Eine runde Sache: Mercedes 180 (W120 B-III)

1960er Ponton im Top-Trimm

Eine runde Sache: Mercedes 180 (W120 B-III): 1960er Ponton im Top-Trimm
Erstellt am 31. März 2016

Bereits seit 1987 im Besitz von Edmund Ullrich, steht mit dem Mercedes 180 der Baureihe W120 alles zum Besten. So gut war es um den Ponton-Klassiker jedoch nicht immer bestellt. Denn als der Mercedes-Fan den Benz erstand, war die Limousine ziemlich verranzt.

Alt- oder Edelmetall?

Traurig aber wahr: Nicht von jedem Autofahrer wird ein gut ausgestatteter PKW in gebührendem Maße geachtet und (wert-)geschätzt. Vielmehr über die Jahre von einem Besitzer zum anderen gereicht, wird so manche Straßensänfte zwar intensiv genutzt, aber leider oft nur notdürftigst gewartet und kaum gepflegt. Dermaßen heruntergewirtschaftet, enden viele dieser verwahrlosten Oldies auf dem Schrottplatz.

Der Mercedes kriegt gerade noch die rettende Kurve

Ein ganz ähnliches Schicksal drohte wohl auch dem Ponton-Mercedes. Denn sein letzter Vorbesitzer hatte im Umgang mit dem Benz ebenfalls keine große Achtsamkeit walten lassen. „Als ich den Mercedes 180 vor bald 30 Jahren erwarb, war er noch täglich im Kölner Großstadtverkehr im Einsatz“, erzählt Edmund. „Der Wagen gehörte dem Mitglied einer Studenten-WG, der bestimmt seine Freude dran hatte, sich und seine Mitbewohner in einem automobilen Symbol der Wirtschaftswunder-Ära herumzukutschieren. Besondere Mühe, die Substanz des Mercedes zu erhalten, wurde jedoch nicht aufgewandt.“

Mit der Baureihe W120 steuert Mercedes Richtung Zukunft

Ausreichend Platz für bequemes Reisen bietet der Ponton allemal. Denn seinerzeit wurde der Mercedes 180 mit einer durchgehenden vorderen Sitzbank geordert. Dank dieser Option verfügt das Modell der Baureihe W120 B-III über sechs vollwertige Sitzplätze. Eine weitere Annehmlichkeit hält der Mercedes in Form des von Edmund zwischenzeitlich nachgerüsteten Webasto-Faltverdecks, das seinerzeit ebenfalls auf der Liste der Sonderausstattungen zu finden war, vor.

Übrigens: Für frischen Wind sorgte der Mercedes bereits mit seinem bloßen Erscheinen. Denn mit Einführung der selbsttragenden Ganzstahlkarosserie beschritt Mercedes – bis dato hatte der Hersteller sich noch auf Konstruktionen aus der Vorkriegszeit gestützt – fortschrittliche Wege.

Die Ponton-Welle schwappt in die Verkaufsräume

Wenngleich sich Europa rühmen darf, sowohl das Prinzip der selbsttragenden Ganzstahlkarosserie (Lancia Lambda, 1922) als auch das moderne "Ponton"-Design (z.B. Bugatti Typ 32 von 1923) ersonnen zu haben, waren es wohl doch amerikanische Hersteller, die in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre der schnörkellosen Form (glatte Seitenteile mit in den Body integrierten Radhäusern, die nicht mehr mit Trittbrettern verbunden waren) zum eigentlichen Durchbruch verhalfen. 

Daimler-Benz griff diese Formgebung auf. Ihren im Volksmund gebräuchlichen Namen "Ponton" erhielt die Linienführung aufgrund der Ähnlichkeit mit den Schwimmelementen mobiler Brückenbauten.

Mercedes-Kunden sehen ihre Marke mit ganz neuen Augen

Verglichen mit dem klassischen Styling der bis dato produzierten Mercedes-Modelle dürfte der Look der neuen Baureihe W120 manchem Zeitgenossen zunächst ungewohnt und vielleicht sogar etwas zu progressiv erschienen sein. Gleichwohl setzte sich die neuartige Formsprache beim Publikum rasch durch. Nicht zuletzt auch deshalb, da Technik, Fahreigenschaften und Verarbeitungsqualität des W120 die Kundschaft überzeugten. Denn in diesen Belangen hatte Mercedes die traditionell hohen Maßstäbe beibehalten.

