen Sie mehr über das Thema "45 Jahre AMG" in unserem großen Special:

AMG = Autos machen glücklich!

1 Kommentar

  • Sternen-Fink

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    Auch wenn Herr Källenius das anders sieht, AMG verspielt seine Exklusivität!

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