Formel 1 Grand Prix von China in Shanghai Vorschau

Rückenwind für Nico, Lewis unter Druck!

Formel 1 Grand Prix von China in Shanghai Vorschau: Rückenwind für Nico, Lewis unter Druck!
Erstellt am 13. April 2016

Nach insgesamt fünf Siegen in Folge und einer in dieser Saison bislang makellosen Bilanz (2 Starts, zwei Siege) will Nico Rosberg am kommenden Wochenende in China unbedingt seine tolle Serie fortsetzen und den Vorsprung gegenüber Weltmeister Lewis Hamilton weiter ausbauen. Der ist bereits vor dem dritten Saisonlauf unter Druck.

Eine ungewohnte Situation für den amtierenden Weltmeister: Schon nach zwei Läufen hat er einen gehörigen Rückstand auf den Tabellenführer, ausgerechnet seinen Intimus Nico Rosberg. Nun kann er beweisen, dass er dem sich aufbauenden Druck stand halten kann. Nico Rosberg hingegen schwimmt auf seiner Erfolgswelle, wohl wissend, dass er diesen Lauf unbedingt nutzen muss, um Punkte zu sammeln. Denn eins ist gewiss: Lewis Hamilton wird zurück schlagen und Nico wird noch jeden Punkt dringend brauchen, um bis zum Schluss um den Titel kämpfen zu können.

Von den anderen Teams scheint aktuell keine ernste Gefahr zu drohen. Ferrari ist zwar nicht weit weg, aber im Ernstfall doch noch nicht auf Augenhöhe. Das gibt dem Mercedes-AMG Petronas F1 Team die Möglichkeit, in der Konstrukteurs-Wertung bereits davon zu ziehen. Der Doppelsieg in China im letzten Jahr zeigt, dass auch auf dieser Strecke der Mercedes-AMG W07 Hybrid bestens liegt. Wenn sich die beiden Fahrer nicht gegenseitig im Weg stehen. Es wäre nicht das erste Mal...

Stimmen der Piloten und Team-Verantwortlichen

Lewis Hamilton  Der Saisonstart verlief für mich nicht glatt. Deshalb ist es wirklich positiv, dass ich mich derzeit in dieser Position in der Weltmeisterschaft befinde. Wenn man nach zwei schlechten Rennen dennoch zwei Podestplätze vorzuweisen hat, spricht das für sich. Eines ist klar: Ich habe schon Schlimmeres überstanden! Ich werde oft gefragt, ob ich besorgt sei oder ob ein Abwärtstrend zu erkennen sei. Aber ich empfinde genau das Gegenteil. Es gibt keine echten Mängel in unserem Ablauf und unserer Arbeitsweise. Aus diesem Grund weiß ich, dass es wieder gut wird. Ich selbst befinde mich psychisch in der besten Verfassung, in der ich jemals gewesen bin. Wenn überhaupt, gibt nur sehr wenig, dass dies durchdringen kann. Es liegt noch ein sehr langer Weg vor uns. Deshalb werde ich weiter so hart wie bislang arbeiten. Jetzt geht es zum nächsten Duell nach China. Die Strecke lag mir in den vergangenen Jahren mit fünf Poles und vier Siegen. Hoffentlich wird dieses Rennen der Wendepunkt.

Nico Rosberg  Es ist super, so positiv in die Saison gestartet zu sein. Aber ich gehe sie Schritt für Schritt und Rennen für Rennen an. Mein Ziel sind viele weitere Siege. Es ist wichtig, solche Momente zu genießen. Es ist ein Privileg, im dritten Jahr in Folge das beste Auto im Feld fahren zu dürfen und ich möchte das Beste daraus machen. Ich reise mit dem Wissen nach China, dass ich um den Sieg kämpfen kann. Das ist ein großartiges Gefühl. In diesem Fall ist das besonders schön, da ich mit der Strecke in Shanghai gute Erinnerungen verbinde. In der Saison 2012 habe ich dort meine erste Pole und meinen ersten Sieg eingefahren. Ich gehe also mit viel Rückenwind in dieses Wochenende und freue mich auf den nächsten Kampf. Wir haben noch nicht die wahre Stärke von Ferrari gesehen. Uns könnte also eine sehr spannende Saison bevorstehen.

