Held oder Niete?

Gedanken zu der derzeit stattfindenden öffentlichen Demontage von Michael Schumacher

Held oder Niete?: Gedanken zu der derzeit stattfindenden  öffentlichen Demontage von Michael Schumacher
Erstellt am 20. April 2010

Armer Schumacher: Nach Platz 10 beim F1 Grand Prix in China wackelt das Denkmal des siebenfachen Formel 1 Champions. Erst spotteten nur die Italiener über ihren einstmals Ferrari fahrenden Liebling. Jetzt fallen die eigenen Landsleute über in her und erklären ihn zum Ex-Idol. Erbarmungslos ist die Hähme, deren Ziel nicht Kritik, sondern das Zerstören eine Legende ist. "Fahrschüler Schumacher" lästert die Westdeutsche Zeitung. "Schnecke Schumi" titelt Express. Überall macht das böse Wort von der "Shangahi Schmach für Schumi" die Runde. Ist das fair? Kritik ist okay - aber darf sie derart respektlos sein? Soll man im eigenen Land so mit einem der größten Motorsportler aller Zeiten umgehen?

Rückblick: Wer hat das Comeback des Rekordweltmeisters denn so hoch gejubelt? Vom "Schumiversium" sprach die BILD Zeitung noch vor wenigen Wochen und meinte damit die Formel 1. Hat denn wirklich jemand geglaubt, dass Michael Schumacher nach der Pause sofort an seine Hochzeiten werde anknüpfen können? Wer so denkt, überhöht Schumi zum Gott und degradiert die anderen F1-Fahrer zu Statisten. Button, Vettel, Hamilton und Mercedes GP Teamkollege Rosberg sind aber nicht nur Requisiten für die große Schumi-Show. Diese Jungs können fahren - und wie! Nebenbei gesagt: Dass im F1 Fahrerlager eine neue, hochtalentierte deutsche Garde "junge wilder Reiter" Einzug hielt, ist doch ein Grund sich zu freuen! Aber der Focus vieler ist halt völlig und total auf die Erfolge eines Michael Schumacher ausgerichtet.

Schumacher selbst hat vor dem Beginn der Saison, den Ball flach gehalten und überzogene Erwartungen an seine Rückkehr in den Rennzirkus zu dämpfen versucht. Alle wissen: Er kann mehr. Und er weiß es selbst am besten. Was der Mann jetzt braucht, ist Zeit. Was er nötig hat, ist Vertrauen. Dass die heimische Presse Schumis Comeback-Fehlstart zur Demütigung und Selbstdemontage hochstilisiert, ist an diebischer Schadenfreude über den tiefen Fall eines goldenen Reiters vor den Augen eines Millionenpublikums derzeit wohl kaum zu überbieten. So geht man nicht mit Menschen und schon gar nicht mit den erklärten Helden eines Landes um.

Es tut wohl zu hören, dass Schumacher im eigenen Hause Unterstützung findet. Mercedes Sportchef Norbert Haug lässt sich vom dem Gezeter der sensationslüsternden Journalie scheinbar nicht berühren und mahnt zur Gelassenheit. Er weiß: In dem druckfrischen Pamphlet von heute, liegt morgen der Fisch beim Markthändler. "Keine Angst, Michael Schumacher wird noch starke Rennen bei uns abliefern. Ich würde nicht zu früh den Stab brechen. Michael stellt sich dem Wettbewerb. Er hat das eigentlich nicht nötig. Wir werden noch begeisternde Rennen von Michael sehen!"



Meine Meinung: Schumacher ist ein ganz Großer seines Sports. Welchen Sinn und Zweck soll es haben es, ihn klein mit Helm zu machen. Ja, auch ein Held braucht einmal Hilfe - jetzt wäre es wohl an der Zeit, dass die Fans ihrem Idol Rückhalt spüren lassen, damit der Altmeister seine Rennen mit der ihm gebührenden Würde fahren kann.

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