Fahrbericht: Mercedes-Maybach S680 4MATIC (Z223)

Die Speerspitze der Perfektion: Maybach S680 mit V12-Triebwerk

Fahrbericht: Mercedes-Maybach S680 4MATIC (Z223): Die Speerspitze der Perfektion: Maybach S680 mit V12-Triebwerk
Erstellt am 16. Juni 2021

Wer sich für einen Maybach der neuesten Generation entscheidet, hat die Qual der Wahl: Solvente Kunden können zwischen zwei, beziehungsweise drei Triebwerken für die Baureihe Z223 wählen. Am gängigsten dürfte der 4-Liter-V8 mit 503 PS sein. Chinesische Kunden haben zudem die Möglichkeit, einen S480 mit 3-Liter-R6 zu ordern. Wer für seinen Maybach die „komplette Kapelle“ anstrebt, der macht das Häkchen beim S680, der Gallionsfigur der Maybach-Flotte.

Die Pkw-Produktion bei Maybach wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. 1921 präsentierte Maybach mit dem W3 den ersten Serienwagen. Ein holpriger Werdegang der Nobelmarke führte schlussendlich dazu, dass Maybach zum Ausstatter für die S-Klasse und dem GLS wurde. Ein Maybach trägt auch heute noch einen Mercedes-Stern. Dennoch führt der Daimler die Sparte „Mercedes-Maybach“ als eigene Marke. Und nun ist es seit gut einem Monat auch amtlich, dass der aktuelle Maybach mit V12-Triebwerk an den Start geht. Schön, dass die aussterbende Spezies großvolumiger V8- und V12-Motoren beim Daimler (noch) Verwendung finden. Auch wenn der schönste Sitz im Maybach der hinten rechts ist, haben wir uns die Chance nicht nehmen lassen, uns hinter das Lenkrad des 12-Zylinder-Maybach geschwungen.

Machtdemonstration: Im S680 arbeitet ein 6-Liter-V12

Sechs Liter Hubraum und 612 PS – wie fühlt sich das eigentlich an? Beherzt drücken wir auf den Start-Stopp-Knopf. Statt einem voluminösen Blubbern, nehmen wir ein elegantes Säuseln, das schönste Säuseln der Welt wahr, das nur erahnen lässt, wie viel Power tatsächlich im M 279 steckt. Die Fahrdaten lesen sich beeindruckend. Das große V12-Aggregat leistet mit seinen 5.980 cm³ Hubraum 612 PS und satte 900 Newtonmeter. Trotz eines Leergewichts von gut 2.350 Kilogramm schafft es die Edelkarosse in brachialen 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Schluss ist selbstverständlich erst bei elektronisch abgeriegelten 250 km/h. Der Verbrauch des Schlachtschiffs wird mit akzeptablen 14 Litern Super Plus angegeben. Klar, für das Beste gibt es eben nur das Beste. Wir geben Gas, lassen rollen, geben wieder Gas... so ein V12 ist schon etwas Besonderes. Erstaunlich, wie leichtfüßig sich der Maybach fahren lässt. Ebenso erstaunlich ist die Hitze, die das Triebwerk vorne absondert. Beim Aussteigen nach der Fahrt kommt einem ein heißer Gegenwind entgegen, der nach und nach aus dem Motorraum entweicht, wahnsinnig beeindruckend und keinesfalls störend, sondern eher faszinierend!

Erstaunlich effizient trotz 612 PS

Der Verbrauch bei unseren Testfahrten ist tatsächlich erstaunlich gering. Trotz flottem Fahren weißt der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von nur 14,5 Litern aus – Respekt! Bei ruhigen Fahrten über die Autobahn oder Landstraße lässt sich der Verbrauch sicherlich noch um 2 bis 3 Liter verringern, nicht schlecht für einen 612 PS starken Zwölfzylinder. Daran ist gut zu erkennen, wie weit und technologisch versiert die Mercedes-Motoren-Ingenieure wirklich sind! Aber was reden wir eigentlich beim S680 überhaupt von Verbrauch.