Toto Wolff, Mercedes-Benz Motorsportchef  Nach den ersten beiden Rennen befinden wir uns in einer starken Position. Unser Auto hat sich erneut bei einer Reihe verschiedener Bedingungen als konkurrenzfähig erwiesen. Gleichzeitig ist es in dieser frühen Phase aber auch zuverlässig, was eine enorme Leistung darstellt. Es liegt aber noch ein langer Weg vor uns und wir waren bislang keinesfalls in jedem Bereich makellos. In Bahrain haben wir gesehen, dass Ferrari uns weiterhin auf den Fersen ist. Demnach besteht kein Raum für Fehler. Es ist jetzt wichtiger denn je, frisch zu bleiben - und es gibt für uns alle diesbezüglich genügend Antrieb, um uns auf Trab zu halten. Nach gerade einmal zwei von 19 Rennen würde ich nicht sagen, dass die eine oder die andere Seite mehr Schwung aufgenommen hat. Eines ist jedoch klar und äußerst spannend für das Team und den Sport: Wir haben zwei selbstbewusste Fahrer, die uns in den kommenden Monaten gut unterhalten werden.

Paddy Lowe, Executive Director (Technical)  Die Strecke in Shanghai verlangt den Reifen ganz andere Aspekte ab als Melbourne und Bahrain. Uns stehen jedoch die gleichen drei Mischungen zur Verfügung wie dort. Entsprechend wird es interessant, zu sehen, wie sich die Hackordnung entwickeln wird. Aufgrund der neuen Regeln kommt der SuperSoft Reifen an diesem Wochenende zum ersten Mal auf dieser Strecke zum Einsatz. Das dürfte höchstwahrscheinlich zu einem noch extremeren Beispiel davon führen, was wir bereits in Bahrain gesehen haben. Dort war der beste Reifen für das Qualifying alles andere als ein großartiger Rennreifen. Jedes Team wird dazu gedrängt, sich auf dem SuperSoft qualifizieren zu wollen. Aber wenn dieser im Rennen Graining entwickelt, könnten wir schon innerhalb der ersten fünf Runden die ersten Stopps sehen. Somit gibt es am Freitag viel zu analysieren und wir könnten einige interessante Strategie-Entscheidungen für das Qualifying und das Rennen erleben. Erschwert wird all dies durch die unvorhersehbaren Bedingungen. In Shanghai kann es ziemlich warm sein, aber auch so kalt wie in Belgien. Diese Schwankungen können den Teams das Leben beim Setup und der Strategie erschweren. Das macht China stets zu einem fordernden Wochenende. Wir reisen dennoch gerne nach Shanghai. Es ist eine interessante Stadt und der Kurs gehört grundsätzlich eher zu unseren stärkeren - in den zurückliegenden vier Rennen haben wir dort vier Poles und drei Siege eingefahren. Jetzt freuen wir uns erneut auf einen weiteren guten Kampf zwischen unseren Fahrern und mit Ferrari.

Feature der Woche: Rennstarts

Nach den ersten beiden Rennen wurde viel über die Starts gesprochen. Was ist die größte Herausforderung für die Teams, um einen sauberen Start hinzulegen?  Seit der Einführung von stehenden Starts in der Formel 1 fielen diese sehr unterschiedlich aus. Die große Herausforderung für die Teams ist nicht nur, die besten Starts im Feld zu haben, sondern Schwankungen so gut wie möglich abzustellen.

Wie misst das Team einen Rennstart? Und wer war 2016 bislang am besten?  Bei Mercedes messen wir einen Start bezogen auf die zurückgelegte Distanz innerhalb der ersten vier Sekunden. Die meisten Teams verwenden eine ähnliche Messung. Unter diesem Gesichtspunkt hatten die Silberpfeile in der Saison 2015 im Durchschnitt die besten Starts im Feld. Das Problem dabei ist, dass aufgrund der Schwankungen trotz starker Durchschnittswerte einige schlechte Starts dabei waren, die zu Positionsverlusten führten. Bei den bisherigen beiden Rennen 2016 hatte Nico den sechstbesten Start im Feld in Melbourne - und den besten in Bahrain. Im Gegenzug dazu zählten vier der fünf Fahrer, die in Melbourne einen besseren Start hinlegten, in Bahrain zu den schlechtesten Startern. Die Ausnahme ist Vettel, der gar nicht erst am Start stand. Innerhalb von zwei Rennen könnte man also kein besseres Beispiel für diese Schwankungen finden. Der beste Starter war in Melbourne übrigens Pascal Wehrlein - ein Rookie bei seinem Grand Prix-Debüt, der für das zweitneueste Team in der Startaufstellung antritt!

