1999: V 12-Roadster bis 3-Liter-Auto

Die Mercedes-Chronik des Jahres 1999

1999: V 12-Roadster bis 3-Liter-Auto: Die Mercedes-Chronik des Jahres 1999
Erstellt am 9. September 2010

1999 leben erstmals mehr als sechs Milliarden Menschen auf der Welt. Sie sehen – zumindest die in Europa – eine totale Sonnenfinsternis. Deutschland feiert seinen 50. Geburtstag und RTL die Premiere von „Wer wird Millionär“ mit Günter Jauch. Bei Mercedes ist 1999 ein Jahr der Extreme: Einerseits präsentieren die Stuttgarter mit dem SL 73 AMG und der neuen CL-Klasse Power und Luxus im Überfluss, andererseits üben sich der Smart als Diesel sowie die A-Klasse als Hybrid- und Brennstoffzellen-Studie in Zurückhaltung. Mehr über Stimmung und Sterne Jahrgang 1999 verrät unser Jahresrückblick.

Quartett-König: der SL 73 AMG

Er ist der seinerzeit stärkste Roadster der Welt: 525 PS. Er hat den gewaltigsten Hubraum: 7291 Kubikzentimeter. Sein Name: Mercedes-Benz SL 73 AMG. 1999 wird der Mega-Roadster präsentiert und dampft schnurstracks an die Spitze der oben offenen Supersportwagen. Der gewaltige 12-Zylinder reißt den nicht eben leichtgewichtigen SL 73 AMG in 4,8 Sekunden auf Tempo 100, Schluss ist – je nach Kundenwunsch – bei 250 oder 300 km/h. Auch gute 10 Jahre nach seiner Premiere wirken die Daten des Monster-Motors beeindruckend: Schon bei 4000 Umdrehungen erreicht er sein höchstes Drehmoment von 750 Newtonmetern. Wer weniger als 600 Newtonmeter nutzen möchte, hat nur eine Wahl: er muss den Motor abstellen! Denn die genannten 600 Nm gibt es bereits ab Standgas.

Der Motor des SL 73 AMG ist eng mit dem Zwölfzylinder des CLK-GTR verwandt, wo er aus 6,9 Litern Hubraum 612 PS generiert. Dieser Sportmotor basiert wiederum auf dem „normalen“ V12 des Mercedes-Benz SL 600, der 394 PS leistet. Die 131 Mehr-PS des SL 73 AMG sind das Ergebnis tiefgreifender motorischer Überarbeitungen. Passen zur Mehrleistung erhält der „73er“ eine komplett neue Kraftübertragung inklusive Fünfgang-Automatik, ein AMG Sportfahrwerk mit adaptivem Dämpfungssystem ADS und 18 Zoll Leichtmetallräder. Von 1999 bis 2001 können AMG-Kunden einen neuen SL 73 AMG ordern – sein Motor lebt sogar bis heute weiter: der 7,3-Liter V12 wird noch immer bei AMG gebaut und wütet anschließend im italienischen Supersportwagen Pagani Zonda.

Von „Billy Boy“ und „Granitbirne Kohl“

Das Interieur eines Mercedes-Benz CL ist zwar nicht das "Oval-Office" aber sicher auch geeignet für romantische Stunden ...



Bill Clinton steckt tief in der Krise, weil vorher ein Teil von ihm tief ... nein, lassen wir das. Berichten wir stattdessen journalistisch korrekt über das so genannte Impeachment-Verfahren, dem sich der amerikanische Präsident 1999 vor dem US-Senat stellen muss. Angeklagt ist er wegen Meineids und Behinderung der Justiz im Rahmen der Lewinsky-Affäre. Zur Erinnerung: Monica Lewinsky war die junge Dame, deren Praktikum im Weißen Haus offenbar etwas zu weit ging. Aber Clinton hat Glück: Die notwendige Zweidrittelmehrheit für eine Verurteilung kommt nicht zustande.

