Doppelter 60-jährigster Geburtstag

1956 Mercedes-Benz 220 S Cabrio (W180 II)

Doppelter 60-jährigster Geburtstag: 1956 Mercedes-Benz 220 S Cabrio (W180 II)
Erstellt am 11. August 2016

Sechzig Jahre, dieses Jubiläum feiert der Mercedes-Benz 220S Cabrio in diesem Jahr. Seit 1956 wurde der offene Viersitzer gebaut, und aus diesem Jahr stammt auch das Ponton Cabriolet von Dieter Hacke. Abgeleitet ist das Cabrio von der Ponton Limousine 220S (W 180 II), die, wie alle Ponton, eine Rahmenbodenanlage, einen Fahrschemel für Motor- und Vorderradaufhängung sowie vordere Einzelradaufhängung mit Doppel- Querlenkern und Schraubenfedern aufweist. Der Motor ist allerdings im Gegensatz zu den Vorgängern vierfach auf dem Schemel gelagert.  Die Bremsen haben stark verrippte Trommeln mit Lufteinlässen an den Radkappen. Wie die 220S Limousine verfügt auch das Cabrio hinten über die aus dem Rennwagenbau (W 196) stammende Eingelenk-Pendelachse mit tief liegendem Drehpunkt.

Ab Juli 1956 ergänzte Mercedes-Benz die Ponton-Baureihe um das Sechszylinder-Cabrio, das für die Marke mit dem Stern hinsichtlich seiner Karosserie völliges Neuland bedeutete. Erstmalig bei einem Viersitzer wurde eine selbsttragende Karosserie mit einem offenen Aufbau ohne Dachstreben kombiniert. Das erforderte eine besonders starke und verwindungssteife Bodengruppe. So lag das Gewicht trotz des gegenüber dem Basismodell verkürzten Radstandes und seiner nur zwei Türen bei für die damalige Zeit stattlichen 1450 kg. Da traf es sich gut, dass die 220er Limousine im März 1956 maschinell aufgerüstet worden war. In dem nun als 220S angebotenen Fahrzeug kam der Motor M180 III zum Einsatz, der dank seiner zwei Registervergaser 100 PS leistete.

Das erschien wohl dem Erstbesitzer unseres Doppeljubilanten selbst für eine gebirgige Umgebung eine  adäquate Motorisierung zu sein, als einer aus dem ersten Baujahr wurde der Ponton in die Schweiz ausgeliefert. Seine damalige Farbe war weiß. Die luxuriöse Ausstattung, geprägt durch seine Wurzelholz – Innenverkleidung, die roten Lederpolster und die gleichfarbige Auslegeware in Kombination mit seinem Chromschmuck innen und außen waren sicherlich Ausstrahlung genug zum Promenieren rund um die Züricher Bahnhofstraße oder den Genfer See. Auf die eidgenössische Phase unseres doppelten Sechsundfünzigers folgte der Verkauf in die USA. Dort fand er in Massachusetts seine zweite Heimat und bekam seine neue Farbe. 1992 ging es zurück nach Deutschland.

Dieter Hacke entdeckte ihn seinerzeit in einer Oldtimer-Markt Anzeige. Angeboten wurde das Fahrzeug mit einer Laufleistung von nur 36.000 km. Der Zustand erschien Dieter, gelernter Kfz-Meister, nach Fotos und angesichts der Tatsache, dass das Auto nicht aus Kaliforniern, sondern aus dem klimatisch etwas raueren Norden stammte, dieser Angabe entsprechend. Dieter war beim Kauf kein Ersttäter. Er erinnert sich, wie er 1954 als Neunjähriger mit seinen Eltern Gast auf einer Hochzeit  bei Verwandten war. Dort hatte ein Onkel einen 170 V in der Garage stehen. Dieter ließ nicht locker, den Onkel zu bitten, sich einmal hinter das Lenkrad setzen zu dürfen. Das hat wohl etwas länger gedauert und Dieter erzählt  “ab da war Mercedes mein Traum“. Sein Berufsweg verlief zwar nicht geradewegs zum Stern, sondern als Selbständiger und Inhaber eines Autohauses zu französischen Marken.

Der Stern ließ ihn aber weiterhin nicht los. So fuhr er seit 1969 einen 170 Va Diesel und begann im gleichen Jahr, eine 220 (W 187) Limousine total zu restaurieren. Das dauerte drei Jahre. Auch heute noch bewegt er dieses Schmuckstück in Schwarz dann und wann neben einer Pagode.
Die Krone seiner  Liebe zum Stern ist jedoch sein blauer 220 S. Nachdem er das Auto über Bremerhafen importiert hatte, musste Dieter, um auch wirklich einen Traum entstehen zu lassen, kräftig Hand anlegen. Trotz seines Alters und seiner bisherigen nicht ganz unproblematischen Umgebung hatte der Wagen keine Durchrostungen, auch die Mechanik funktionierte. Der heutige Traumzustand lag jedoch noch in ziemlicher Ferne.

Dieter zerlegte die Karosserie total, erneuert wurden die Verchromung, das Wurzelholz, das Verdeck, die Polsterung einschließlich Innenauslegung und selbstverständlich die Lackierung. Ersetzt wurden der Kühler sowie die Heizungskanäle, und die Kardanwelle wurde neu gelagert. Diese Arbeiten zogen sich über drei Jahre hin, und seit 1995 ist unser Jubilar wieder zugelassen. “Mein schönstes Erlebnis nach der Restaurierung“, so Dieter, "hatte ich bei einer Oldtimerveranstaltung, auf der es über zwei Tage fast nur regnete, wobei mein Auto innen total trocken blieb“. Wenn das keine Erfolge sind…

Inzwischen liegt der Tachostand des 220S bei 61.000 km. Die Zahl scheint als Originalfahrleistung zu stimmen. So wurden bei der Restaurierung  Motor, Kupplung und Getriebe im Originalzustand belassen und arbeiten einwandfrei, was für die Angabe spricht. Auf größeren Oldtimertouren ist das 220S Cabrio für Dieter und seine Frau Brigitte liebster Begleiter.  Dabei kann eine solche Fahrt, natürlich über mehrere Tage, auch schon einmal an die 2000 km auf Achse gehen.  “Allein die bequeme Art zu reisen lässt einen gar nicht daran denken, einen Oldtimer zu fahren, eben ein Mercedes und dann noch ein Sechszylinder“  schwärmt Dieter.  

Text & Fotos: Friedrich W. Thüner

 

Mercedes-Fans Technische Daten

1956 Mercedes-Benz 220 S Cabrio (W180 II)

Motor:  M 180 III Sechszylinder, 2195 ccm, 100 PS bei 4800 U/min
Getriebe: Viergang-Schaltgetriebe
Bremsen: Hydraulische Trommelbremsen vorn und hinten
Räder: Stahlblech 4 1/2 K 13
Reifen: 185/80R 13  
Fahrwerk: Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenkern, Schraubenfedern und Teleskopdämpfern vorn; Eingelenk-Pendelachse mit tief liegendem Drehpunkt, Schraubenfedern und Teleskopdämpfern hinten
Karosserie: Selbsttragende Stahlblechkarosserie auf Rahmen-Bodenkonstruktion mit separatem Fahrschemel
Innenraum: Leder rot, Lenkrad weiß 44 Bilder Fotostrecke | 60 Jährigster Geburtstag: 1956 Mercedes-Benz 220 S Cabrio (W180 II) #01 #02

 

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