Autostudie 2019: Womit Autobauer morgen Geld verdienen wollen

Davon wollen die Autohersteller künftig leben: Neue Antriebe und mehr Umsätze mit Software und Daten

Autostudie 2019: Womit Autobauer morgen Geld verdienen wollen: Davon wollen die Autohersteller künftig leben: Neue Antriebe und mehr Umsätze mit Software und Daten
Erstellt am 28. Januar 2019

Gas is the past! Über kurz oder lang ist der Verbrenner ein Auslaufmodell. Was aber wird dann aus der Autoindustrie? Womit will sie ihr Geld verdienen. Offenbar hat die Autoindustrie schon einen Plan: Die Mehrheit - so das Ergebnis einer aktuellen Studie - arbeitet am Umbruch vom klassischen Produzenten zum universellen Mobilitätsmanager und zur agilen digitalen Plattform.

Die Autoindustrie in Deutschland verlagert ihr Wachstum zunehmend auf mehrere Standbeine: Neue Antriebsstrategien sind für 87 Prozent der Unternehmen der größte Wachstumstreiber der Automobilbranche. Zudem setzen die Autobauer und Zulieferer auf Zukunftstechnologien wie das autonome Fahren. Parallel dazu etabliert sich das Dienstleistungsgeschäft immer mehr als neue tragende Säule im Automobilsektor: Flottenmanagement, datengetriebene Wartung, Carsharing und digitale Mobilitätsplattformen sollen den Wandel vom reinen Autobauer zum Hochtechnologie- und IT-Dienste-Anbieter vorantreiben. Das ergibt die Studie "Branchenkompass Automotive 2019" von Sopra Steria Consulting und dem F.A.Z-Institut.

Der langfristige Abschied von der Ära der Verbrennungsmotoren ist in der Automobilbranche unverkennbar. Die Umsatzbringer der kommenden Jahre sind alternative Antriebe wie der Elektromotor, Wasserstoffbrennstoffzellen sowie Auto-Gas. Hier forscht die Branche derzeit am meisten, hier entsteht neuer Wettbewerb und hier ist der Investitions- und Personalbedarf am größten.
Unsicherheit herrscht darüber, welche Antriebe sich durchsetzen werden. 41 Prozent der befragten Entscheider erwarten, dass Wasserstoff langfristig die zentrale Technologie im Antriebsstrang sein wird, zum Teil in Hybridform mit Elektrotechnologie. Allerdings schmelzen die Vorteile gegenüber der Feststoffbatterie wie Ladezeit und Reichweite gerade massiv zusammen. Wasserstoff-Kooperationen wie die zwischen BMW und Toyota oder das Engagement von Audi fokussieren sich deshalb auf Kleinserien. Die Milliardeninvestitionen fließen aktuell in den klassischen Elektroantrieb. Entwicklungsvorstände großer Pkw-Marken sehen das E-Auto mit Feststoffbatterie im Vorteil für den Massenmarkt, das zeigen Medienberichte.

Dringend gesucht: Neue Geschäftsfelder

Mit dem Durchbruch alternativer Antriebstechnologien wird künftig ein großer Teil klassischer Einnahmequellen in der Automobilbranche wegbrechen. Im Elektroauto ist ein Bruchteil der Teile verbaut, die heute ein Benzin- oder Dieselfahrzeug benötigt. Dazu kommt, dass batterie- oder gasbetriebene Kfz weniger bewegte Teile haben. Das schmälert das Aftersales-Service-Geschäft. Hierfür suchen die Unternehmen händeringend nach Ersatzgeschäft und neuen Standbeinen. Als Kompensation rücken viele Autohersteller und Zulieferer enger an das Energiegeschäft heran. 79 Prozent der befragten Entscheider arbeiten an Konzepten, um künftig mit der Energieversorgung, der Energieproduktion und der Energienutzung neues Wachstum zu erzielen. Für den Ausbau des Strom- und Gastnetzes entstehen neue Kooperationen mit Energieunternehmen, Tankstellenbetreibern und Dienstleistern wie Hotel- und Restaurantketten. Ziel ist, die Dichte der Ladestationen und damit die Attraktivität deutlich zu erhöhen.

Wachstum durch digitale Technologien

Darüber hinaus wollen die Entscheider der Automobilindustrie das Geschäft mit Technologien ausbauen, die das Fahren digitaler und damit komfortabler und sicherer machen. 83 Prozent der Unternehmen setzen auf Fahrassistenzsysteme, 62 Prozent auf so genannte Well-being-Komponenten. Dazu gehören Messinstrumente, die auf Wunsch Vitaldaten des Fahrers im Blick behalten und beispielsweise bei Anzeichen von Müdigkeit Alarm schlagen. Für 68 Prozent der Branchenvertreter ist zudem die Entwicklung teil- oder vollautonomer Fahrzeuge ein relevantes Geschäftsfeld, das sie vorantreiben wollen.

Aus Autoschmieden werden Digitalplattformen

Insgesamt sind sich die Automanager einig, dass die Branche für künftiges Wachstum komplett neue Richtungen einschlagen muss. Die Mehrheit arbeitet am Umbruch vom klassischen Hardware-Produzenten zum universellen Mobilitätsmanager und zur agilen digitalen Plattform - inklusive vollvernetzter Industrie-4.0-Produktion und moderner Vertriebsstrategien. "Das Autofahren wird immer mehr von intelligenter Datentechnik unterstützt. Diesen Datenschatz zu heben, ist eine der zentralen Aufgaben für die gesamte Automobilbranche", sagt Lutz Kauertz, Leiter Manufacturing von Sopra Steria Consulting. "Die Umsatzanteile müssen und werden sich weg vom reinen Autobau in Richtung Full-Service-Dienstleister verschieben", so Kauertz. Dass der Umbau im Fokus steht, zeigen die laufenden und geplanten Investitionen. Drei Viertel der befragten Autohersteller und Zulieferer investieren in die Nutzung der Digitaltechnologien in Produkten oder innerhalb der Prozesse. Ebenso viele passen ihre Organisation an moderne, sich durch die neue Technologie eröffnenden Strukturen an, so die Studie. (Quelle & Grafiken sopra steria: Studie „Branchenkompass Automotive“, Januar 2019; Titelbild: Daimler )

 Autor:‭ ‬Mathias Ebeling

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