In Deutschland steht Ex-Kanzler Kohl im Fadenkreuz der Kritik. Er hat sich zwar nicht mit einer Praktikantin eingelassen, wohl aber mit dubiosen Parteispendern. Wer genau das ist, das mag Helmut Kohl selbst unter größtem Druck nicht preisgeben – er fühlt sich an sein Ehrenwort zur Verschwiegenheit gebunden.

Bei so viel Treue, wenn auch nicht gegenüber dem eigenen Land, wird einem doch ganz warm ums Herz.

CL = Charismatischer Luxusliner

Als Mercedes-Benz 1999 die neue CL-Klasse (C 215) präsentiert, soll sie einmal mehr Maßstäbe bei Technologie, Komfort und Leistungsfähigkeit setzen. Dementsprechend ist der CL 500 das weltweit erste Fahrzeug mit aktiv geregeltem Federungssystem. Mercedes nennt das Ganze „Active Body Control“ oder kurz ABC. Diese drei Buchstaben kompensieren Wank- und Nickbewegungen, wie sie normalerweise beim Anfahren, Bremsen bzw. in Kurven auftreten. Ebenfalls an Bord und wiederum eine Premiere im Serienbau ist das Bi-Xenon-Licht. Optisch fällt das Coupé vor allem durch seine große Panorama-Heckscheibe auf.

Der Motor des CL 500 – nur dieser Typ ist 1999 lieferbar – leistet 330 PS. Erst 2000 kommt mit dem CL 600 eine stärkere Version in die Showrooms. Sie bietet nicht nur 64 Mehr-PS sondern auch einen prestigeträchtigen 12-Zylinder. Sollte sich bei so viel Sicherheit, Power und Luxus doch einmal das Umwelt-Gewissen regen, so bietet Mercedes-Benz 1999 auch dafür etwas an: eine optionale Zylinderabschaltung für den Achtzylinder, die den Verbrauch – zumindest im Teillastbereich – etwas senkt.

Menschen, die sich was aus Macht machen

Wachablösung der automobilen Art: C 215 (links) mit seinem Nachfolger.



An den leitenden Stellen vieler Staaten ist 1999 großes Stühle rücken angesagt. Deutschund sucht ein neues Staatsoberhaupt und findet es in der Person von Johannes Rau, der zum Bundespräsidenten gewählt wird. Weniger demokratisch aber dafür umso politischer geht es in Moskau zu: Wladimir Putin ersetzt den zurückgetretenen Boris Jelzin. In Venezuela wird Hugo Chavez Staatspräsident, während Jordanien seinen König Hussein zu Grabe trägt.

Smart sparen – heute und morgen

Autos müssen umweltfreundlicher werden – das ist bereits 1999 eine klare Sache. Das „3-Liter-Auto“ ist zwar in aller Munde, steht aber in kaum einer Garage, da entsprechende Verbrauchswunder Mangelware sind. Der Vorschlag von Smart zum Thema 3-Liter-Auto heißt Smart cdi. Er verfügt über einen sehr kompakt bauenden Dreizylinder-Diesel, der mit einem Verbrauch von 3,4 Litern pro 100 Kilometern angegeben wird. Das kommt beim sparwilligen Volk gut an: Bis zur Einführung des Nachfolgers im Jahre 2007 werden über 140 000 smart cdi verkauft.

Doch nicht nur Smart feilt an umweltschonenden Antrieben. Auch Mercedes selbst präsentiert 1999 zukunftsweisende Mobilitätskonzepte. Die eine heißt „HyPer“, eine A-Klasse, die über Hybrid-Technologie verfügt, die andere „NECAR 4“. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine A-Klasse, allerdings mit Brennstoffzellen-Technologie. Wann letztere serienfähig sein wird, ist ungewiss. Dafür sind Hybrid-Fahrzeuge mit Stern – siehe S 400 Hybrid – heute fahrbare Realität.


