Ola Källenius baut Mercedes weiter um

Aus für einen Bestseller? Wie denken Brancheninsider über ein mögliches Ende der Mercedes A-Klasse? Mercedes-Fans.de hat sich umgehört

Ola Källenius baut Mercedes weiter um: Aus für einen Bestseller? Wie denken Brancheninsider über ein mögliches Ende der Mercedes A-Klasse? Mercedes-Fans.de hat sich umgehört
Erstellt am 12. März 2024

Mercedes setzt auf Marge. Eigentlich immer schon. Künftig aber deutlicher als bisher. So will es Mercedes-CEO Ola Källenius. Denn Rohstoffe werden knapp und immer teurer. Folglich steigen die Preise der für die Elektronik notwendigen Bauteile. Und schlimmer noch, die Rohstoffe werden unter Umständen sogar knapp. Die Lösung sieht die Führung der Marke in einer Reduzierung der zu produzierenden Fahrzeug-Stückzahl. Gekürzt wird unten, im Einstiegsbereich. Warum? Weil es weniger am Umsatz knabbert. Wenn eine durchschnittliche A-Klasse angenommen um die 7.500 Euro Produktionskosten hat und eine S-Klasse um die 13.000 Euro in der Produktion kostet, dagegen aber einen 10-fachen Umsatz und mehr generiert, fällt die Antwort am Rechenschieber zu Ungunsten der A-Klasse aus.

Andere Stimmen verweisen auf die Funktion der A-Klasse als wichtiges und erfolgreiches Einstiegsmodell in die Marke Mercedes-Benz. Dem jüngsten Vernehmen nach soll das Rennen um die Einstellung der A-Klasse wieder offen sein. Was wohl auch mit der Beerdigung der "Electric Only"-Strategie zusammenhängt, die Kälenius bis 2030 umgesetzt haben wollte. Doch mittlerweile rudert er da wieder zurück und beruft sich auf den Wunsch der Kunden: „Das Unternehmen bereitet sich darauf vor, die unterschiedlichen Kundenwünsche erfüllen zu können, ob vollelektrischer Antrieb oder elektrifizierter Verbrennungsmotor – bei Bedarf bis in die 2030er-Jahre hinein.“ Neue Töne vom CEO, der nicht bestätigten Gerüchten zufolge jetzt doch vom Aufsichtsrat angezählt wurde. Hier nun die Stimmen von Branchen-Insidern zu einer möglichen A-Klasse-Einstellung:

Pulsschlag einer neuen Generation - Maximilian Lorinser

"Der Pulsschlag einer neuen Generation wurde damals verspürt, als die A-Klasse verjüngt wurde und eine bis dato neue, junge Käuferschicht zu Mercedes brachte. Diese entwickelte sich im Nachhinein zu treuen Kunden der Marke. Umso trauriger ist es, dass dieses Kapitel nun endet... Man darf sich fragen, ob sich Mercedes damit einen Gefallen tut."

Maximilian Lorinser
Geschäftsleitung

Die A-Klasse muss bleiben - Jens Meiners

"Irgendwie passte das Timing der A-Klasse nicht so richtig. Die erste Generation sollte ein Elektroauto werden, konzipiert für den kalifornischen Markt, auf dem aktionistische Politiker ein Verbrennerverbot ausgeheckt hatten. Doch der dreiste Plan kippte ungefähr zu dem Zeitpunkt, als GM in der Verzweiflung anfing, Golfkarren als Elektroautos zu deklarieren. Der EV1 wurde fallengelassen, Mercedes aber wollte die A-Klasse nicht einstampfen, sondern konstruierte sie zum Verbrenner um. Das Resultat war so pfiffig wie problematisch. Der „Elchtest" mag Mercedes „menschlicher" gemacht haben; die Aura der Marke wurde blasser.

Erst in der dritten Generation kam die A-Klasse so richtig an: Jugendlicher, sportlicher, mit hervorragendem Fahrwerk und anspruchsvollen Antrieben. Und in ihrer aktuellen vierten Generation ist die A-Klasse das vielleicht beste und vielseitigste Auto im Segment – bei schärfster Konkurrenz. Doch obwohl sie bei den Kunden hervorragend ankommt, will das Management seit einiger Zeit nichts mehr von ihr wissen: Die Zukunft sei elektrisch, für kompakte und erschwingliche Fahrzeuge mit klassischem Antrieb ist in der Strategie deshalb kein Platz mehr.

Dumm nur, dass sich die E-Mobilität gerade zum Flop des Jahrhunderts entwickelt. In den USA bleibt sie in der Nische, in China funktioniert sie nur bei Massenmarken, und selbst in Europa beginnen erste Absetzbewegungen. Ausgerechnet jetzt soll mit der A-Klasse ein profitabler, sauberer Sympathieträger eingestellt werden? Wenn das mal kein schlechtes Timing ist."

