Rekordfahrt des Mercedes-AMG GT Black Series auf der Nordschleife

Maro Engel im Interview zum Rundenrekord

Rekordfahrt des Mercedes-AMG GT Black Series auf der Nordschleife: Maro Engel im Interview zum Rundenrekord
Erstellt am 24. November 2020

Er gilt als einer der schnellsten Rennfahrer im GT-Bereich - AMG-Pilot Maro Engel. Letzte Woche stellte der in Monaco lebende Deutsche im Mercedes-AMG GT Black Series auf der Nürburgring Nordschleife einen neuen Rundenrekord für Sportwagen auf, trotz schwieriger Bedingungen. Wir haben mit dem sympathischen Mercedes-Mann ausführlich gesprochen.

Neue Mercedes-AMG Rekordfahrt auf dem Nürburgring (Video) Mercedes-AMG GT Black Series schnellstes Serienfahrzeug auf der Nordschleife Wie nah der neue Mercedes-AMG GT Black Series am Motorsport ist, hat jetzt GT3-Rennfahrer Maro Engel auf der Nordschleife des Nürburgrings eindrucksvoll unter

Maro, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Runde auf der Nordschleife und diesem Rundenrekord! Du hast zahlreiche Rennen gewonnen, darunter das 24h-Rennen an der Nürburgring-Nordschleife und das DTM-Rennen in Russland. Was für einen Stellenwert hat so eine Rekordfahrt auf dem Nürburgring?

Es hat einen sehr hohen Stellenwert für mich. Die Nordschleife ist einfach magisch und sowohl für uns Fahrer als auch für die Hersteller eine absolute Referenz. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und war auch eine große Ehre für mich, diesen Rekord hier für Mercedes-AMG fahren zu können. Für mich stand fest, dass der Mercedes-AMG GT Black Series hier eine Wahnsinns-Zeit verdient und deswegen bin ich sehr stolz, dass wir dieses Ziel erreicht haben.

Die Bedingungen waren ja nicht optimal, warum hat man nicht gewartet und wie groß sind die Auswirkungen?

Solch ein Rekordversuch bedingt ja eine Menge Vorbereitung. Man braucht einen Notar, eine freie Strecke und auch die offizielle Zeitnahme. Zudem ist es im Herbst in der Eifel nicht so einfach, perfekte Bedingungen zu erwischen. Ein zuvor geplanter Tag ist beispielsweise komplett ins Wasser gefallen. Beim Rekordversuch war es zwar den ganzen Tag trocken, aber die Restfeuchte hält sich auf der Nordschleife manchmal noch sehr lange. Somit haben wir uns entschieden, kurz vor Einbrechen der Dunkelheit einen Versuch zu starten, auch wenn die Bedingungen nicht 100% perfekt waren. Natürlich waren wir dann umso glücklicher, dass es direkt geklappt hat mit dem Rekord.

Welche Stelle auf der Nordschleife war mit dem Mercedes-AMG GT Black Series am heikelsten? Und wo fühlt sich das Fahrzeug am wohlsten?

Wie man im Video auch gut sieht, war die ganze Runde echt am Limit und ich hatte schon einige Momente, wo ich auch ein paar kleine Fehler gemacht habe. Da fällt mir spontan Eingang Breidscheid ein oder auch Brünnchen 2, wo ich sehr weit rausgekommen bin. Besonders knifflig waren die Piffpaff-Kurve, die darauffolgende Dreifach-Rechts, die Mutkurve und die Einfahrt Kesselchen wo die Bedingungen einfach schwierig waren. Besondern beeindruckend ist die Performance des Autos in den Highspeed-Kurven wie zum Beispiel am Schwedenkreuz, wo ich mit 235 km/h durchgefahren bin. Das ist einfach unglaublich, wie stabil das Auto da liegt. Und den Topspeed von weit über 300 km/h würde ich mir in meinem Rennauto auch wünschen!
Das führt uns direkt zur nächsten Frage: Fährt man als Rennfahrer mit solch einem Straßenauto wirklich 100% oder lässt man noch eine Reserve?

