Unikat: Mercedes-Benz 600 SE V12 (W116)

Kraft satt in 79er Benz-Limo dank M120 Zwölfzylinder: Von 0 auf 100 km/h in 5,3 Sekunden

Unikat: Mercedes-Benz 600 SE V12 (W116): Kraft satt in 79er Benz-Limo dank M120 Zwölfzylinder: Von 0 auf 100 km/h in 5,3 Sekunden
Erstellt am 27. Mai 2016

Zwölf Zylinder und 450 PS im Mercedes W116? Klingt wild und kompliziert? Nicht für Ronald Roesen. Der Beschleunigungsliebhaber scheut kein noch so kompliziert erscheinendes Umbauprojekt. Dank seiner bald 30-jährigen Werkstatterfahrung sieht der Norddeutsche ungewöhnlichen Motoreneinbauten entspannt entgegen.

Dabei integriert der Inhaber der Firma „Roesen Classics“ bevorzugt jüngere (und kraftvollere!) Aggregate in klassische Fahrzeug-Karosserien. Das kann durchaus mal kniffelig werden, hält Ronald aber nicht davon ab, seine Umbauprojekte zu einem beeindruckenden Ende zu bringen. Zweifelsohne lautet das treffende Stichwort bei dieser Limousine mit Stern: Vortrieb! Denn den bringt der W116 Umbau fraglos zu Tage. Den Sprint von 0 auf 100 km/h schafft der Benz aus Baujahr 1979 in sagenhaften 5,3 Sekunden.

 

Von 0 auf 100 km/h in sagenhaften 5,3 Sekunden

 

„Das finde ich bis heute selbst sehr beeindruckend“, schwärmt Ronald, zu dessen Fuhrpark bereits verschiedenste Sportwagen-Klassiker wie Maserati Quattroporte, Alfa Bertone, Alfa Montreal, diverse Porsche und De Tomaso zählten. Vielen Lesern dürften auch seine W123-V8-Umbauten bekannt sein, allen voran ein 560 TE, dessen Beschleunigungsfahrt viele Motorfreunde auf Youtube begeistert:

Eine frische Lackierung im Originalfarbton Petrol Metallic (877)

Bis der W116 so kraftvoll über die Gerade steuerte wie heute, waren einige Stunden Handwerk erforderlich. Nachdem Ronald die Limousine Ende 2013 aufgrund ihres tollen Originalzustands kaufte, stand zunächst die Instandsetzung der Karosserie an. Hierzu gehörte auch eine frische Lackierung im Originalfarbton Petrol Metallic (877): „Die Farbe darfst Du nicht ändern“, sagt der Oldtimer-Experte, „das ist für den Wiederverkauf ein wichtiges Kriterium.“

Upgrade: Schwarzes Leder statt Beigefarbener Stoff

Im Innenraum sorgte Ronald für den notwendigen Komfort. Die ursprünglich beigefarbenen Stoffsitze des SE wichen einer frisch aufgearbeiteten, schwarzen Lederausstattung mit Kopfstützen, Mittelarmlehne und originaler Sitzheizung. Da Ronald großen Wert auf den Einbau von Original Mercedesteilen legt, entschied er sich auch für den Einbau eines Becker Mexiko CD-Tuners, der damals einst für den W126 angeboten wurde. Außen kommen diverse Neuteile zum Einsatz: Spiegel, Scheinwerfer, Blinker, Rückleuchten, Türgriffe sowie sämtliche Fahrwerkskomponenten wurden ersetzt – noch sind die allermeisten Originalteile für den W116 über Mercedes-Benz erhältlich.

V12 statt Sechszylinder

Lange auf der Straße war der frisch restaurierte Benz mit seiner ursprünglichen Sechszylinder-Maschine nicht. Parallel zur Restauration testete Ronald bereits in einer anderen W116-Karosserie wie der geplante Einbau des V12-Spenderherzes aus dem W140 umzusetzen sei. Implantiert werden sollte die komplette Motor-/Getriebeeinheit aus einem 600 SEL. Platztechnisch eine echte Aufgabe, denn für die V12-Maschine des W140 konstruierte Mercedes die weltweit größte Pkw-Katalysator-Anlage. Der 7-Liter-Riese stellte beim Einbau der Einheit in den W116 das Hauptproblem dar: „Die Dimension der KATs war die herausforderndste Aufgabe“, berichtet Ronald rückblickend, „der Umbau erforderte einige Blecharbeiten, ebenso mussten individuelle Bauteile angefertigt werden.“ Da eine TÜV-Eintragung ohne die originale Katalysator-Anlage nur schwer möglich ist, kam der erfahrene Klassiker-Fan um eine entsprechende Anpassung der Bodengruppe nicht herum. Weiterer Pflichtumbau: Die Anbringung eines Frontspoilersl, um das dahinter platzierte Kühlsystem zu verdecken und gezielt anzuströmen. „Den hätte ich gern auch weggelassen“, merkt Ronald an.

