„Hallo schöne Frau, Lust auf eine kleine Spritztour in meinem Mercedes-Flügeltürer?“ „Schau mir auf den Tacho, Kleines!“ Sie vermuten solche Anmachsprüche eher in einem aufgemotzten Gerät halbwüchsiger Kraftmaxe? Weit gefehlt. Der Rubirosa-Flügeltürer zahlt zweifelsfrei zur Liga der außergewöhnlichen Angeberautos. Denn Signore Rubirosa hat – vielleicht in Ermangelung der eigenen Fahrkünste – an seinem 300 SL ausschließlich den Tacho getunt! Und da sage noch einer Mercedes-Fahrer sind langweilig!
Ein prächtiger Herbst-Tag im Oktober 2011, im Rahmen einer Veranstaltung fuhren wir zum alten Kloster nach Polling/Bayern, wo heute Hans Kleissl mit seiner Firma HK Engineering jedem Mercedes 300SL – und auch anderen hochkarätigen Mercedes Modellen – in Form von aufwändigen Restaurierungen ein neues Leben verleiht. Inmitten vieler schöner Sterne erblickten wir jenen Flügeltürer, welcher unter der Baureihe W198 gelistet ist. Ohne Zweifel, das musste er sein, der mattgraue 300SL von Porfirio Rubirosa.
Im Jahr 1909 geboren als Sohn eines dominikanischen Generals, lebte Rubirosa ein Leben, wie es eigentlich nur in der Phantasie gab und gibt! Kurz und knapp beschrieben: sein „Beruf“ oder besser ausgedrückt, seine Beschäftigung nannte sich: Playboy! Er repräsentierte in den 50er Jahren die Verkörperung des Mannes. Viele bekannte Frauen, darunter Marylin Monroe, Jayne Mansfield oder Zsa Zsa Gabor, zählten zu seinen Geliebten. Dagegen nur halb so lang war die Liste seiner Ehefrauen, welche ihm ein dickes Konto und somit ein Leben abseits der Normalität ermöglichten.
Lebemann, Frauenkenner und Mercedes-Fan!
Als Mercedes 1954 den - später zum Sportwagen des Jahrhunderts gewählten - 300 SL auslieferte, musste Rubirosa einen solchen Wagen mit allen erdenklichen Extras besitzen. Rubi hatte ein paar Monate zuvor die Woolworth-Erbin Barbara Hutton geheiratet und somit finanziell versorgt. Neben dem Tausch der originalen Zeituhr im Armaturenbrett durch ein Einzelstück aus dem Hause Jäger, erhielt der Wagen eine weitere markante Änderung.
Tachomanipulation in den 50er Jahren!
Auf den ersten Blick ein normales Cockpit? Wo denken Sie hin? Schauen Sie mal auf den Tacho! Aber flugs!
Der 360 km/h-Angeber-Tacho!
Auch wenn der Flügeltürer die Tachonadel nie über die 230 km/h Skala brachte, genügte Rubi die optische Skala bis 260 km/h bei weitem nicht. Er mochte vielmehr seinen Damen etwas ganz besonderes darbieten, in dem er auf einfachste Art und Weise die Tachozahlen überklebte und somit ein Ziffernblatt bis 360 km/h präsentierte. (Klicken Sie bitte das Bild an!)
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