Ich gehe da als Fahrer genauso heran wie auch im Rennauto. Man versucht, eine perfekte Runde hinzulegen und das Limit genau zu treffen, ohne zu überpushen. Sonst hat man auch keine Chance auf solch einen Rekord. Aber da hat es mir der Mercedes-AMG GT Black Series auch sehr leicht gemacht, denn das Auto vermittelt dem Fahrer so unglaublich viel Vertrauen, dass man auch bei solchen Bedingungen bis ans absolute Limit gehen kann.

Aus rein fahrerischer Sicht: Was macht mehr Spaß am Limit? Rennauto oder Sportwagen und warum?

Das ist schwer zu vergleichen. Auf der einen Seite ist es sehr ähnlich, weil der Black Series schon sehr nah am Rennauto dran ist. Auf der anderen Seite hat beides auch seinen besonderen Reiz. Ein Rennauto auf Slicks ist noch etwas präziser und hat viel mehr Downforce und damit mehr Kurvengeschwindigkeit. Mit dem Straßenauto ist man dagegen an vielen Stellen deutlich schneller unterwegs, vor allem am Ende der langen Vollgas-Passagen. Es macht einfach beides unglaublich viel Spaß und der Black Series ist auch ein sehr emotionales Auto, so dass es schon ein ganz besonderes Gefühl war, wenn man von so einer Runde am Limit zurückkommt.
Wieviel Maro Engel steckt im GT Black Series, was war dein Anteil an der Entwicklung?

Mein Anteil ist da zwar vorhanden, aber sehr überschaubar. Das Feedback, das ich als Fahrer bereits bei den anderen GT-Modellen gegeben habe, fließt natürlich in solch eine Entwicklung ein, aber das gesamte Entwicklungsteam hat da einen grandiosen Job gemacht und das Auto in so vielen Bereichen weiterentwickelt. Sei es bei der Aerodynamik, beim Fahrwerk, beim neuen Motor oder auch bei den Reifen, die Michelin exklusiv für dieses Auto entwickelt hat. So etwas funktioniert nur als Teamwork, wenn alle Bereiche perfekt miteinander arbeiten. Somit gebührt dem gesamten Entwicklungsteam die Anerkennung. Als Fahrer ist man da nur ein kleiner Teil des großen Ganzen.

Warum bist du nicht auch den Rekord des Mercedes-AMG GT 63 S 4-Türer gefahren und wieviel schneller wärst du als der Entwicklungsingenieur Demian Schaffert gewesen?

Zunächst einmal muss man sagen, dass Demian da einen ganz tollen Job gemacht hat, denn er ist ja bereits vor zwei Jahren den Rekord gefahren und hat ihn jetzt unter den beschriebenen schwierigen Bedingungen zurückgeholt. Er kennt das Auto so gut und hat das fahrerisch auch perfekt umgesetzt. Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt schneller gewesen wäre. Insofern gibt es gar keinen Anlass, darüber nachzudenken. Abgesehen davon wäre es aus zeitlichen Gründen an diesem Tag auch gar nicht möglich gewesen, in beiden Autos den Rekord zu versuchen. Was steht für dich jetzt noch an in diesem Jahr?

Die Saison im Rundstreckensport ist ja im Grunde beendet und ich nutze die Gelegenheit, um mal einen Abstecher in den Rallye-Sport zu machen. Mein Team Toksport WRT gibt mir die Chance, bei einem WRC-Lauf in einem R5-Auto mein Rallye-Debüt zu geben und ich freue mich mega darauf. Es wird eine komplett neue Erfahrung und ich bin da sehr gespannt, weil ich da meine Komfort-Zone verlassen muss und wieder kompletter Anfänger bin. Aber ich denke, als Fahrer kann mich das nur weiterbringen.

Dann wünschen wir dir viel Erfolg dabei und bedanken uns ganz herzlich für das Interview.

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