Was ist die größte Herausforderung bei einem Rennstart im Cockpit?  Eine der wichtigsten Herausforderungen für den Fahrer tritt in der Mittelphase des Losfahrens auf, wenn sie das Drehmoment kontrollieren, bevor sie die leistungslimitierte Phase erreichen. Das Team kann ihnen mit der Kupplung helfen, welche die erste Phase des Losfahrens steuert. Aber sobald sie die Kupplung loslassen, sind die Fahrer auf sich allein gestellt. In dieser Mittelphase versucht der Fahrer, die Balance für den perfekten Reifenschlupf zu finden. Ein bisschen zu viel in die eine Richtung und die Räder drehen durch. Ein bisschen zu viel in die andere Richtung und es gerät ins Stottern. Bei all dem Lärm und dem Betrieb der anderen Autos um sie herum, ist es sehr knifflig, das richtig hinzubekommen.

Kürzlich wurden die Regeln für die Einstellung der Kupplung geändert. Wie groß ist der Einfluss dieser Regeländerung?  Die Schwankungen wurden während der Saison 2015 absichtlich erhöht und dies für 2016 weiter verstärkt. Die Einschränkungen haben dafür gesorgt, dass die Rennstarts mehr vom Fahrer gesteuert werden und somit so "manuell" wie möglich stattfinden müssen. Zur Erklärung: Das Team darf dem Fahrer via Funk keine Anweisungen geben. Der Fahrer muss die Kupplung mit nur einer Wippe manuell kontrollieren. Die Performance hängt mehr denn je von den Fähigkeiten des Fahrers ab - allerdings nicht gänzlich. Es liegt immer noch am Team, dem Fahrer leistungsstarkes und konstantes Equipment zur Verfügung zu stellen. Damit erhält die Aufgabe für alle Beteiligten eine zusätzliche Ebene, weswegen es nicht überraschen sollte, wenn wir in dieser Saison noch mehr Unterschiede innerhalb des Feldes erleben werden.

Haben die Regeln dadurch ihr Ziel erreicht?  Die Regeln sollen für unvorhersehbarere Rennen sorgen. Wenn es mehr Schwankungen bei den Rennstarts gibt, finden sich mehr Fahrer abseits ihrer Startpositionen wieder. Das sorgt für interessantere Rennen. Das ist in Melbourne und Bahrain passiert. Somit lässt sich durchaus zusammenfassen, dass die Regeln ein Erfolg sind. Wenn "vermischte Startaufstellungen" das Ziel sind, dann ist dieser Weg viel fairer. Denn das Ergebnis wird weiterhin auf Basis der Leistungen von Fahrer und Team erreicht. Eine umfassendere Aussage lässt sich nach einer halben Saison unter einem konstanten Reglement treffen.

Können die Teams etwas gegen die Schwankungen bei den Rennstarts unternehmen?  Egal, wie die Regeln aussehen mögen, die Unterschiede gehören zur Natur von Rennstarts. Trotz jahrzehntelanger Entwicklung, Forschung und Übung hat noch niemand diesen Bereich perfektioniert. Die Formel 1 hat in den vergangenen Jahren als Sport viele sehr schwierige und beeindruckende Lösungen gefunden. Wenn also die gesamte technische Kompetenz des Fahrerlagers dieses Rätsel noch nicht geknackt hat, dann muss es ziemlich schwierig sein!

Geht es also nur darum, das Unvermeidliche zu akzeptieren und sich auf andere Dinge zu konzentrieren?  Die Teams werden niemals aufgeben, wenn sie sich einer technischen Herausforderung gegenüber sehen. Jeder ist stets auf der Suche nach Verbesserungen. Die Lehren aus den ersten beiden Saisonrennen unter dem neuen Reglement haben diesen Prozess bereits in Gang gesetzt. Es scheint sich jedoch keine Wunderlösung am Horizont abzuzeichnen, welche die Variabilität einfach auslöscht. Die wahre Frage ist eher jene, ob sie unbedingt etwas Schlechtes darstellt. Angesichts der guten Unterhaltung auf den Startrunden in Melbourne und Bahrain könnte man meinen, dass sie für ein besseres Spektakel gesorgt hat...

Das ist neu in China: "Enjoy the Future Now" mit Qualcomm

Während des Rennwochenendes zum Großen Preis von China 2016 werden die Frontflügel-Endplatten an beiden Mercedes-Benz F1 W07 Hybrid Formel 1-Autos mit einem besonderen Branding versehen sein, das die gemeinsame Leidenschaft für Innovation von China und dem offiziellen Team-Partner Qualcomm betont.    Die chinesischen Schriftzeichen lassen sich mit den Worten "Enjoy the Future Now" - "Genieße die Zukunft schon jetzt" übersetzen. Sie bezeugen die Bestrebungen von China und Qualcomm, die Zukunft als wesentliche Beschleuniger des Fortschritts schneller zu erreichen und die nächsten Schritte für die gesamte Mobiltechnikindustrie freizuschalten. 

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Login via Facebook

Community