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AMG-Special: Albert Pfuhl – der erste AMG-Kunde

Albert Pfuhl war das erfolgreiche Aushängeschild im Motorsport von AMG und Mercedes-Benz - und vielleicht auch der AMG-Initiator!
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Albert Pfuhl bewegte in 20 Jahren Mercedes Rallye- und Rennwagen auf vier Kontinenten, seine Motorsportkarriere begann 1953 auf einer NSU. Ab 1955 trat er als Werksfahrer für Heinkel an. Doch schnell wechselte der Motorsportbegeisterte von zwei auf Vierräder und zu Mercedes-Benz.

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Einer der Rennmechaniker bei Heinkel war Ingenieur beim Daimler in der Versuchsabteilung von Uhlenhaut, so kam der Kontakt zu Mercedes. Bereits Anfang der 60er Jahre ist Pfuhl dann zusammen mit den Daimler Ingenieuren Crashtests selbst gefahren. „Damals gab es noch keine 'Crashtest Dummis' - das waren wir!“ Mal ging es mit 60 km/h gegen einen Holzstoß, mal stand ein 30 Meter Sprung mit der „Heckflosse“ im Lastenheft.

Pfuhl fuhr nun Mercedes in der "Deutschen Rundstrecken Meisterschaft"

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Bei den Testfahrten lernte er den Mercedes Vertragsrennfahrer Manfred Schieck kennen. Schieck vermittelte 1964 den Verkauf des Rallye Mercedes 220SE von der Schwedischen Rallyefahrerin Ewy von Rosquist (die damit zuvor die Rallye Argentinien gewonnen hatte) an Pfuhl.

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Das Auto diente Pfuhl 1964-1965 als Rennfahrzeug für die Rennen der Deutschen Rundstrecken Meisterschaft (sozusagen dem Vorläufer der DTM). Durch Manfred Schieck, der schon einige Erfolge auf Mercedes Fahrzeugen errungen hatte, lernte Pfuhl die Daimler Mitarbeiter Hans Werner Aufrecht und Erhard Melcher kennen, die drei halfen Pfuhl, seine 220SE Heckflosse renntauglich zu machen.

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Da Aufrecht und Melcher noch bei der Daimler-Benz AG in Lohn und Brot standen, wurde an den Autos abends und an den Wochenenden gebastelt. „Während der Arbeiten am Rennauto hab ich oft bei Hans Werner Aufrecht im schwäbischen Burgstall übernachtet ,um das Geld fürs Hotel zu sparen“, erinnert sich Pfuhl. Die Werkstatt war in der Waschküche von Aufrechts Gehöft. Wenn Aufrecht morgens zur Arbeit ging, hat Pfuhl schon einfache Arbeiten am Auto gemacht. „Es gab noch keine flexible Welle im Werkzeugbestand von Aufrecht und Melcher, die hab ich dann besorgt, das war sozusagen das erste AMG Werkzeug“ ergänzt Pfuhl. Doch das Schicksal trennte das Motorsportquartett, Manfred Schieck verstarb bei einem Rennunfall auf der „Tour d´Europe“-Rallye.

Aufrecht und Melcher galten bei Daimler anfänglich als „Garagenbastler“

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Nach der Saison in der Deutschen Rundstrecken Meisterschaft 1965 war Erhard Melcher bei dem 220SE auf der Suche nach mehr Leistung am Limit, da schien der neuere Mercedes 300SE eine vielversprechende Alternative zum kleinen 2,2 Liter Sechszylinder zu sein.
Aufrecht und Melcher boten Pfuhl eine kostenfreie Leistungssteigerung für einen 300SE durch den Umbau auf Direkteinspritzung an, wenn er ein Auto besorgen könnte. Hans Werner Aufrecht und Erhard Melcher waren in Untertürkheim ein Rotes Tuch, sie galten bei Daimler als „Garagenbastler“ und hätten von ihrem Arbeitgeber niemals ein Fahrzeug bekommen. Die beiden „Jungen Wilden“ wurden zu dieser Zeit aber von Karl Kling und vor allem von Erich Waxenberger wenig geschätzt.

