Keine Kompromisse: Wie schlägt sich die 4x4-C-Klasse im Test?

Fahrbericht: Mercedes-Benz C-Klasse C200 4MATIC All-Terrain S206

Keine Kompromisse: Wie schlägt sich die 4x4-C-Klasse im Test?: Fahrbericht: Mercedes-Benz C-Klasse C200 4MATIC All-Terrain S206
Erstellt am 22. November 2021

Ist die C-Klasse All-Terrain ein weiteres Crossover, das auf hohen Bordsteinkanten parken kann oder tatsächlich ein vierrädriges Pendant zur Bergziege? Nach dem Erfolg der E-Klasse All-Terrain im Frühjahr 2017 folgt nun das zweite All-Terrain T-Modell aus Stuttgart, diesmal wird es aber die kompaktere C-Klasse. Wie auch vor vier Jahren gibt es das Crossover-Modell nur als Kombi, beziehungsweise T-Modell, wie er in Stuttgart genannt wird.

Mit mehr Bodenfreiheit, serienmäßigem 4MATIC Allradantrieb und Offroad-Fahr-Programmen möchte die Daimler AG all jene ansprechen, denen der konventionelle Kombi zu wenig Geländegängigkeit bietet und denen ein SUV für die Stadt ungeeignet erscheint.

Sieht zumindest schon mal höher aus - Das Exterieur-Design

Für eine C-Klasse wirkt der All-Terrain-Trimm tatsächlich resolut, robust und deutet auf die versprochenen Off-Road-Ambitionen des T-Modells hin. Betrachten wir die C-Klasse von vorn, fällt uns direkt die dezent breitere Chrom-Lamelle im Ein-Lammellen-Kühlergrill auf. Die schon aus der Standard-C-Klasse bekannte Querstrebe (Lamelle) wird diesmal in sich unterbrochen und zeigt nach links und rechts jeweils zwei Aussparungen, die abermals auf das Einsatzgebiet der Off-Road C-Klasse verweisen. Farblich abgesetzte Cladings sorgen dafür, dass das T-Modell 21 Millimeter an zusätzlicher Breite gewinnt und so deutlich resoluter und potenter als die normale C-Klasse auftritt. Eine weitere Neuerung ist die eigenständige Frontschürze inklusive Unterfahrschutz.
Auch von der Seite kann sich das neue Off-Road-Design sehen lassen, so sind dem neuen Design der Radläufe serienmäßiger Reifengrößen von bis zu 245/40 R 19 zu verdanken. Der All-Terrain Kombi steht nun auch 40 Millimeter höher da.
Das Heck unterscheidet sich nur minimal von dem konventionellen C-Klasse T-Modell, hier fällt eigentlich nur die gelungene eigenständige, mehrteilige Heckschürze ins Auge, sowie der verchromte Ladekantenschutz, als auch der neu integrierte Unterfahrschutz.

Neue innere Werte – Im Cockpit hat sich sehr viel getan

Die Instrumententafel ist leicht um sechs Grad zum Fahrer geneigt. Der hochauflösende LCD-Bildschirm im Fahrerbereich steht frei und scheint vor dem Flügelprofil und der Zierteilfläche zu schweben. Damit hebt sich das Fahrer-Display von traditionellen Cockpits mit klassischen Rundinstrumenten ab. Käufer haben die Wahl zwischen einer 10,25-Zoll-(26,0 cm) - und einer 12,3-Zoll-(31,2 cm) -Ausführung. Für den All-Terrain wurde ein neuer Kontext „Offroad“ gestaltet. Dort sind spezifische Inhalte wie Steigung, Neigung und Lenkwinkel erlebbar. Angezeigt werden auch die Geokoordinaten sowie ein Kompass. In puncto Digitalität und Hochwertigkeit hat die C-Klasse im Innenraum wieder einen großen Schritt gemacht. Das Interieur übernimmt Highlights aus der neuen S-Klasse, wie das Anzeige- und Bedienkonzept, und interpretiert sie sportlich. Bei der zweiten Generation MBUX (Mercedes-Benz User Experience) haben Hard- und Software einen großen Sprung gemacht: Auf den LCD-Bildschirmen erleichtern brillante Ansichten die Steuerung von Fahrzeug- und Komfortfunktionen. Fahrer- und Zentraldisplay bieten ein ästhetisches Erlebnis. Das Erscheinungsbild der Bildschirme lässt sich mit insgesamt drei Anzeigestilen (klassisch, sportlich, dezent) sowie mehreren Modi individualisieren.