Die NATO wird größer – und greift ein

Make Lap not War - sportliche Auseinandersetzungen, z. B. auf der Rennstrecke, machen einfach mehr Spaß.



1999 ist das Jahr der so genannten NATO-Osterweiterung. Eine sicherlich zutreffende Bezeichnung für die Tatsache, dass jetzt auch Polen, Tschechien und Ungarn zur NATO gehören. Im selben Jahr beginnt eine NATO-Operation namens „Allied Force“. Sie startet mit Luftangriffen auf das ehemalige Jugoslawien, mit dem Ziel, den Balkan-Krieg zu beenden. Mit dabei sind auch deutsche Tornado-Kampfflugzeuge. Wenig später marschiert die NATO – ebenfalls mit deutscher Beteiligung – im Kosovo ein.

Mächtig Leistung im ML 55 AMG

Auf der IAA 1999 präsentiert AMG den Übervater aller SUVs. Der ML 55 AMG verfügt über einen V8 mit 347 PS und 510 Newtonmetern. Dementsprechend tut er so, als würde er die rund zwei Tonnen des ML gar nicht bemerken und schiebt den Allradler in 6,9 Sekunden auf Tempo 100. Auch die Höchstgeschwindigkeit ist mit 232 km/h alles andere als SUV-typisch. Doch AMG wäre nicht AMG, wenn man einfach nur einen fetten Motor in eine Mercedes-Karosserie gesteckt hätte. Das Topmodell der M-Klasse bietet mehr. Beispielsweise diverse Karosserie-Anbauteile, spezifische Stoßfänger, „Power Domes“ auf der Motorhaube und Chrom-Zierteile an der Kühlermaske. Breitreifen im 18-Zoll-Format runden die AMG-Optik ab. Im Innenraum gelingt es Sportsitzen mit Büffelleder-Bezug und Echtholz-Paneelen Oberklasse-Flair in den ML zu zaubern.

Wasserstoff auftanken, Automarken aufkaufen

Dank Erfolgsmodellen wie der E-Klasse war und ist Mercedes-Benz nie ein "Übernahmekandidat".



Alternative Antriebstechnologien sind pünktlich zum Millennium ein großes Thema. So öffnet 1999 in Hamburg die europaweit erste Wasserstoff-Tankstelle ihre Zapfhähne. Allerdings nicht für jeden, sondern nur für sechs ausgewählte Firmen, die ihre mit Wasserstoffantrieb bestückten Testflotten dort auftanken können.

Aber auch in der normalen Autowelt ereignet sich einiges: So verkauft Volvo seine Automobilproduktion an Ford. Noch einkaufsfreudiger ist Renault: Zunächst übernehmen die Franzosen fast 40 % von Nissan, wenig später auch noch die Mehrheit (51 %) an Dacia.

Frischzellenkur für die E-Klasse

1999 – vier Jahre nach der Präsentation der Baureihe 210 – frischt Mercedes-Benz das Design der E-Klasse leicht auf. An Limousine und T-Modell findet sich eine leicht abgesenkte Frontpartie mit neu gestalteter Motorhaube, Kühlermaske und Stoßfängerverkleidung. Die vorderen Kotflügel werden ebenfalls modifiziert und erlauben nun eine flachere und tiefere Einbauposition der Scheinwerfer. Angepasst an die neue Design-Linie werden auch Außenspiegelgehäuse, Heckleuchten und Dachreling des T-Modells.

Gleichzeitig stellen die Stuttgarter neue CDI-Dieselmotoren und weitere Sicherheitsfeatures vor. Bei letzteren handelt es sich um serienmäßige Window-Bags und elektronische Assistenz-Systeme. Insgesamt werden über 1800 Bauteile überarbeitet, um der E-Klasse eine erfolgreiche Zukunft zu bescheren. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass Mercedes die Preise, trotz verbesserter Serienausstattung, nur moderat erhöht. Im Durchschnitt steigen sie um 2,9 Prozent, sodass für den Kunden letztlich sogar ein Preisvorteil herausspringt.