Böhringers 300SE Heckflosse – das erste AMG Fahrzeug

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Deshalb sprach Pfuhl mit Kling, der damals für den Motorsport beim Daimler zuständig war. Pfuhl erzählte ihm, dass er in einem Projekt mit der Universität Graz ein Versuchsfahrzeug - am liebsten einen 300SE - auf Direkteinspritzung umbauen wolle. Das erschien Karl Kling interessant, außerdem mochte er den motorsportverrückten Hessen. Eine Universität als seriöses Aushängeschild reichte Kling, um ein Auto aus seinem Portfolio zu verkaufen.

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Pfuhl erwarb daraufhin die 300SE Heckflosse von Rallye Monte Carlo Sieger Eugen Böhringer für 8.000 DM.
Pfuhl brachte das Auto ein, Aufrecht und Melcher ihr Know How - das war der Startschuss für das erste AMG Fahrzeug. Der 300SE von Albert Pfuhl war damit der Grundstein für die Erfolgsstory von AMG (Aufrecht, Melcher, Grossaspach). Die von Melcher und Aufrecht präparierte 300SE Heckflosse, erreichte mit der Direkteinspritzung 230 PS.

Vom Motorsport zum Tuning-Geschäft

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Beim ersten Einsatz, dem Hockenheimring 100 Meilen Rennen, gewann Pfuhl gegen die etablierte Konkurrenz, die vor allem aus zeitgenössischen Mercedes, BMW und Jaguar Limousinen bestand. Der Sieg in Hockenheim wurde von der Konkurrenz noch als Zufallstreffer verbucht, aber als Pfuhl im folgenden Rennen in Mainz Finten erneut gewann war allen klar: Hier ist eine überlegene Fahrer / Fahrzeug Kombination am Start.

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Die anderen Mercedes Rennfahrer interessierte vor allem das Geheimnis seiner überragenden Motorleistung. Pfuhl schickte die potentiellen Kunden zu Aufrecht und Melcher ins schwäbische Burgstall. Dort, im Stall der alten Mühle hinter dem Misthaufen von Aufrechts vier Kühen, wurden dann weitere Mercedes Renntourenwagen getunt. Die Nachfrage war nun so groß, dass sich die Arbeiten nicht mehr nur abends und an den Wochenenden bewerkstelligen ließen. Aufrecht und Melcher machten aus dem Tuninghobby ein Geschäft, der erste Expansionsschritt von AMG.

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Als Geschäftsgrundlage für AMG war zunächst nur das „Frisieren“ von Mercedes Fahrzeugen für Rennsporteinsätze gedacht, aber schnell kamen viele Kunden mit Straßenfahrzeugen hinzu. Aufrecht und Melcher wuchsen mit ihren Aufgaben, der eine mit geschäftlichem Ehrgeiz - der andere mit geradezu intuitiven Ideen und einem Naturtalent für Motortechnik. Pfuhl war das erfolgreiche Aushängeschild von AMG im Motorsport. Jeder weitere Rennerfolg zog mehr Kunden an. Für Aufrecht und Melcher war Pfuhl zusätzlich die Versicherung, dass es mit AMG weiter gehen würde. Selbst wenn neue Kunden ausblieben, war da noch Pfuhl, der durch seine Rennsportaufträge den Bestand der Firma sicherte. Aus der Geschäftbeziehung wurde ein Vertrauensverhältnis, sogar eine Freundschaft und Pfuhl schreckten auch die teils ungewöhnlichen Arbeitsabläufe bei der frühen AMG nicht.

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„Wenn ich zu AMG kam, war meistens nur Aufrecht im Büro. Melcher war oft im Wald, lag im Schatten und dachte über die ideale Steigung der Nockenwellen nach“ lacht Pfuhl. Beim Training zum Rennen auf der Berliner Avus war Pfuhl erneut mit seinem AMG 300SE schnell unterwegs, dabei überfuhr er die obere Linie in der Steilkurve. Darauf hin wurde er von den Sportkommissaren in die letzte Startreihe verbannt. Eine Maßnahme, die nicht nur er damals als unverhältnismäßig empfand. Pfuhl, für den der Spaß am Rennsport immer an erster Stelle stand und für den der Ehrgeiz ein gutes Ergebnis zu erzielen nicht primär war, zog sich darauf hin aus dem Tourenwarensport zurück.

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Aktualisiert: Freitag, 15. Juni 2012

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