Der Benz ist eine Baustelle

1987 war von der einstigen Herrlichkeit leider nicht mehr viel übrig“, blickt Edmund zurück. „Die Bleche waren an vielen Stellen lädiert, die Sitzbänke notdürftig mit rotem Cordsamt bezogen und die Innenverkleidungen perforiert von zahlreichen Löchern, die zur Aufnahme der nachträglich installierten Lautsprecher gedient haben. Alles in allem standen gut 2.000 Arbeitsstunden an, um den Mercedes180 wieder ordentlich herzurichten“, berechnet der Remscheider den beachtlichen Restaurationsaufwand. Als Teileträger fungierte dabei ein extra gekauftes Schlachtfahrzeug. „Soweit möglich, wurden Originalteile verbaut“, berichtet der Mercedes-Fan.

Im Mercedes herrscht ein guter Ton

Etliche Parts wurden vor der Montage verzinkt oder wie die Abgasanlage aus Edelstahl gefertigt, damit der instandgesetzte Mercedes über lange Jahre dem Zahn der Zeit erfolgreich trotzen kann“, berichtet der Ponton-Pilot. Neben sorgfältiger Handwerksarbeit legt Edmund wert auf Detailtreue. Davon legt das hübsch drapierte Interieur ein beredtes Zeugnis ab. Besondere Juwelen der schmucken Kabine stellen das Becker-Radio (Mexiko) und der kultige Plattenspieler dar. „Nach Letzterem habe ich über ein Jahr gesucht“, berichtet der 63jährige. Der auf der Hutablage thronende Wackeldackel findet sich hingegen beinahe an jeder Ecke. Freilich dürften nur die wenigsten so umgerüstet sein, dass sie als dritte Bremsleuchte fungieren wie in diesem Fall.

Mehr als die volle Ladung

In und an meinem Auto muss alles perfekt sein“, bekennt Edmund und ergänzt: „Halbe Sachen sind nicht mein Ding. 'Entweder ganz oder gar nicht' lautet meine Devise.“ Insofern bedeutete ein unseliger Zwischenfall, der sich in der Lackiererei ereignete, einen herben Rückschlag für das ambitionierte Restaurationsprojekt. „Dort erhielt der Mercedes sein krönendes Finish in Rot und Schwarz – eine Farbkombination, die damals auf Wunsch geordert werden konnte. Während der Nacht sollte zudem die Batterie geladen, werden, doch wegen eines technischen Fehlers kochte der Akku über, wodurch das Fahrzeug stark in Mitleidenschaft gezogen wurde“, berichtet Edmund vom Auf und Ab des Schrauber-Daseins.

Rollende Ruhestätte für unterwegs

Mittlerweile ist die Restauration aber erfolgreich abgeschlossen. Und so kann Edmund sich voll und ganz seinen aktuellen Plänen widmen. „Augenblicklich wird ein Bestattungs-Anhänger von Westfalia passend zum Look des Mercedes 180 instandgesetzt. Dann habe ich auf größeren Reisen immer eine Übernachtungsmöglichkeit dabei“, denkt Edmund praktisch. Bleibt nur noch zu klären, was man dem müden Mercedes-Fans zukünftig des abends wünschen soll: „Gute Nacht“ oder etwa „Ruhe sanft“? Möglicherweise wäre „träum' was Schönes“ treffender? Denn kaum eingeschlummert, zieht es Edmund am liebsten ins fantastische Reich der schönen Sterne...

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Mercedes-Fans Technische Daten

Fahrzeugtyp: Mercedes-Benz 180 B (W120 B-III)

Baujahr: 1960

Motor: Vierzylinder-Reihenmotor, Hubraum: 1897 ccm, Leistung: 68 PS bei 4.400 U/min

Getriebe: Viergang-Schaltgetriebe, Lenkradschaltung

Bremsen: Trommelbremsen vorne und hinten

Räder: Mercedes, 4,5 x 13 vo/hi

Reifen: Michelin, 640-13 vorne und 700-13 hinten

Fahrwerk: Doppel-Querlenker, Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfer, Drehstab-Stabilisator vorne und Eingelenk-Pendelachse, Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfer hinten

Karosserie: Selbsttragende Ganzstahlkarosserie, Original Webasto-Faltschiebedach, Bordsteintaster, Lackierung in Schwarz (040) und Rot (516)

Innenraum: Frontscheibe mit Tönung, durchgehende Sitzbänke

ICE: Becker „Mexiko“ mit mechanischem Sendersuchlauf, Plattenspieler

 

1 Kommentar

  • egide aus belgien

    Egide aus belgien

    Gratuliere Edmund, sehr hübsche Ponton 180, ich bin neidisch!

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