Auf großem Fuß: LM-Felgen in den Dimensionen 9 und 10,5 x 18 Zoll

Ebenso galt es, die Dimension der Bremsanlage an die deutliche Leistungssteigerung auf 450 PS anzupassen. Da die ursprünglichen Komponenten der W116-Bremse nicht mehr ausreichten, ersetzte Ronald das komplette System durch eine standesgemäße, moderne Einheit aus dem Mercedes-Benz-Regal. Aufgrund ihrer Größe schließt die neue Verzögerungsanlage den Einsatz der Serienbereifung aus. Ronald setzt hier auf eine dreiteilige Carlsson Leichtmetallfelge mit Radinox-Edelstahlfelgenbetten in den Dimensionen 9 und 10,5 x 18 Zoll. In Kombination mit Semislicks der Marke Federal führe das zu einer erheblichen Verbesserung des Fahrverhaltens: „Mit der Kombi hat das Auto eine enorme Traktion und Kurvenstabilität.“

Der V12-116er bringt es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 272 km/h.

Die Messung der Fahrleistung wird im Cockpit eines Roesen Classics Fahrzeugs unter Einsatz einer Performance Box von Racelogic gemessen. Sie verfügt über einen leistungsstarken GPS-Empfänger, der mit zehn Impulsen pro Sekunde erheblich genauere Messungen zur Positionsaktualisierung liefert als z.B. ein Navigationsgerät. Das beeindruckende Ergebnis: Der 116er bringt es mit seinem implantierten V12-Herz auf eine Höchstgeschwindigkeit von 272 km/h. Der Weg dorthin verfliegt unverschämt schnell. Zum Vergleich: „Ein 6.9er mit 286 PS braucht 34,6 Sekunden, um von 0 auf 200 km/h zu beschleunigen“ berichtet Ronald, „das schafft mein W116 in 18,7 Sekunden.“


Von einem gescheiten Beschleunigungsverhalten und satten Kraftreserven bekommt der Hamburger nicht genug: Als nächstes Projekt kündigt sich in den Hallen von Roesen Classics der Umbau eines Bi-Turbo-Aggregats in einen De Tomaso Longchamp an – mit einer angestrebten Leistungsausbeute von 700 PS.

Text: Eva Gieselberg

Fotos: Tommy Hetzel

 

Mercedes-Fans Facts / Technische Daten

1979 Mercedes-Benz 600 SE V12 (W116)


Motor: V12 M120 aus W140 600 SEL, optimiert, Leistungssteigerung auf 450 PS (Serie: 408 PS), Höchstgeschwindigkeit: 272 km/h
Kraftübertragung: 4-Stufen-Automatikgetriebe aus W140
Räder: 3-teilige Carlsson, Edelstahl, Radinox-Außenbetten in 9 und 10,5 x 18 Zoll
Reifen: Federal Semislicks in 235/40 18 vorn und 265/35 18 hinten
Bremsen: Komplettumbau auf moderne MB-Technik zwecks Anpassung an Leistungssteigerung
Karosserie: effizienter Frontspoiler mit verbesserter Luftzufuhr zum Kühlsystem, Lackierung im Originalfarbton ‚Petrol Metallic (877)’
Innenraum: schwarze Lederausstattung inkl. Kopfstützen, Mittelarmlehne und original Sitzheizung, orig. Becker Mexiko CD-Tuner aus W126

45 Bilder Fotostrecke | Ein W140 spendierte den Motor: Mercedes-Benz 600 SE von Roesen Classics (W116) #01 #02

3 Kommentare

  • Gustavo

    Gustavo

    Der V12 ist auch in einem Video zu sehen, das sich im Artikel auch gut gemacht hätte, oder? https://www.youtube.com/watch?v=ibr7DJ2RsbQ
  • edelundchrom

    Edelundchrom

    Toll!
  • redima

    Redima

    Es ist immer wieder faszinierend, was Ronald Roesen aus den tollen alten Benz-Modellen rausholt ohne ihren Charme zu verändern

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