Nächste Auffahrt: radikaler Sparkurs

Quo vadis Mercedes? Der Daimler muss sparen. Droht beim Stern auch massiver Jobverlust?

Nächste Auffahrt: radikaler Sparkurs: Quo vadis Mercedes? Der Daimler muss sparen. Droht beim Stern auch massiver Jobverlust?
Erstellt am 2. April 2019

Der designierte Daimler-Chef Ola Källenius darf sich freuen, denn mit dem Joint Venture mit Geely in Sachen smart hat er einen Teil der Daimler-Probleme, die in der Führungsetage derzeit Kopfzerbrechen bereiten, nach China ausgelagert und auf die Schultern seines chinesischen Partners gepackt. Doch sobald Källenius die volle Befehlsgewalt inne hat, warten noch größere Aufgaben, für deren Bewältigung man vermutlich ganz bewusst keinen Ingenieur, wie Zetsche einer ist, sondern eine Person mit betriebswirtschaftlichen Background auf den Chefsessel geholt hat.

Drei Dinge sollen Daimler profitabler machen: Sparen. Sparen. Sparen.

Daimler muss sparen. Insbesondere Mercedes-Benz muss sparen. Einerseits zu wenig Gewinn. Zu gering die Rendite. Zu niedrig sind Aktienkurs und Dividende. Andererseits zu viele Modelle. Zu viele Motoren. Zu viel Fertigungstiefe. Zu viel macht Mercedes-Benz in der Produktion selbst. Zu viele Mitarbeiter? Källenius als gelernter Betriebswirt ist ein Mann der Zahlen. Wo sich vermeintliche Wucherungen in Vertrieb, Verwaltung und Produktion im Laufe der Zeit angesetzt haben, wird er vermutlich zeitnah eine ziemlich radikale Verschlankung und damit einen ambitionierten Sparkurs verordnen. Was heißt das faktisch: Als Sofortmaßnahmen lassen sich Budgets kürzen oder auch Anteile an Kleinwagenmarken verkaufen. So weit. So kurzfristig. So passiert. Doch das wird nicht reichen. Der Hebel wird ganz sicher auch in der Verwaltung angesetzt. An der Schraube Reise- und Bewirtungskosten wird man drehen. Man muss wohl ferner erwarten, dass Källenius die kostenintensiven Bereiche wie Entwicklung und Produktion der Marke Mercedes-Benz komplett neu ausrichtet. Und er wird um sich eine Mannschaft versammeln, die den Sparkurs konsequent und effizient umsetzt. So gesehen hat die Juristin Katrin Adt nach nur sechs Monaten im Amt als smart-Chefin einen tollen Job gemacht und sich mit der raschen Eledigung der causa smart vermutlich für höhere Aufgaben im Konzern empfohlen. Auch bei Mercedes-Benz Vans gibt es, wie heute bekannt wurde, einen Wechsel an der Spitze. Auf Volker Mornhinweg, der seine Karriere beim Daimler als Maschinenschlosser begann, folgt zum 01. Mai 2019 mit Marcus Breitschwerdt ein Vertriebsprofi, der seine Laufbahn bei Mercedes-Benz als Controller startete. Mmh, Petrol-Heads wird es beim Daimler in Führungsverantwortung künftig weniger geben. Der Sparzwang erfordert wohl eine neue Nüchternheit auf der Entscheiderseite. Benzindampf in der Nase kann da den Blick für Einsparpotential womöglich nur trüben.   
Bei der Entwicklung wird man bei Mercedes-Benz Cars noch mehr als bisher verstärkt auf Kooperationen setzen. Mit BMW ist man ja schon in Gesprächen und schon zu Ergebnissen gelangt, dort zusammenarbeiten, wo es bei Elektromobilität und dem Autonomen Fahren für einen allein zu teuer würde.
In der Produktion wird Daimler das Modellporfolio verkleinern sowie Technik und Mechanik vermehrt zukaufen und nicht mehr in dem hohen Maße selbst entwickeln und fertigen, wie das jetzt noch der Fall ist.
Tut das denn wirklich not? Börsenanalysten und Großaktionäre bejahen diese Frage laut. Bert Flossbach, Chef des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch, fordert zeitnah harte Sparmaßnahmen und formuliert die derzeitige Situation für Daimler besonders drastisch: „Es geht jetzt darum, ob Daimler in zehn Jahren noch Bestand hat.“ Gern verweisen Daimler-Kritiker auf BMW. Die Münchner beschäftigen bei ungefähr identischem Pkw-Absatz nämlich rund 25.000 Mitarbeiter weniger. Warum? Weil BMW u.a. mehr zukauft und weniger selber macht.

