Top Thema: Daimler und Renault-Nissan schließen Allianz

Die Autokonzerne wollen auf vielen Gebieten kooperieren

Top Thema: Daimler und Renault-Nissan schließen Allianz: Die Autokonzerne wollen auf vielen Gebieten kooperieren
Erstellt am 7. April 2010

Lange war es nur Spekulation. Am heutigen Mittwoch wurde es offiziell verkündet: Daimler und Renault Nissan wollen Autos auf einer gemeinsamen Plattform fertigen. Gute Ehen werden nicht nur im Himmel geschlossen, sondern auch auf Erden. Ist es eine Liebesheirat? Das wird die Zukunft zeigen. Die Verbindung zwischen Mercedes und Renault/ Nissan ist zunächst einmal eine Gemeinschaft, für deren Bildung viele Vernunftgründe den Ausschlag gaben. Indem sich die jeweiligen Kompetenzen ergänzen, will man die Herausforderungen der Zukunft erfolgversprechender und kostengünstiger bewältigen.

BMW-Peugeot/Citroen, VW- Suzuki, Fiat- Chrysler, Toyota-Mazda – sie alle haben es kürzlich getan und strategische Kooperationen beschlossen. Nun also gehen die Daimler AG und Renault-Nissan das Thema Zukunft mit einer Vereinbarung einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit an. Mehr noch. Die drei Automobilkonzerne haben sich verbunden. Denn die beiden Unternehmensgruppen auch eine gegenseitige Kapitalbeteiligung vereinbart: die Renault-Nissan Allianz erhält einen Anteil von 3,1% in Daimler und Daimler einen Anteil von 3,1% in Renault

und von 3,1% in Nissan.Was ist von dieser Allianz zu erwarten? Auf welchen Gebieten will man künftig zusammenarbeiten?

Das Kostenargument ist nicht von der Hand zu weisen.Sinn macht die Partnerschaft aber auch hinsichtlich der Entwicklung von neuen Modellen der Kompaktwagenklasse. Gemeinsame Plattform heißt das Stichwort, welches die Richtung vorgibt für die nächste Generation des smart fortwo und Renault Twingo, einschließlich der Varianten mit Elektroantrieb sowie die künftige Erweiterung der smart und Twingo Produktfamilien.

Darüber hinaus wird die gemeinsame Nutzung von Antriebskomponenten und die partnerschaftliche Entwicklung von zukünftigen Projekten für Pkw und Nutzfahrzeuge auf der Tagesordnung stehen. Insbesondere im Kleinwagenbau dürfte Daimler hier von Renault-Nissan profitieren. Im Gegenzug revanchiert sich Daimler mit einer Teilhabe an seinen Kompetenzen im Premiumbereich. So wurde beispielsweise vereinbart, dass Nissans Nobelmarke Infiniti Benzin- und Dieselmotoren von Mercedes-Benz nutzen wird. Weitere Kooperation auf dem Gebiet der Antriebstechnik liegen aus Sicht von Daimler in einer Belieferung von Dieselmotoren und Getriebe für den Mercedes Vito. Generell werden alle drei beteiligten Autokonzerne von Kooperationen im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge profitieren.

Das meint Dr. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG und Leiter von Mercedes-Benz Cars:

"Daimler und Renault-Nissan verbinden in zahlreichen Feldern gemeinsame Interessen, die eine vielversprechende Grundlage für eine erfolgreiche, strategisch sinnvolle Kooperation bilden. Diese basiert auf einer Reihe konkreter und attraktiver Projektvereinbarungen. Unsere Kompetenzen sind dabei sehr komplementär." Dr. Zetsche ergänzte: "Wir stärken mit dieser Kooperation schnell und nachhaltig unsere Wettbewerbsfähigkeit im Klein- und Kompaktwagensegment und reduzieren zudem unsere CO2-Emissionen. Dabei wissen wir, dass wir auch bei gemeinsamen Architekturen jeweils unterschiedliche und markentypische Produkte entstehen lassen können. Die Markenidentitäten bleiben unberührt."

Carlos Ghosn, Vorstandsvorsitzender und CEO der Renault-Nissan Allianz, erklärt:

"Die Renault-Nissan Allianz hat Erfahrung mit der erfolgreichen Zusammenarbeit innerhalb von Kooperationen und diese Erfahrungen hilft uns enorm, heute und mehr noch morgen im globalen Wettbewerb der Automobilindustrie zu bestehen.  Durch die heutige Vereinbarung bauen wir unsere strategische Zusammenarbeit aus und erzielen durch den Ausbau und die gemeinsame Stärkung unserer Produktangebote nachhaltige Vorteile für die Renault-Nissan Allianz und Daimler. Wir nutzen alle gemeinsamen Ressourcen noch effizienter, um die innovativen Technologien zu entwickeln, die im kommenden Jahrzehnt unerlässlich sind."

