Im Interview: Jürgen Schenk, Chefentwickler für Elektrofahrzeuge bei Mercedes-Benz Cars

"Die Welt wird elektrischer werden. Wann überlassen wir unseren Kunden."

Im Interview: Jürgen Schenk, Chefentwickler für Elektrofahrzeuge bei Mercedes-Benz Cars: "Die Welt wird elektrischer werden. Wann überlassen wir unseren Kunden."
Erstellt am 11. Juli 2016

Das Thema Elektro-Autos ist aktueller denn je: Jeder, der sich künftig für ein strombetriebenes Auto entscheidet, bekommt 4.000 Euro von Staat und Industrie dazu, für Hybride mit ergänzendem Verbrennungsmotor gibt es 3.000 Euro Zuschuss. Wer sich ein Bild davon machen wollte, wie alltagstauglich und leistungsfähig diese Fahrzeuge mittlerweile wirklich sind, der hatte bei kürzlich zu Ende gegangenen Silvretta E-Rallye 2016 dazu Gelegenheit. Rund 30 Elektro-und Hybridautos nahmen an der Rallye teil.  Die Fahrzeuge legten dabei insgesamt 224 Kilometern und Steigungen von maximal 14,5 Prozent zurück. Mit neuen Autos und damit der größten Flotte war Mercedes Benz vertreten. Im Interview äußert sich Jürgen Schenk, Chefentwickler für Elektrofahrzeuge bei Mercedes-Benz Cars, über die Entwicklung der E-Autos und deren Zukunft.

Herr Schenk, zum siebten Mal fand in diesem Jahr die Sillvretta E-Rallye statt und Mercedes-Benz war mit neun Fahrzeugen vertreten. Welches davon ist denn das Beliebteste, sowohl hier bei der Rallye, als auch bei den Kunden?

Jürgen Schenk: „Bei den Kunden sind am beliebtesten im Moment die Plug-in Hybriden. Hier auf der Rallye bemerken wir sehr eindeutig, dass die Menschen den e SLS umringen, sie laufen dahin, wollen Bilder machen. Es ist ein faszinierendes Auto, das ihnen gefällt. Für den Markt sind aber unsere Plug-in Hybriden wichtig, das sind die Fahrzeuge, die man auch in Massenproduktion herstellen kann. Und unsere B-Klasse electric und die verschiedenen Plug-in Hybriden sind hier prominent vertreten. Auch da laufen die Leute hin und sagen, gibt es das denn schon, das wussten wir gar nicht. Es ist sehr schön, dass wir die alle hier haben.“


Noch in den 1980er Jahren galten Hybrid- und Elektroautos als uninteressant, heute braucht jeder Hersteller solche Modelle in seinem Portfolio. Wo wird die Reise Ihrer Meinung nach noch hingehen?

Jürgen Schenk: „Wir sehen eindeutig: Die Welt wird elektrischer werden. Wir könne nicht genau sagen, wie schnell sie elektrischer wird. Wir werden ein Angebot an Fahrzeugen entwickeln und produzieren. Die Entscheidung, wann der Zeitpunkt gekommen ist, dass elektrisch immer bedeutungsvoller wird, lassen wir unseren Kunden. Wir machen ein breites Angebot und freuen uns, wenn die Kunden das Angebot ziehen, dann wissen wir, dass wir gut waren in unserer Spezifikation. Wann das richtig durchbricht können wir nicht genau vorhersagen, aber wir sehen, es wird jedes Jahr kontinuierlich immer mehr und mehr. Wir sehen auch den Trend dazu, dass durch die Energiespeichertechnik, also durch die Batterien, die immer besser werden, die Reichwieten, die man rein elektrisch fährt, immer größer werden.“

Und wie wichtig war dafür die Einführung der Kaufprämie für Elektro- und Hybridautos?

Jürgen Schenk: „Die Industrie kann natürlich einen Teil dazu tun. Wir können Produkte liefern, die die Kunden haben wollen, um elektrisch zu fahren, emissionsfrei zu fahren. Es gibt aber noch ein paar mehr Aufgaben: Wir brauchen eine Infrastruktur und Energieversorgung - die Energieversorgung aus Kohle ins Auto zu pumpen wäre auch nicht besser -, wir brauchen auch eine Energiewende, wir brauchen regenerativen Strom. Und aus diesem Mix "Was kann die Autoindustrie, was kann die Energieindustrie und was kann ein politisches System an Forderungen, an Regulierungen treffen", wird ein Ding draus. Wenn wir uns hundert Jahre zurückversetzen, da gab es auch noch nicht überall eine Tankstelle, da war es auch nicht so einfach, da musste man noch mit Reservekanistern laufen. Da wollen wir nicht wieder hin. Und wir sehen das jetzt als sehr angenehm, dass da jetzt eine Forderung kommt, die insbesondere in die Infrastruktur geht, denn dann wird der Kunde mühelos alle seine Strecken zurücklegen können, so muss es sein.“

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