Daimler sagt, es sei kein Stellenabbau geplant

Als Reaktion auf den in 2018 um rund 30 Prozent eingebrochenen Gewinn kündigte der noch amtierende Konzernchef Zetsche die Erarbeitung umfassender Gegenmaßnahmen an - ohne zu sagen, wie die denn im Detail aussehen könnten.
Wenn Unternehmen sparen wollen, dann gehört zum Maßnahmenkatalog oft genug ein Stellenabbau. Der sei bei Daimler aber nicht geplant, heißt es offiziell. Und für die Stammbelegschaft in Deutschland sind betriebsbedingte Kündigungen ohnehin vorerst ausgeschlossen. Allerdings hat auch Daimler Entwicklungen angestoßen bzw. sieht sich der Konzern mit Veränderungen konfrontiert, welche einen massiven Stellenabbau zur Folge habe könnten und wohl auch werden.
Beispiel Elektromobilität: Tony Seba, Zukunftsforscher, Vorausdenker und Dozent an der renommierten Standford Universität prognostiziert in einer neuen Studie, dass im Jahre 2025 weltweit keine Fahrzeuge mit traditionellen Verbrennungsmotoren mehr verkauft würden. Das mag zeitlich etwas zu kurz gesprungen sein, aber das Ende des Verbrenners naht dennoch unweigerlich - mit tiefgreifenden Folgen für die Arbeitsplätze im Motoren- und Getriebebau. Ein Elektromotor hat viel weniger Teile. Er braucht in der Fertigung viel weniger Arbeitseinsatz. Und überhaupt: Daimler hat sich von der einzigen eigenen Betriebsstätte, wo man Elektromotoren für den eigenen Bedarf und für andere Hersteller fertigte, kürzlich getrennt. Elektromotoren und Antriebsstrang wolle man auf den Weltmärkten zukaufen, heißt es beim Daimler.
Beispiel Industrie 4.0: Stellenabbau droht aber auch bei der neuen Art des Fertigens. Stichworte: Industrie 4.0, Smart Factory, Factory 56. Die hochautomatisierte und voll digitalisierte Autofabrik, die bei Daimler in Sindelfingen als Blaupause für das globale Produktionsnetzwerk des Unternehmens im Werden ist, wird zum einen neue, höher qualifizierte Arbeitsplätze in der Kooperation mit der Robotik bringen, unterm Strich in der reinen Zahl wird sie zum anderen aber viele Stellen obsolet machen. Das Zukunftsmodell der smarten Produktion bei Mercedes-Benz könnte - vereinfacht ausgedrückt und gerade mit Blick auf die standardisierten Bauteile der E-Autotechnik - darauf hinauslaufen, dass Automaten in einem weitaus höheren Maße, als das bisher der Fall ist, die von Fremdfirmen produzierten und angelieferten Teile nur noch zusammenzustecken brauchen. Schon malen Gewerkschafter das Schreckgespenst der menschenleeren Autofabrik an die Wand.

Jobkiller Elektromobilität

In einer im Juni 2018 veröffentlichten Studie prognostiziert das Frauenhofer Institut, dass der Wandel vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität allein in Deutschland bis zum Jahr 2030 rund 110.000 Stellen kosten werde - und in diese Zahl ist das Arbeitsplatzplus, welches der technologische Wandel auf der anderen Seite zugegebenermaßen ja auch bringt, bereits mit eingerechnet. Die ersten Autobauer wagen sich mit vorsichtig formulierten Einschätzungen in Sachen zukünftigem Personalbedarf auch wegen mehr Elektromobilität an die Öffentlichkeit. Demnach will Audi 15 Prozent Stellen abbauen. Volkswagen möchte 7.000 Stellen kappen. Ford will in Deutschland 5.000 Arbeitsplätze streichen. Und BMW? Die Münchner sehen sich als schlank an, wollen aber auch keinen Speck ansetzen. Sie haben einen Einstellungsstopp verkündet. Und Daimler bzw. Mercedes-Benz? Was sind die Auswirkungen der Elektromobilität auf die Belegschaft des Sterns? Insofern es hier Nachrichten bzw. sogar grausame Botschaften zu verkünden gibt, so werden sie wohl nicht mehr aus dem Munde des scheidenden Chefs Dieter Zetsche kommen. Das wäre dann der Job von Källenius, der Ende Mai diesen Jahres Krone und Zepter übernimmt. Neue Besen kehren gut, heißt es. Wie viel Kehraus wird der neue Vorstandsvorsitzende dem Stern zumuten?

Autor:‭ ‬Mathias Ebeling

3 Kommentare

  • Karl der Kleine

    Karl der Kleine

    @Robert Bereiter: Zwischen den Kraftfahrzeugattributen "Design ohne wirklichen Wiedererkennungswert" und "Langzeit- oder Durchschnittsqualität" liegen für einen Autoliebhaber meilenweite Unterschiede. Das Design eines 280SE hat mich überhaupt nicht angesprochen. Das Design eines GT63 dagegen sehr. Die Qualität der Mercedes-Kutschen vor 30 Jahren war sicherlich ausgezeichnet, die von heute lässt ab und zu Wünsche offen. Vor dreißig Jahren haben echte Schwaben den Benz gebaut, heute werkelt die ganze Welt an einem Modell rum. Möglicherweise ist das ein Grund für die nachlassende Qualität. Aber auch der 502er BMW hatte eine bessere Qualität als der 7er. Am Design der jetzigen Benz-Limousinen kann ich nichts negatives finden. Die Vielzahl der jetzigen Benz-SUVs finde ich auch als Griff ins Design-Klo.
  • Robert Bereiter

    Robert Bereiter

    in prinzip ist es egal ob daimler in 10 jahren noch am markt vertreten ist.daimler ist ein hersteller von vielen geworden.autos die komplett mit klimbim überladen sind.design ohne wirklichen wiedererkennungswert.an ein aktuelles modell wird sich wahrscheinlich in 20 jahren keiner mehr erinnern können.das design ist komplett überstylt und schon lange nicht mehr elegant.wo siind die alten zeiten geblieben?????langzeitqualität die eines w124,w126,w140 gibt es schon lange nicht mehr.langzeitqualität können andere besser oder durchschnittsqualität mindestens genauso gut.echt schade
  • Pano

    Pano

    Sobald der Wechsel an der Spitze des Konzerns im Mai vollzogen ist, wird Källenius seine Strategie verkünden. Und da es nicht ungewöhnlich ist, daß neue Chefs die Grausamkeiten gleich zu Beginn ihrer Amtszeit ankündigen würde ich mal von einigen unangenehmen Details ausgehen. Inwiefern sich diese auf die Belegschaft und die Produkte auswirken wird sich dann wohl schon recht bald zeigen. Grüße Pano

Schreibe einen Kommentar

Login via Facebook

Community