Vor dem Hintergrund zunehmender globaler Konkurrenz, fragiler Lieferketten und wachsendem Protektionismus fordert die europäische Automobilindustrie Nachbesserungen an der Klimapolitik der EU. Bei einem Treffen des Vorstands für leichte Nutzfahrzeuge der European Automobile Manufacturers’ Association (ACEA) machte ACEA-Präsident Ola Källenius deutlich, dass die aktuellen Vorschläge der EU-Kommission nicht ausreichen, um den industriellen Wandel realistisch zu bewältigen.
Källenius, der zugleich Vorstandschef von Mercedes-Benz Group ist, warnte, Europa könne seinen Vorsprung als Investitionsstandort und Industriebasis verlieren, wenn Klimaziele, wirtschaftliche Realität und globale Wettbewerbsfähigkeit nicht besser miteinander abgestimmt würden. Zwar unterstütze die Branche grundsätzlich die Dekarbonisierung des Verkehrs und begrüße erste Flexibilitätsvorschläge der EU aus dem Dezember-Automobilpaket. Diese reichten jedoch nicht aus, um die Transformation der Branche in der Praxis zu ermöglichen.
Besonders kritisch sehen die Hersteller das CO₂-Ziel für 2030. Um die Vorgaben einzuhalten, müsste sich der Markt für batterieelektrische Fahrzeuge in der EU innerhalb von vier Jahren verdreifachen. Andernfalls drohten europäischen Herstellern hohe Strafzahlungen. Die Industrie fordert deshalb, die geplanten Ausgleichszeiträume von drei auf fünf Jahre (2028–2032) zu verlängern und zusätzliche Flexibilitäts- und Ausgleichsmechanismen einzuführen.
Auch beim Transportermarkt sieht ACEA große Probleme. Der Absatz von elektrischen und Plug-in-Hybrid-Vans liegt aktuell nur bei etwas über zehn Prozent der Neuzulassungen. Unter diesen Bedingungen seien die bestehenden Klimaziele kaum erreichbar. Die Hersteller plädieren daher für angepasste CO₂-Reduktionsziele bis 2030 und 2035 sowie flexiblere Berechnungszeiträume.
Darüber hinaus kritisiert die Branche den geplanten Emissionsrahmen für 2035. Selbst mit vorgesehenen Kompensationsmechanismen bleibe eine faktische Null-Emissionsgrenze bestehen, um Strafzahlungen zu vermeiden. Aus Sicht der Industrie sei dies unrealistisch; stattdessen müsse die Schwelle auf 90 Prozent gesenkt werden.
Grundsätzlich betont ACEA, dass die ambitionierten Klimaziele nur erreichbar seien, wenn die EU gleichzeitig Maßnahmen ergreife, die die Nachfrage nach emissionsarmen Fahrzeugen tatsächlich steigern. Der aktuelle Vorschlag für saubere Firmenflotten setze jedoch vor allem auf Verpflichtungen statt auf Anreize – ein Ansatz, dessen Wirksamkeit die Hersteller infrage stellen.
Die Branche begrüßt zwar die geplanten Vereinfachungen der Regulierung im Automobilsektor, kündigt jedoch weitere Vorschläge an. Entscheidend sei, dass neue EU-Initiativen – etwa das geplante Industrie-Beschleunigungsgesetz – tatsächlich zur Stärkung von Resilienz und Arbeitsplätzen beitragen. Andernfalls drohten steigende Fahrzeugpreise und ein schrumpfender Markt in Europa.


Keine Kommentare
Schreibe einen Kommentar