Harte Schale und sehr durchdachter Kern – Die Ausstattung

S-Klasse Vibes im Off-Road Dress, das Avantgarde Interieur gibt es nun als Serienstandard im neuen All-Terrain T-Modell, sehr beeindruckend. So haben zukünftige Kunden die Wahl zwischen den Farbkonzepten schwarz, macchiato-beige / schwarz und sienabraun / schwarz. Die Instrumententafel verfügt über eine Spange in Silberchrom und ein Zierteil in Diamant matt Siebdruck (andere Ausführungen sind erhältlich). Die opulente Zierteilfläche setzt sich in einem Fluss ohne Unterbrechung aus der Mittelkonsole in die I-Tafel fort.
Weitere Highlights sind das Silber akzentuierte Multifunktions-Sportlenkrad in schwarzem Leder, welches wirklich satt und selbstbewusst in der Hand liegt, Ambientebeleuchtung und die AVANTGARDE Sitze mit typischer Sitzgrafik zum verstellen.

Auch von außen ist zu erkennen, dass die All-Terrain Modelle auf dem Avantgarde Exterieur aufbauen. So sind die Dachreling, der Bordkantenzierstab als auch die Einfassung der Seitenscheiben in poliertem Aluminium ausgeführt. Die Stege an den hinteren Seitenscheiben als auch die B-Säule sind in Hochglanzschwarz lackiert. Noch mehr hochglanzschwarze Akzente sind dann im Night-Paket erhältlich.
Wo wir schon beim Thema „Night“ sind, auch abends überzeugt die C-Klasse durch serienmäßiges Digital Light inklusive Offroad-Licht. Digital Light beschreibt die Technologie, die hier bei Mercedes zum Einsatz kommt. In jedem Scheinwerfer steckt je ein Lichtmodul mit drei lichtintensiven LED, im Inneren wird deren Licht mit Hilfe von 1,2 Millionen Mikrospiegeln gebrochen und kann so gerichtet werden. Der Offroad Modus erlaubt eine nochmal breitere Ausleuchtung, die dem Fahrer selbst im Gelände und selbst in Kurven im Gelände Hindernisse schneller erkennen lässt.

Doch hier hört die Lightshow der neuen C-Klasse noch nicht auf. Gegen Aufpreis und je nach Marktregularien lässt sich noch das Projektionspaket zusätzlich erwerben. Dieses erlaubt es dem Auto Führungslinien, Animationen und Symbole gut sichtbar für den Fahrer vor das Fahrzeug zu projetzieren und trägt so zusätzlich zur Fahrsicherheit bei. So kann der Fahrer zum Beispiel in Baustellen die Führungslinien aktivieren. Diese repräsentieren die Fahrzeugbreite und erlauben es dem Fahrer so beispielsweise auf engen Fahrspuren sich besser zu orientieren. Ebenso kann das Licht Fußgänger in ein Spotlight setzen und Gefahrensymbole projizieren, wenn eine rote Ampel überfahren wird oder das Fahrzeug sich in die falsche Fahrtrichtung bewegt (z.B. Autobahnauffahrten oder Einbahnstraßen). Ein sehr nützliches Sicherheits-Feature, das wir uns allerdings schon serienmäßig wünschen würden.

