1952 Mercedes-Benz 300 (W186)

Sieben Jahre lange Restauration: : „Adenauer-Mercedes“ in Top-Zustand

1952 Mercedes-Benz 300 (W186): Sieben Jahre lange Restauration: : „Adenauer-Mercedes“ in Top-Zustand
Erstellt am 26. Januar 2012

Viele Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz – darunter viele Mercedes-Oldtimer – tragen Spitznamen und jeder Mercedes-Fan weiß sofort, um welches Modell es sich handelt, wenn man „Ponton“, „Flügeltürer“ oder „Adenauer“ sagt. Letzterer verdankt seinen Spitznamen dem ersten deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer, dem berühmtesten Kunden des Mercedes-Benz 300 der Baureihe W186. Doch auch ohne den Namenspatron war der „Dreihunderter“ ein echter Meilenstein in der Geschichte von Daimler-Benz – gerade in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt im September 1951 feierte der Typ 300 sein Debüt. Das Modell war auch das erste Fahrzeug, das auch auf dem amerikanischen Automarkt, der nicht nur größer sondern auch finanzkräftiger als der europäische war, Fuß fassen sollte. Und so ist es nicht überraschend, dass der 300 amerikanische Einflüsse in einigen Bereichen mitbrachte.

Am ehesten fällt der reichliche Chromzierrat an den Modellen, die als große Limousine für Geschäfts- und Staatsmänner dienen sollte, auf. Der Mercedes-Benz 300 war so erfolgreich, dass es ganze elf Jahre im Programm blieb. Das erste Modell wurde im April 1951 gebaut, die Serienproduktion begann allerdings erst im November und lief bis März 1954, dann löste der 300 b das Modell ab.

Amerika beeinflusste den Adenauer-Mercedes

Chefingenieur Fritz Nallinger hat damals bei der Entwicklung des 300 keine Kompromisse gemacht. Die Karosserie des 300 ruht auf einem X-förmigen Ovalrohr-Rahmen mit Mittelversteifung, wie die Vorgängermodelle kam auch der 300er mit einer Pendel-Schwingachse im Heck und doppelten Schraubenfedern sowie elektrisch zuschaltbaren Drehstabfederung, die bis zu 33% straffer eingestellt werden konnte.

115 PS aus drei Liter Hubraum

Der 2.996 ccm große Reihensechszylinder mit obenliegender Nockenwelle besteht aus einem Gusseisenblock mit Aluminium-Zylinderkopf. Die Kraftstoffaufbereitung übernehmen zwei Solex Fallstromvergaser, ausgestattet mit einem automatischen Choke – ein Vorteil für europäische Autos und ein weiterer, amerikanischer Einfluss auf den Typ 300.

Eleganz im Interieur

Das sicherlich am Signifikanteste am 300er ist die dezente Eleganz des Innenraums. Das Armaturenbrett ist erstklassig verarbeitet und mit viel schönem Holz und durchgehender Chromleiste versehen. Davor sitzt ein großes Zweispeichen-Lenkrad mit innenliegendem Chrom-Hupenring.

Tiefe, aber komfortable Sitze bieten den Insassen viel Platz und sind - wie die Türverkleidungen - mit hochwertigem Leder bezogen. Der hier gezeigte Typ 300 – einer von 2.659 Limousinen für 1952 - kommt in einer Kombination aus braunem und beige-farbenem Leder und dazu mit der sehr seltenen Schiebedach-Option.

Seltene Schiebedach-Limousine

Der Mercedes-Benz 300 wurde von dem aktuellen Besitzer 1990 in Arizona gekauft und einer ausgiebigen Restauration, die sieben Jahre dauerte, unterzogen. Als der Oldtimer im Jahr 2010 fertiggestellt war, stand der 300 in einem perfekten Zustand dar – auch dank der regelmäßiger Wartung von Mechatronik. Neben den TÜV-Papieren füllen die unzähligen Restaurationsrechnungen mit Fotos wohl mindestens einen Aktenordner.

Und keine Frage, ein solcher Mercedes-Benz Klassiker in dieser ausgezeichneten Kondition ist der Hingucker auf einem jedem Mercedes-Benz Event, aber auch auf der RM Auction in London, wo der Adenauer-Mercedes einen Erlös von 61.000 britischen Pfund, umgerechnet 73.000 Euro, erzielte.



Text: Thomas Frankenstein

Fotos: RM Auctions

Mercedes-Fans-Facts

1952 Mercedes-Benz 300 (W186)

Antrieb: Reihensechszylinder, OHC, 2.996 ccm (nach Steuerformel 2.975 ccm), 2 Fallstromvergaser Solex 40 PBJC, 115 PS bei 4600 /min, Viergang-Schaltgetriebe mit Lenkradschaltung, Hinterradantrieb

Fahrwerk: Vorne Einzelradaufhängung mit Schraubenfedern, Schraubenfedern, Drehstab-Stabilisator, hydraulische Teleskop-Stoßdämpfer, Trommelbremsen; hinten Pendel-Schwingachse, Doppel-Schraubenfedern, elektrisch zuschaltbare Drehstabfederung, hydraulische Teleskop-Stoßdämpfer, Trommelbremsen

Räder: 5 K x 15“-Stahlfelgen mit 7,00-15 extra (6 PR)

Sonstiges: X-förmiger Ovalrohr-Rahmen mit Mittelversteifung Schiebedach-Limousine, Auf der RM Auctions London 2011 als Los 258 für 61.000 britische Pfund, umgerechnet 73.000 Euro versteigert

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