Jens Meiners
Automobiljournalist

Premium-Gesicht vs. Asiaten-Klone - Christian Nikolai

"Mercedes-Benz hat sich seit Einführung des „Baby-Benz" W201 über 40 Jahre durch die Segemente nach unten durchgekämpft bis zur Golf-Klasse. Hut ab! Der Anfang der A Klasse war holprig, aber schon der Elchtest wurde eher zur Erfolgsstory, als zum Hemmschuh.

Heute ist die A Klasse eines der wenigen Premium-Gesichter in der Masse der japanischen, koreanischen und bald Chinesischen Klon-Masse.
Sich hier zurückzuziehen ist kein cleverer Strategie-Zug, sondern eher eine Kapitulation vor dem Markt. Premium only wird schwierig - mit „bevorzugtem" E-Antrieb doppelt.
Let the good times roll und die A Klasse dort, wo sie hingehört: Auf der Straße!"

Christian Nikolai
RaumLenker MotorConsult

Die A-Klasse: Eine Ikone der Kompaktklasse - Thomas Henze

"Die Mercedes-Benz A-Klasse ist heutzutage ein Symbol für moderne Eleganz, und Technologie in der Kompaktklasse. Seit ihrer Einführung im Jahr 1997 hat sie sich zu einer der beliebtesten Fahrzeugreihen von Mercedes-Benz entwickelt und ist für viele Autofahrer zu einem zuverlässigen Begleiter geworden.

Zum besseren Verständnis ein kurzer Blick zurück: Die Geschichte der Mercedes-Benz A-Klasse (W168) begann im Jahr 1997 mit der Einführung des ersten Modells, das mit seinem innovativen Design und seiner kompakten Größe sofort Aufmerksamkeit erregte. Die erste Generation der A-Klasse wurde für ihre hohe Sicherheit und ihre vielseitigen Einsatzmöglichkeiten gelobt – auch wenn zunächst der Elchtest das kleine Auto beinahe aus der Bahn geworfen hätte – und legte den Grundstein für den Erfolg der Marke in der Kompaktklasse.

Vielleicht war sie sogar ihrer Zeit voraus, wenn man bedenkt, dass der Sandwichboden perfekt für ein Batteriepack gepasst hätte! In den folgenden Jahren wurde die A-Klasse kontinuierlich weiterentwickelt und mit neuen Technologien und Features ausgestattet, um den sich ändernden Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden. Von sparsamen Dieselmotoren bis hin zu leistungsstarken Benzinvarianten bot die A-Klasse eine breite Palette von Antriebsmöglichkeiten, um den individuellen Vorlieben der Fahrer gerecht zu werden. 2004, mit der 2. Baureihe W169, wurde sie in allen Bereichen noch einmal viel besser.

Und dann kam das Jahr 2012! Mit der neuen Generation W176 setzte Mercedes- Benz Maßstäbe in Bezug auf Design einen völlig neuen Maßstab sowohl für die Marke als auch für diese Modellreihe und festigte so die Position der A-Klasse als eines der führenden Modelle in der Premium-Kompaktklasse. Der W176 markierte damit sogar eine völlig neue Design-Ära, wenn man die nachfolgenden Baureihen betrachtet. Gordon Wagener setzte sich damit – meiner Meinung nach – den Sockel für sein Denkmal als Mercedes-Benz Designer.

Ich durfte seinerzeit selbst die Einführung bei einem großen Mercedes-Benz Partner begleiten – es war eine spannende Aufgabe. Mit großem Aufwand und viel Erfolg haben wir (und natürlich Mercedes-Benz) eine völlig neue Zielgruppe für dieses Produkt und die Marke erreicht. Als Beispiel lässt sich hier anführen, dass der durchschnittliche A-Klasse Kunde bislang 51 Jahre alt war und mit der neuen Baureihe sich das Durchschnittalter innerhalb kurzer Zeit um über 12 Jahre verjüngte! Und das Ding fuhr sensationell, hat Spaß gemacht (nicht nur als AMG!) und war eines Mercedes würdig.

„Warum also die aktuelle A-Klasse jetzt einstellen?“

Die Entscheidung, die Produktion der aktuellen A-Klasse einzustellen, wurde vor dem Hintergrund sich verändernder Marktbedingungen und einer verstärkten Ausrichtung auf Elektromobilität getroffen. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und der Notwendigkeit, die CO2-Emissionen zu reduzieren, hat Mercedes-Benz beschlossen, seine Ressourcen verstärkt auf die Entwicklung von Elektrofahrzeugen zu konzentrieren. Obwohl die A-Klasse weiterhin beliebt ist und einen wichtigen Beitrag zum Erfolg von Mercedes-Benz leistet, hat das Unternehmen erkannt, dass es notwendig ist, sich an die sich verändernden Marktbedingungen anzupassen und in zukunftsfähige Technologien zu investieren. Die Einstellung der aktuellen A-Klasse markiert somit einen weiteren Punkt einer neuen Ära für Mercedes-Benz, in der Elektromobilität eine immer wichtigere Rolle spielen wird. Lassen wir die letzten Äußerungen Ola Kallänus außen vor!