Dieser Weg wird ein leichter sein - Das Fahrwerk

Der All-Terrain hat rund 40 Millimeter mehr Bodenfreiheit als das konventionelle C-Klasse T-Modell, die Räder sind im Durchmesser deutlich größer: Der All-Terrain ist damit Schlechtwege-tauglich. Die Vierlenkerachse vorne besitzt etwas größere Achsschenkel. Hinten ist eine Raumlenker-Achse verbaut, die an einem Fahrschemel aufgehängt ist. Auch im Fahrbetrieb ist das Plus an Komfort durch die zusätzlichen 40 Millimeter Fahrwerkshöhe deutlich spürbar. Schlaglöcher, Asphaltkanten und Bremshubel schluckt das neue All-Terrain T-Model ohne Probleme. Zu verdanken ist das hohe Maß an Stabilität und Komfort dem serienmäßigem Komfortfahrwerk mit passivem Dämpfungssystem. Hierbei wird die Wirkung der Dämpfung abhängig von der Amplitude an den Fahruntergrund angepasst. In der Praxis bedeutet dies, dass auf Asphalt bei kleineren Stößen beim Abrollen des Reifens die Dämpfungswirkung reduziert, um so den Fahrkomfort zu steigern. Gegenteilig verhält es sich abseits befestigter Straßen, werden die Stöße auf den Reifen stärker, wird die Dämpfungswirkung erhöht um so mehr Stabilität gewährleisten zu können. Fahrwerkstechnisch steht der Kombi-Offroader also schon sehr kompetent dar.

Neue Modi für neue Wege

Mit der C-Klasse All-Terrain werden erstmals Wege erkundbar und fahrbar, an die sich bisher keine normale C-Klasse gewagt hat. Dafür spendiert Mercedes der C-Klasse All-Terrain nicht nur einen, sondern gleich zwei neue Fahrmodi, OFFROAD und OFFROAD+, und die haben es in sich.
Der Offroad Modus ist für leichtes Gelände ausgelegt (beispielsweise Sand, Schotter und Waldwege). Im Offroad Modus offenbart die C-Klasse echte Feldmaus Qualitäten. Zwar wird in diesem Modus die Höchstgeschwindigkeit limitiert, was an dieser Stelle gar nicht mal so verkehrt ist. Warum? – Der Offroad Modus lässt den All-Terrain Kombi so souverän über leichtes Gelände fegen, dass man selbst bei seiner ersten Ausfahrt ins Gelände schon fast zu viel Selbstbewusstsein tankt.
Der Offroad Plus Modus lässt den Wagen dann bis dahin eher C-Klasse untypische Aufgaben bewältigen. Im Mercedes-Benz Prüf- und Technologiezentrum Immendingen konnte der All-Terrain dann mal richtig zeigen was er kann. Begleitet wurde ich dabei von einem Driving-Instructor der G-Class Experience in Graz (Österreich). Auf dem hauseigenen Offroad-Parkour in Immendingen wurde schnell klar, die C-Klasse All-Terrain schmückt sich nicht nur mit einer Offroad Optik, sie ist auch ein echter Offroader. Möglich macht dies großenteils der Offroad Plus Modus, dieser kommt mit DSR (Downhill Speed Regulation). DSR erleichtert dabei jedem Offroad-Neuling das Leben im Gelände ungemein, es erlaubt dem Fahrer nämlich eine Geschwindigkeit festzulegen, über der sich das Fahrzeug bergab nicht bewegen darf (zwischen 6km/h und 16 km/h). Dabei war es gefühlt fast egal in welches Gefälle wir den Kombi stürzten, DSR regelte sich innerhalb von ein paar Sekunden ein und schaffte es die sich gegen die Schwerkraft kämpfende Masse des Fahrzeuges kontrolliert, ohne eigenes Zutun in Form von Bremsen, bergab zu bewegen. Auch bergauf bekommt man die C-Klasse selbst bei 35% Steigung, vorausgesetzt Offroad Plus und das nötige Gefühl am Gas-Pedal. Was man an dieser Stelle auch erwähnen muss: die umwerfende Offroad-Performance legte die C-Klasse auf Winterreifen ab. Ein zusätzliches und wirklich nützliches Feature sind die Kameras der PDC (Park-Distance-Control) in den Offroad Modi. Der Fahrer kann die Frontkamera des Autos benutzen und so über das MBUX die vor ihm liegende Strecke, bzw. das vor ihm liegende Gelände noch besser einsehen.