Die Hinterachslenkung beim Mercedes-Maybach

Ebenso beeindruckend wie der Verbrauch ist das Steuern des Maybach. Das Fahren ist einfach nur ein Highlight. Die Hinterachslenkung, die zu Sonderausstattung gehört, lässt den Maybach zu einem echten Kurvenjäger werden. Dank des Einlenkens hinten von bis zu 10 Grad wird der Wendekreis um stattliche zwei Meter verringert. Das hilft vor allem in engen Städten, Parkhäusern oder Hoteleinfahrten.

Das Schweben über der Straße - Der neue DRIVE PILOT kommt

Sicherheit und Agilität strahlt zudem das E-ACTIVE BODY CONTROL-Fahrwerk aus. Das aktive Fahrwerk pumpt sich im Falle eines Crashs nicht nur blitzschnell hoch und erhöht so die Widerstandsfähigkeit des Maybach, sondern liefert zusammen mit dem ROAD SURFACE SCAN und der Kurvenneigefunktion CURVE ein außergewöhnliches Komfort-Niveau. Schlaglöcher kennt der Maybach nicht, ein Maybach fährt nicht, er gleitet. Nein, er schwebt!
Aber in diesem Jahr könnte der Chauffeur sogar überflüssig werden. Zumindest teilweise, denn ab dem zweiten Halbjahr 2021 wird der Mercedes-Maybach mit dem neuen DRIVE PILOT (Sonderausstattung) bei hohem Verkehrsaufkommen oder Stausituationen auf geeigneten Autobahnabschnitten, zunächst in Deutschland, hochautomatisiert fahren können. So kann auch der Fahrer beim Chauffieren die Zeitung lesen, E-Mails checken oder sich dem umfangreichen MBUX widmen.

Chrom, Zweifarblackierung und ein sagenhaftes Interieur

Optisch kommt unser Mercedes-Maybach S680 4MATIC mit einer Two-Tone-Lackierung in der eleganten Kombination aus Diamond White und Obsidian Black daher. Die Zweifarblackierung für den Maybach kostet 12.500 Euro Aufpreis und wird nach höchsten Qualitätskriterien von Hand aufgebracht. An ein Yacht-Design erinnert dagegen die elegante, verchromte Finne auf der Motorhaube. Mit Chrom geizen die Designer beim Maybach sowieso nicht. Besonders viel silberfarbenes Metall gibt es an der Front. Vor allem der Mercedes-Maybach-Kühlergrill mit feinen vertikalen Chrom-Nadelstreifen ist ein echter Hingucker und strotzt nur so vor Luxus und Noblesse. Betont wird dieser Eindruck noch vom Chromrahmen des Grills. Die letzte Dosis Chrom gibt es dann an den Gittern der vorderen Lufteinlässe. Optional sind die Gitter aber auch in Schwarz verfügbar. Besonders gut gefallen uns die 19-Zoll-Felgen im „Tellerdesign“, die den V12-Charakter extra unterstreichen.
Außen hui, innen hui! – auch der Innenraum des 680ers weiß zu beeindrucken. Maßgebend sind hier die Sitze vorne links und hinten rechts. Vorne rechts wird wohl kaum jemand sitzen. Das Ambiente ist einfach nur umwerfend. Die Rücksitze wirken wie Lounge-Sessel, bieten aber zugleich so viel Seitenhalt, dass man am liebsten gar nicht mehr aussteigen möchte. Auch der Fahrersitz samt Kopfkissen ist einfach dermaßen bequem, dass uns die Superlative ausgehen. Wir loben ja regelmäßig die Sitzqualität der Daimler-Fahrzeuge. Auch hier können wir uns nur wiederholen. Das ist Bundesliga-Niveau – nein, die Champions League!

