Schwelgerei für einen schwäbischen Star: Mercedes 280 SE Coupé

Eine kleine Hymne für die "Große Heckflosse" von Mercedes

Schwelgerei für einen schwäbischen Star:  Mercedes 280 SE Coupé  : Eine kleine Hymne  für die "Große Heckflosse" von Mercedes
Erstellt am 21. Juni 2011

Wenn ein Industrie-Designer, der sonst eher zukunftsvisionär am Thema arbeitet, auf Autos steht, schliesst das nicht automatisch aus, dass es ein echter Klassiker aus dem sterngezierten Sortiment ist. Die Modellreihe W111 bietet dabei nämlich genug „Stoff“, um beinahe Generationen zu umspannen. Kaum eine Baureihe wurde so lange (fast unverändert) aus den Hallen geschoben wie die „Große Heckflosse“. Von 1959 bis 1971 rollten diese Oberklassen aus dem Schwäbischen in aller Herren Länder, um den Ruhm der Astral-Marke nachhaltig zu mehren.

Mercedes-Benz 280 SE Coupé: Von 1967-1971 wurden nur rund 3800 Exemplare gebaut

Die hiesige schmucke Zweifarben-Sänfte aus dem Jahr 1970 vom Typ 280 SE Coupé fand in nach heutigen Massstäben eher homöopathischen Stückzahlen zwischen 1967 und 1971 nur ca. 3800 neue Besitzer. Das mit 160 PS bestückte Reihen-Sixpack-Aggregat drückt auch heute noch aus 2,8 Litern Hubraum die strammen 1615 Kilogramm souverän vorwärts. Leichtes Dreimastbark-Schlingern in schnellen Kurven natürlich inklusive.

Die Maschinisten mögen sich vielleicht gerne in technischen Details verlieren und die Ökologen unter den Okönomen streiten sich über zeitgemäße Anwendung eines solchen Kraftfahrtzeugs, um einen Aspekt kommt man bei diesem Coupé aber einfach nicht herum. Das „Ding“ ist einfach zum Niederknien schön. Mit Sechszylinder-Sound als Sahnehäubchen ist diese fast 5 Meter lange Augenverwöhnung an sich schon Anlass genug, sie nicht nur als schmückendes Beiwerk für sommerliche Bebilderungen zu betrachten. Sie hat genug Klasse und Charme sich selbst in Szene zu setzen.

An dem W111 kommt kein Blick vorbei

Jeder Mercedes-Aficionado wird den Jubiläums-Spot zum 125-jährigen Bestehen der Sternenschmiede vor Augen haben. Denn welches Modell drängt sich als erstes in das Foto-Set?

Man möge mich als DB-Newcomer und W201-Kutscher korrigieren, aber eben genau ein 111´er zwängt sich da ganz dreist wild hupend vor die Kamera.So einer Diva muss man dann doch ihren Auftritt gönnen. Im eleganten Silberkleidchen unter petrolfarbenem B-Säulen-freien Baldachin bietet die schlanke Silhouette alles, was ein „sanfter Gleiter“ bieten kann. Herumgezogene Front- und Heckscheibe lassen in einem schon mal royale Flanier-Anwandlungen aufkeimen, die ihren Ausdruck in Form von erhabenem Einarmschwenken des freien linken Armes aus der glasbefreiten Seitenpartie finden.

Die "Große Heckflosse" vom Mercedes macht groß Eindruck

So öffnet auch schon mal ein Hafenmeister einer kleinen Marina bücklingsgleich die Einfahrtstore, nur weil man bei dumpfem Gluggern in Leerlaufdrehzahl die breitschultrige Flachkühler-Lady mit dem Wendekreis eines Brückenlege-Panzers auf dem Fleck zu wenden versucht. Das SE am doppelt bebürzelten Heck und die singende Klimaanlage machen eben Eindruck.

Als modisches Accessoire „missbraucht“ musste das „Schiff“ in dem Falle mal einer Lady jüngeren Baujahres etwas den Vortritt gewähren. Aber nur, um gleich darauf in seinem Metier - dem „Landstrassen-Gleiten“ - die vergitterte Luxusnase gelassen in den Fahrwind zu recken, um den in 40 Jahren gesammelten 160.000 km noch ein paar weitere hinzu zu fügen. Natürlich nicht ohne einen angemessenen Durst auf ein paar Liter zuviel. Aber wer will´s der alten Dame vergönnen. Queen Mum ist auch mit ihrem täglichen Gläschen Gin einem biblischen Alter nahe gekommen

Ein herrlicher Foto-Tag geht dann auch schnell bei sich senkender Sonne prachtvoll zu Ende, wenn man das frischpolierte Schätzchen in eine Umgebung stellt, die die optischen Vorzüge der metallenen Figur gerade zu betont. Und sei es nur, um der Karosse gediegen und angemessen „Good bye“ zu sagen, weil sie danach auf den Hänger des Folgebesitzers geschoben wird.

Kurios bei dem Modell. In einem James-Bond-Film schrotten die Verfolger-Schurken ihren „Merzer“ (einen 220 S) ziemlich umfassend und detailverliebt. Bezeichnenderweise kam der betreffende Bond-Mime nur ein einziges Mal zum Einsatz. Das nenne ich dann mal ausgleichende Gerechtigkeit. In diesem Sinne. Immer schön lieb sein zu dem 111´er!





Text & Fotos: Michael Papendieck

11 Bilder Fotostrecke | Schwelgerei für einen großen schwäbischen Star: Mercedes 280 SE Coupé : Eine kleine Hymne für die "Große Heckflosse" von Mercedes #01 #02

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1 Kommentar

  • Mercedes-Fans.de

    Mercedes-Fans.de

    Hallo Alexander, wir können dir aus vollem Herzen nur zustimmen. Aber auch heute werden Autos zum Glück noch von Menschen designt und nicht von Computern.

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