Elektrisierend - Der Motor

Der neue M254 Motor im C200 4MATIC All-Terrain mit integriertem ISG (Integriertem Starter-Motor) der zweiten Generation produziert eine Leistung von 150kw und kann durch seinen Mildhybrid-Antrieb zusätzliche 15kw boosten. Durch Rekuperation und die Möglichkeit, mit abgeschaltetem Motor zu „segeln“, ist der Benziner sehr effizient. Im M 254 hat Mercedes-Benz erstmals alle Innovationen der modularen Motorenfamilie der Vier- und Sechszylinder-Benzin- und Dieselmotoren in einem Aggregat vereint. Ebenso neu ist der Segmentlader, dieser ist eine Weiterentwicklung der Twin-Scroll-Technologie und sorgt für noch spontaneres Ansprechverhalten der Aufladung. Beim Fahren ist dies deutlich spürbar, besonders im Sportmodus zeigt der Segmentlader was er kann und zaubert dem Fahrer auch auf Landstraßen schnell ein Lächeln ins Gesicht.
Im Gelände wechselten wir dann zum drehmomentstärkeren (440 Nm) C220d 4MATIC All-Terrain. Sein Vierzylinder-Dieselmotor (OM 654 M) kommt mit integriertem Starter-Generator der zweiten Generation und 48-Volt-Teilbordnetz. Die Leistung beträgt 147 kW plus 15 kW elektrischem Boost. Auch der Diesel kann rekuperieren und mit abgeschaltetem Motor segeln.

Fazit

Die C-Klasse All-Terrain ist so viel mehr als sie auf den ersten Blick zu sein scheint. Sie überzeugt durch ihre Alltagsqualitäten aber begeistert durch ihre unkonventionellen Einsatzmöglichkeiten.

Zum Testen der C-Klasse blieben uns nur einige Stunden, daher wäre es zu voreilig die C-Klasse All-Terrain in den Himmel zu loben. Damit warten wir, bzw. lassen uns gegebenenfalls vom Gegenteil überzeugen, wenn wir einen Testwagen für die Redaktion  bekommen, den wir dann noch ausführlicher testen können. Also kann ich euch vorerst nur von meinem ersten Eindruck berichten, aber der hat es in sich. Generell bin ich kein Fan von Crossover-Fahrzeugen, da diese meist mehr rollender Kompromiss als Innovation sind. Die C-Klasse All-Terrain zerschmetterte aber nach unserem drei-Stunden-Test alle Bedenken und Zweifel, die ich im Voraus an diesem Fahrzeug hatte.

Die neue C-Klasse erweitert ihr eigenes Leistungs- und Einsatzspektrum, ohne dabei Abstriche in dem zu machen, was eine C-Klasse und gerade ein T-Modell eigentlich ausmachen: Komfort und Belastbarkeit. Die C-Klasse fühlt sich daher eher weniger als ein Kompromiss-Crossover als wie ein Upgrade an, ein sehr großes Upgrade. Man merkt wie durchdacht das Debüt des zweiten All-Terrain angegangen wurde, dieses Fahrzeug ist also eine ernsthafte Überlegung für all diejenigen, die auf die T-Modelle schwören und sich einfach nur mehr Geländegängigkeit gewünscht haben. Eure Gebete wurden erhört, ihr habt ein waschechtes Heavy-Duty-SUV im C-Klasse-Dress bekommen!

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