Jetzt betrachten wir das Ganze aus zwei Perspektiven

Aus Unternehmersicht muss das politisch und weltstrategisch betrachtet werden. Die Welt stellt andere Ansprüche an das Automobil als wir in Europa oder gar Deutschland. Die Margen bei Fahrzeugen dieser Klasse sind nicht immer in einem „attraktiven“ Maß, daher wurde ja mit der B-Klasse, dem GLA, dem CLA und ab der 4 Baureihe W177 auch noch ein GLB und eine Limousine auf der gleichen Plattform hinzugefügt. Nur so ließen sich Skalierungseffekte erreichen, die das Ganze unter kommerzieller Wahrnehmung ertragreicher machen ließ. Gleichwohl muss man im Nachhinein die Frage stellen, ob diese Diversifizierung tatsächlich sinnvoll und erfolgreich war (ab welcher Stückzahl rechnet sich eine Modellvariante?). Auf der anderen Seite muss man den Anforderungen des Marktes und der Zielgruppen sowie der Wettbewerber entsprechend agieren. Und wenn das Ziel „Stückzahlen“ sind, dann muss man diesen Weg gehen.

Betrachten wir es auch mit unserer – sagen wir einmal – deutschen Brille. Das Auto hat sich seinen Platz im Markt erarbeitet, eine jüngere Zielgruppe ist hinzugekommen (vielleicht aufgrund des Einstiegspreises nicht ganz so jung wie erhofft!), auch hat man durch die B-Klasse die Silverager nicht verprellt, die den höheren Einstieg in die ersten beiden Modellreihen so geschätzt haben. Ja, sie ist teuer – sehr teuer. Aber es ist eben ein Mercedes. Auch ein Ponton war immer teurer als seine Wettbewerber! Und sie hat ihre Liebhaber. Der Variantenreichtum ist wahnsinnig umfangreich – man sieht das auch an der aktuellen Ausdünnung. Ich behaupte einmal, dass es maximal 20 gleiche A-Klassen geben dürfte.

Trotz des Endes der aktuellen A-Klasse bleibt ihr Erbe in Form von Innovation, Komfort und Stil weiterhin in den mutmaßlich zwei Derivaten als reine BEV bestehen. Die A-Klasse wird immer ein Symbol für die Leidenschaft und das Streben nach Perfektion sein, die Mercedes-Benz auszeichnen und wird in der Geschichte des Unternehmens stets einen festen Platz einnehmen. Ich werde ihr hinterher trauern ;-("

Thomas Hentze

Leiter Göbel Classics.

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2 Kommentare

  • R129Fan

    R129Fan

    Ohne ein absägen des sympathischen Herrn Källenius wird es wohl nicht abgehen, gerade diese Baureihe einzustellen zeugt nicht von hoher Intelligenz.
  • Mercedes-Fans.de

    Mercedes-Fans.de

    Viele Kunden halten die neueste Modellpolitik für falsch und sind enttäuscht - gerade ältere Stammkunden, die nun noch die Marke wechseln müssen, weil kleinere Fahrzeuge nicht mehr gebaut werden. Momentan stimmt die Qualität und es ist dem sympathischen Herrn Källenius zu wünschen dass er seine Entscheidung noch revidiert. A- und B-Klasse Autos sind längst keine Billigautos mehr, sondern recht teuer geworden ! Schlimm ist auch die katastrophale Paketpolitik - gerade Mercedes war früher ein leuchtendes Vorbild dafür, Auto‘s für ihre Kunden „nach Mass“ zu produzieren. Was soll ein Zwang (z.B. zum AMG-Paket) für einen Sinn haben, wenn der Kunde eher nach Komfort als nach (Pseudo-) Sportlichkeit sucht ? Vermutlich weiss der hochintelligente Herr Källenius gar nicht, welche „Dummheiten“ der Vertrieb in dieser Hinsicht macht ? Selbst die MB Verkäufer schütteln über dieses missliche Thema nur den Kopf ! Als überzeugter Mercedes Fan hoffe ich auf ein Einsehen in der Chefetage, denn eine Revidierung eines offensichtlichen falschen Entscheids würde überall Respekt bringen. --------- Monika Siebig

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