Schwerpunkte der Kooperation im Detail:

Kleinwagen

Die nächste Generation des smart fortwo, ein neuer Viersitzer der Marke smart und der nächste Renault Twingo werden auf Basis einer gemeinsamen Architektur entwickelt. Jedes Fahrzeug wird sich hinsichtlich seiner Produktgestaltung klar voneinander differenzieren. Die Entwicklungsarbeit dieser neuen Architektur wird auf dem einzigartigen Heckantriebskonzept der aktuellen smart Modelle aufbauen. Die Markteinführungen der gemeinsam entwickelten Modelle sind ab 2013 vorgesehen. Das smart Werk in Hambach, Frankreich, wird die Produktionsstätte der Varianten mit zwei Sitzen, während das Renault-Werk in Novo Mesto, Slowenien, die jeweiligen Viersitzer fertigen wird. Bereits ab Markteinführung werden die gemeinsam entwickelten Fahrzeuge auch mit einem Elektroantrieb verfügbar sein.

Antriebsstrang

Der Fokus der Kooperation im Bereich des Antriebsstrangs liegt auf der gemeinsamen Nutzung von äußerst verbrauchsarmen Diesel- und Benzinmotoren durch die Renault-Nissan Allianz und Daimler. Die Renault-Nissan Allianz wird in diesem Zusammenhang aus ihrem Portfolio Benzin- und Dieselmotoren mit drei und vier Zylindern an Daimler liefern, die dann an die Mercedes-Benz typischen Anforderungen und Charakteristika angepasst werden. Das Ergebnis bietet für beiden Seiten Vorteile: Daimler kann Motoren aus der Renault-Nissan Allianz nutzen und damit zusätzliche Absatzpotenziale für seine nächste Generation von Premium-Kompaktwagen erschließen. Gleichzeitig verbessert die Renault-Nissan Allianz die Auslastung ihrer Kapazitäten. Daimler, Renault und Nissan werden zudem bei zukünftigen Benzin- und Dieselmotoren zusammenarbeiten. Daimler wird zudem Benzin- und Dieselmotoren aus seinem aktuellen Antriebsportfolio an Infiniti liefern. Dies beinhaltet Vier- und Sechszylinder-Motoren. Auch hierbei bieten sich für beide Seiten Vorteile: Infiniti kann auf Motoren von Daimler zurückgreifen, während Daimler eine weitere Verbesserung der Auslastung seiner Fertigungskapazitäten erreicht.

Die Zusammenarbeit im Bereich von Motoren wird auf einem technischen Konzept beruhen, das eine klare Wahrung und individuelle Ausprägung der jeweiligen Marken- und Produktidentitäten sicher stellt und gleichzeitig eine sehr wettbewerbsfähige Kostenstruktur bietet. Zum einen wird ein hoher Standardisierungsgrad bei nicht-markenrelevanten Komponenten signifikante Einsparpotenziale für beide Partner eröffnen. Zum anderen stellt der Einsatz von exklusiven und markenspezifischen Technologiepaketen sicher, dass die jeweiligen Ansprüche der betreffenden Marken erfüllt werden. Das wesentliche Ziel ist die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Partner durch ein wesentlich höheres Volumen, das zu entsprechenden Skaleneffekten führt, sowie das Teilen von Entwicklungskosten.

Zusammenarbeit im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge

Die Unternehmen haben sich außerdem auf eine enge Kooperation im Segment der leichten Nutfahrzeuge geeinigt. Mercedes-Benz Vans wird in diesem Zusammenhang sein Portfolio ab 2012 um ein komplett neues Einstiegsmodell erweitern, das für den kommerziellen Einsatz vorgesehen ist. Die technische Basis dieses Stadtlieferwagens wird von Renault stammen, die Produktion des Fahrzeugs erfolgt im Renault-Werk in Maubeuge, Frankreich. Beide Seiten profitieren hierbei von einem zusätzlichen Absatzvolumen, einer verbesserten Kapazitätsauslastung sowie geteilten Investitionskosten. All dies führt zu einer Verbesserung der generellen Kostenstruktur. Zusätzlich zu dieser Zusammenarbeit bei leichten Nutzfahrzeugen werden auch ausgewählte Antriebskomponenten ausgetauscht, um das Produktangebot und das Absatzvolumen im Bereich der mittelgroßen Nutzfahrzeuge auszubauen. Dies beinhaltet einen kleinen Dieselmotor und Getriebevarianten, die Daimler von Renault-Nissan  für den Mercedes-Benz Vito beziehen wird. Diese zusätzliche Einstiegsmotorisierung erschließt zusätzliche Absatzpotenziale für Mercedes-Benz Vans und ermöglicht eine verbesserte Kapazitätsauslastung bei Renault.

2 Kommentare

  • der_Vahrende

    Der_Vahrende

    Daimler & Renault = PfuiDeibel!
  • cynar

    Cynar

    Das ist die Lösung für noch mehr Gewinne. Kleiner Japaner oder Franzose mit Stern. Aber mit Premium Mercedes -Preis! Oder vielleicht auch ein Dacia mit Stern für den Einstiegspreis von 25.000 €?

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