Endmontage bei Porsche - Ein Stern made in Zuffenhausen

Das Beste aus zwei Welten: Mercedes-Benz E 500

Endmontage bei Porsche - Ein Stern made in Zuffenhausen: Das Beste aus zwei Welten: Mercedes-Benz E 500
Erstellt am 21. März 2019

Wenn es einen Wolf im Schafspilz gibt, dann ist das der Mercedes-Benz E 500. Die Amerikaner würden dazu "Sleeper" sagen. Denn wer vermutet schon in einer schnöden Mittelklasse-Limousine eine drehfreudige V8-Maschine? Eine Altherren-Karosse mit ordentlich Dampf? Schick. Understatement pur. Wer möchte, kann mit der V8-angetriebenen Limousine ganz unauffälig im Verkehr mitschwimmen. Falls nötig, können die 320 PS (bis Oktober 1992 noch 326 PS) in der 5 Liter Maschine es aber auch mal qualmen lassen. Denn aus dem Stand schafft der E 500 es in gut 6 Sekunden auf Tempo 100 km/h. Leistungsdaten, die heute noch ansprechend sind!

Hans Herrmann beweist guten Geschmack

In diesem Jahr feiert das PS-Taxi gleich zwei Geburtstage. Vor 25 Jahren, sprich im März 1994 wird auf dem Genfer Automobil-Salon ein auf 500 Exemplare limitiertes Sondermodell vorgestellt. Ebenfalls vor 25 Jahren, im Oktober 1994 übergibt die Stuttgarter Marke dann den zehntausendsten seit der Premiere 1990 gebauten E 500 an den Kunden. Der Glückliche: Der ehemalige Silberpfeil-Pilot Hans Herrmann.

Am 10. Oktober 1994 und damit vor 25 Jahren übergibt Mercedes-Benz die zehntausendste Hochleistungslimousine des Typs E 500 an Hans Herrmann. Der frühere Mercedes-Benz Werksrennfahrer in den Jahren 1954 und 1955 nimmt die äußerlich dezente E-Klasse mit den überwältigenden Fahrleistungen im Montagewerk Zuffenhausen in Empfang. Denn hier, bei Porsche, wird der Supersportler der oberen Mittelklasse von 1990 bis 1995 endmontiert. Insgesamt werden genau 10.479 Exemplare des E 500 (bis 1993 unter dem Namen 500 E) gebaut. Hans Herrmann erhält 1994 also eins der späten Fahrzeuge des Typs.

Sondermodell: E 500 Limited

Der E 500 sorgt im selben Jahr bereits vom 10. bis 20. März 1994 auf dem Genfer Automobil-Salon für Aufsehen. Hier stellt Mercedes-Benz das auf 500 Fahrzeuge beschränkte Sondermodell E 500 Limited vor: besonders exklusiv ausgestattet und mit Sonderlackierung wahlweise in Saphirschwarz oder Brillantsilber. Zu den Höhepunkten gehören Leichtmetallfelgen im Design der Räder des 190 E 2.5-16 Evolution II und die farblich individualisierte Innenausstattung (Leder grau, grün oder rot, Innenholzverkleidung aus schwarzem Vogelaugenahorn oder Wurzelnussholz).

Das exquisite Paket macht das faszinierende Automobil noch begehrenswerter. Und so heißt es im Prospekt denn auch: „Es ist einfach ein gutes Gefühl zu wissen, dass es nur 499 andere Autoliebhaber gibt, die ihn ihr Eigen nennen können.“ Neben der Leistung und der luxuriösen Ausstattung gelten für den E 500 Limited auch hinsichtlich der Sicherheit höchste Maßstäbe. Dazu gehören unter anderem Airbags für Fahrer und Beifahrer, die Antriebsschlupfregelung ASR und das Anti-Blockier-System ABS. „Schließlich ist er bei all seiner Sportlichkeit in erster Linie ein Mercedes. Wenn auch ein außergewöhnlicher“, heißt es dazu vor 25 Jahren in der Broschüre.

W124 E 500: Leistungsdaten die beeindrucken

Die Erfolgsgeschichte des E 500 beginnt auf dem Pariser Salon vom 4. bis 14. Oktober 1990. Mercedes-Benz stellt das neue Topmodell der seit 1984 erfolgreichen Baureihe 124 der oberen Mittelklasse mit 5,0-Liter-V8-Motor damals noch unter dem Namen 500 E vor. Äußerlich ist das 240 kW (326 PS) starke Automobil (ab Oktober 1992 dann 235 kW / 320 PS) erst auf den zweiten Blick von seinen Schwestermodellen zu unterscheiden. Vor allem die leicht voluminöseren Kotflügel, die um 23 Millimeter tiefergelegte Karosserie und die modifizierte Bugschürze mit eingelassenen Nebelleuchten weisen ihn als Topmodell aus – der 500 E ist ein Hochleistungsfahrzeug im Maßanzug.

Umso deutlicher markiert die Limousine ihre Position im Portfolio über ihre Fahreigenschaften: Mit dem serienmäßigen Viergang-Automatikgetriebe erreicht der 500 E aus dem Stand in 5,9 Sekunden 100 km/h. Sein Spitzentempo ist bei 250 km/h abgeregelt. Der Vierventil-V8-Motor M 119 mit 4.973 Kubikzentimeter Hubraum unterscheidet sich von der aus dem 500 SL bekannten Ausführung unter anderem durch die erstmals verwendete elektronisch gesteuerte Einspritzanlage Bosch LH-Jetronic mit Hitzdraht-Luftmassenmessung. Auch der Motorblock wird gegenüber dem Sportwagen verändert, er hat nun die gleiche Deckhöhe wie der 4,2-Liter-V8-Motor.

Ein Mercedes made in Zuffenhausen

Gefertigt wird der Mercedes-Benz 500 E im Auftrag von Mercedes-Benz bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen. Der Sportwagenhersteller begleitet das Projekt schon während der Entwicklung. Und in der Serienproduktion übernimmt Porsche, wo zu dieser Zeit Kapazitäten frei sind, die Montage der Fahrzeuge. Dazu wird im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen die Rohkarosserie gebaut, lackiert und zusammen mit Komponenten aus den Werken Sindelfingen und Untertürkheim nach Zuffenhausen zur Endmontage geliefert. Die vergleichsweise geringe Stückzahl des 500 E passt auch sehr gut zu den Fertigungsabläufen von Porsche.

Im Jahr 1993 macht der 500 E die letzte Modellpflege der Baureihe 124 mit. Es ist zugleich die Premiere der Mercedes-Benz E-Klasse. Denn so heißt die obere Mittelklasse der Marke mit dem Stern künftig. Damit ändert sich auch die Typbezeichnung, und aus dem 500 E wird der neue E 500. Zugleich bringt die Modellpflege eine Überarbeitung des Designs – unter anderem mit Plakettenkühler, farblosen Blinker-Deckgläsern vorn, zweifarbigen Abdeckungen der Heckleuchten sowie geänderter Linienführung am Heck.

Schluss für die Topmodell-Limo ist im Jahr 1995

Als die Produktion der E-Klasse der Baureihe 124 im Jahr 1995 endet, läuft auch der E 500 aus. Die Tradition solcher Sportlimousinen mit höchsten Ansprüchen an Leistung und Fahrkultur führen seither insbesondere die Mercedes-AMG Topmodelle im Mercedes-Benz Programm fort. Doch bedauern bereits 1995 viele Kunden, dass sie kein Exemplar der Hochleistungslimousine erworben haben.

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