Fahrbericht: Mercedes-AMG GLA 45 S 4MATIC (H247)

Bad Guy mit 421 PS: So fährt sich der neue GLA 45 S

Fahrbericht: Mercedes-AMG GLA 45 S 4MATIC (H247): Bad Guy mit 421 PS: So fährt sich der neue GLA 45 S
Erstellt am 21. Juli 2020

Wenn schon spät, dann auch richtig. Der GLA war in diesem Frühjahr das achte und somit letzte Derivat auf der breit ausgerollten Frontantriebsplattform von Mercedes. Als 421 PS starke AMG-Version spielt er den Bad Guy in der Familie – durchaus gekonnt und mehr als sportlich.

Man kann trefflich darüber streiten, ob ein Kompaktklasse-SUV über 400 PS haben muss oder man mit einer solchen Leistung nicht gleich ein bis zwei Klasse größer unterwegs sein sollte. Muss man aber nicht, denn der GLA war in seiner ersten Generation und damals 360 PS ein echter Volltreffer, der die Konkurrenz über Nacht schockte. Die zweite GLA-Generation ist deutlich besser und alltagstauglicher, wandelt optisch jedoch sehr auf den Pfaden des Vorgängers. Dabei bleibt der GLA gerade als AMG-Version des 45er GLA seiner Linie treu. Er ist ein kleiner Krawallmacher, der mit jede Menge Fahrspaß und beeindruckenden Fahrleistungen die Herzen seiner Fans im Sturm erobert

Krawallmacher und Bad Guy mit 421 PS

Optisch wird der sportliche Anspruch mit Spoilerzierrat, 20-Zöllern und Vierfach-Endrohren allemal unterstrichen; doch seine bis zu 421 PS sieht man ihm kaum an. Wer will: es gibt ihn nahezu unverändert auch mit alles andere als zurückhaltenden 387 PS im GLA 45 und nahezu identischen Fahrleistungen sowie als kleinen Bruder AMG GLA 35 mit 306 PS. Doch wenn schon GLA und dann mit Sportabzeichen aus Affalterbach, dann sollte es auch das große Besteck sein. Der trägt optisch nicht allzu dick auf, doch bei einem Druck auf den Starterknopf wird klar: der will kräftig auf den Putz hauen. Sonorer Motorklang und jeder Druck aufs Gas wird mit einem Sprung nach vorn quittiert. Der AMG-GLA ist ein kompakter Kraftprotz, ein mit 4,44 Meter bulliger kleiner Boxer, der sich nicht zurückhalten will, wenn er Gegner trifft.

Der Mercedes-AMG GLA 45 S und seine Konkurrenz

Der doppelt aufgeladene Vierzylinder mit einem an sich überschaubaren Hubraum von knapp zwei Litern ist das Beste, was man in dieser Liga bestellen kann. 310 kW / 421 PS und 500 Nm Drehmoment ab 5.000 U/min – da vergeht der Konkurrenz Hören und Sehen. Allein Audi kann mit seinem 400 PS starken Fünfzylinder im RS Q3 hier mithalten – sonst sind alle weit abgeschlagen. Und das ist nicht nur auf dem Papier so, sondern Realität auf der Straße. Der GLA 45 S hängt spektakulär gut, ja bissig am Gas und spurtet in unglaublichen 4,3 Sekunden auf Tempo 100. Das liegt nicht nur an einem opulenten Ladedruck von 2,1 bar, der deutlich über dem der vermeintlichen Wettbewerber liegt und einer zweistufigen Benzineinspritzung, sondern insbesondere an einem Turbolader, der spektakuläre 169.000 U/min drehen kann und dem Sporttriebwerk so wahrhaft Flügel verleihen kann. Ähnlich wenig Zurückhaltung gibt es bei Klang und Höchstgeschwindigkeit, denn aus der Klappenanlage tönt ein Stakkato, wenn der knapp 1,8 Tonnen schwere Allradler zu sportlichen Höchstleistungen getrieben wird. Abgeregelt wird erst bei 270 km/h. So – genau so – wünscht man sich einen kompakten Kraftmeier. Wer optisch wie technisch weniger will, findet andere Modelle oder andere Motorisierungen, doch der AMG GLA 45 S bietet genau das, was man von ihm verlangt. Und das mit einem Normverbrauch von 9,2 Litern allemal in einem vertretbaren Rahmen an der Zapfsäule.

Das Triebwerk wird im GLA 45 um 180 Grad gedreht

Interessant: der aufgeladene Vierzylinder wurde im Vergleichs-Triebwerk des schwächeren GLA 35 um 180 Grad um die Hochachse gedreht. Somit befinden sich Turbolader und Abgaskrümmer in Fahrtrichtung gesehen hinten an der Seite der Schottwand zum Innenraum. Die Ansauganlage liegt demnach vorn, was aerodynamisch besser ist, insbesondere aber eine deutlich verbesserte Luftführung mit kürzeren Wegen und weniger Umlenkungen realisiert werden.

Kurvenräuber im Kleid eines City-SUV

Hightech gibt es auch bei der Kraftübertragung. Die Motorleistung wird über ein achtstufiges Doppelkupplungsgetriebe an die beiden Achsen übertragen. Der Kraftfluss an der Hinterachse wird über zwei elektronisch gesteuerte Lamellenkupplungen an die beiden Antriebswellen gebracht, wodurch die einzelnen Räder separat angesteuert werden können. Kein Wunder, dass sich der Mercedes AMG GLA 45 S so fahraktiv bewegen lässt, wie er es eben gerade auf kurvenreicher Piste tut, wenn er durch die Kehren pflüg, als hätte er eine Vierradlenkung. Wie ambitioniert man unterwegs ist, entscheidet nicht nur das Gasfuß des zum Piloten gewordenen Fahrers, sondern auch die sechs einzelnen Fahrprogramme, bei denen es jedoch gerade in Abhängigkeit von der separaten Dämpferregelung allzu unübersichtlich wird. Anzusteuern am Mitteltunnel, im Touchdisplay oder über einen Drehregler am griffigen Lenkrad. Klasse: die präzise und sehr vertrauensvolle Servounterstützung der Lenkung sowie die Bremsanlage mit 360er-Scheiben vorn und 330 Millimetern hinten.

Familienauto oder doch eher Kraftprotz?

Das alles gibt es für die kleine Familie, denn auch wenn der GLA in seiner zweiten Auflage mehr Höhe und Radstand hat, ist er nichts für mehr als zwei bis maximal drei Personen. Dazu ist der Aufenthaltswert im Fond zu klein und das Ladevolumen mit 435 bis 1.430 Litern ohnehin zu überschaubar. Doch solch ein Kraftprotz dürfte kaum die Stellung eines Familienautos zukommen und für Singles oder Paare mit sportlichem Anspruch und ambitionierten Fahrverhalten ist der AMG GLA 45 eine echte Spaßgranate mit Motorsportgenen und Technikfinessen. Das sollte einem – gut ausgestattet – jedoch mindestens 66.642 Euro wert sein.

Technische Daten: Mercedes-AMG GLA 45 S 4MATIC

Motor: Vierzylinder mit Turboaufladung
Hubraum: 1991 ccm
Leistung: 310 kW / 421 PS
Max. Drehmoment: 500 Nm ab 5.000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 4,3 Sekunden
Normverbrauch: 9,2 Liter / 210 g CO2
Leergewicht: 1765 kg
Laderaum: 435 – 1.430 Liter
Preis: 66.642 Euro

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