Lounge-Atmosphäre im Mercedes-Maybach S680 4MATIC

Natürlich lässt es sich in den Sitzen sehr komfortabel und ruhig Reisen. Für Ruhe sorgt eine aktive Fahrgeräuschkompensation. Die Außenwelt verstummt, wenn die Türe automatisch schließt. Ja, man befindet sich in einer Art Blase und vergisst schnell die Hektik und jeglichen Stress. Erst recht, wenn der Chauffeur relaxte Loungemusik zum Chillen spielt... jetzt noch einen London Mule und der Maybach ist besser als jede Cocktail-Bar oder Hotel-Lounge.

Die Tür öffnet sich ab jetzt von alleine!

Übrigens hat der Maybach einen 18 cm längeren Radstand als die lange S-Klasse. Der gewonnene Platz kommt voll und ganz den Passagieren im Fond zu gute. Ein Highlight für die Fahrgäste auf der hinteren Sitzbank dürften die zuvor erwähnten elektrisch angetriebenen Komforttüren sein. Diese lassen sich vollautomatisch per Knopfdruck öffnen und schließen. Ansonsten geht das natürlich auch über die elektrisch ausfahrbahren Türgriffe wie bei der S-Klasse. Ein kleiner Nachteil der Türgriffe ist uns aufgefallen: Wenn es regnet und nass ist, sammelt sich hinter den Türgriffen einiges an Wasser, welches beim Öffnen der Türen unweigerlich über die Hand läuft. Aber halb so wild, wir sind ja nicht aus Zucker.

Erinnerungen an die Daimler Coupés und Cabrios werden wach

Aber nicht nur die Türen öffnen und schließen automatisch. Erstmals gibt es in einer Limousine von Daimler auch automatische Gurtbringer, wie sie aus den Coupés und Cabrios bekannt sind. Von dieser Annehmlichkeit profitieren allerdings nur die Passagiere im Fond. Der Gurtbringer ist in der verstellbaren Lehne des Executive-Sitzes integriert und macht das Anschnallen zu einer sicheren Sache, nice to have!

Dem Maybach geht ein digitales Licht auf

Optimales Licht ins Dunkle bringt beim Mercedes-Maybach das DIGITAL LIGHT. Die Scheinwerfertechnologie gehört zur Sonderausstattung und ermöglicht neue Funktionen, etwa die Projektion von Hilfsmarkierungen oder Warnsymbolen auf die Fahrbahn. DIGITAL LIGHT besitzt in jedem Scheinwerfer ein Lichtmodul mit drei extrem lichtstarken LEDs, deren Licht mit Hilfe von 1,3 Millionen Mikrospiegeln gebrochen und ausgerichtet wird, insgesamt beträgt beim Fahrzeug die Auflösung also 2,6 Millionen Pixel.

Eigenheim, Motorboot oder Maybach?

Preislich sortiert sich der Mercedes-Maybach S680 4MATIC irgendwo zwischen einem Eigenheim und schickem Mahagoni-Motorboot ein. 217.323 Euro müssen fließen, damit der 680er den Besitzer wechselt. Fast doppelt so teuer wie die „normale“ S 580 4MATIC S-Klasse. Doch Käufer, die sich ernsthaft für solch einen exzentrischen V12 interessieren, werden wohl kaum aufs Konto schauen müssen. Und wenn das allerbeste Auto der Welt auch noch perfektioniert wird, spielen Zahlen eh keine Rolle mehr. Bleibt nur zu hoffen, dass dies nicht der letzte Maybach mit V12-Triebwerk ist.

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2 Kommentare

  • Mercedes-Fans.de

    Mercedes-Fans.de

    Hallo Pano, damit werden wir beim Maybach leider nicht dienen können. Aufgrund von Corona war es nicht möglich, mit zwei Personen anzureisen...Finden wir auch schade :(
  • Pano

    Pano

    Und wann kommt das Video zum Fahrbericht? Grüße Pano

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