Ein deutscher Adler, ukrainische Eisenfäuste & schnelle Radler

Steht bzw. stand sicherlich in so mancher Promi-Garage: Mercedes-Benz CL 500 von 1999.



Mit ihm gelingt der Hysterie um das Skispringen eine Rekordweite: Martin Schmitt fliegt weiter als alle anderen und gewinnt die Weltmeisterschaft der Ski-Springer, die 1999 in Bischofshofen ausgetragen wird. Keinen Flug und dennoch eine harte Landung erleben die Gegner von Wladimir und Vitali Klitschko: Die Boxer-Brüder aus der Ukraine gewinnen 1999 alle ihre Profikämpfe und zwar ausnahmslos durch K. o. oder technischen K. o. Andere schlagen nicht, sie treten – und zwar kräftig in die Pedale. So entscheidet Radrennfahrer Lance Armstrong die Tour de France für sich, während Jan Ullrich Weltmeister im Einzelzeitfahren wird. Während sich diese Herren heute Doping-Vorwürfe gefallen lassen müssen, hat Tennislegende Steffi Graf damals wie heute eine weiße sportliche Weste. 1999 erklärt die siebenfache Wimbledon-Gewinnerin ihren Rücktritt vom Profi-Tennis.

Weltmeisterlicher Mika

Mercedes-Fans haben 1999 einen besonderen Grund zum Feiern: Der Finne Mika wird zum zweiten Mal in Folge Formel 1-Weltmeister. In seinem McLaren Mercedes MP4-14 kann er die Rennen in Brasilien, Spanien, Kanada, Ungarn und Japan für sich entscheiden. In Frankreich und Belgien wird er jeweils Zweiter, in Österreich und Malaysia Dritter und Fünfter auf dem Nürburgring. Sein schärfster Konkurrent ist in dieser Saison nicht etwa Michael Schumacher, denn der fällt nach seinem schweren Crash in Silverstone für sechs Rennen aus. So liegt es an Ferrari-Pilot Eddie Irvine dem Fliegenden Finnen das Siegen schwer zu machen. Das gelingt ihm auch recht gut: Der Fahrertitel wird erst im letzten Rennen entschieden. Das Endergebnis lautet: Häkkinen 76 Punkte, Irvine 74 Punkte, Frentzen: 54 Punkte. Kleiner Makel an dieser 50. Formel 1-Saison: Ferrari gewinnt mit vier Punkten Vorsprung die Teamwertung vor McLaren Mercedes.

Unsterbliche Namen & unvergessliche Songs

Kein Grund zur Trauer: Der V8 des ML 55 AMG trifft immer den richtigen Ton.



1999 verliert die Welt einige schillernde Persönlichkeiten. Beispielsweise den Kult-Regisseur Stanlay Kubrick, dem mit „2001: Odyssee im Weltraum“ und „Uhrwerk Orange“ filmische Meilensteine gelingen. Tragisch ist der Tod von John F. Kennedy Junior: Der jüngere Bruder des ermordeten US-Präsidenten stirbt 1999 bei einem Flugzeugabsturz. Ebenfalls 1999 verlässt uns mit Scatman John ein musikalischer Spaßmacher. Sein Song „Scatman“ ist bis heute unvergessen. Das gilt – wenn man sie denn mag – auch für die Lieder von Rex Gildo. Der deutsche Sänger und Schauspieler ist vor allem in den 1970er Jahren ein wahrer Frauenschwarm. 1999 stirbt er bei einem Fenstersturz.

Den Hit des Jahres liefert Lou Bega. Sein „Mambo Nr. 5“ hält sich sagenhafte 11 Wochen lang an der Spitze der deutschen Single-Charts. Bei den Alben sieht die Welt hingegen anders aus: Der „Altherren-Band“ aus dem „Buena Vista Social Club“ gelingt ein wunderbarer Überraschungserfolg.

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