1921 präsentiert Maybach mit dem W3 den ersten Serienwagen

100 Jahre Maybach - Das Allerbeste oder nichts

1921 präsentiert Maybach mit dem W3 den ersten Serienwagen: 100 Jahre Maybach - Das Allerbeste oder nichts
Erstellt am 4. Februar 2021

„Ein Maybach ist immer das beste Auto der Welt“, sagte einst Ron Bussink, Initator und Betreiber des Maybach-Hauses. Der Niederländer bewahrt im beschaulichen Appenzell ein Teil des Erbes dieser exklusiven Marke. Für Ron ist es weniger ein Museum, sondern mehr ein magischer Ort, an dem „Denkmalschutz“ betrieben wird. Ein lebendiger Ort für all diejenigen, die der legendären Marke ihre Liebe entgegenbringen. Vor 100 Jahren begann die Ära der Maybach-Automobile: Im September 1921 stellte das Vorgängerunternehmen der heutigen Tognum-Tochtergesellschaft MTU Friedrichshafen GmbH, die Maybach-Motorenbau GmbH, ihren ersten Personenwagen der Öffentlichkeit vor. Wir blicken zurück auf gute und auf schlechte Zeiten.  

Ursprünglich wurde die Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH 1909 von Wilhelm Maybach und Ferdinand Graf von Zeppelin gegründet. 1918 wurde die, mittlerweile in Friedrichshafen am Bodensee ansässige Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH, in Maybach-Motorenbau GmbH umbenannt. 1966 - sechs Jahre nach der Übernahme durch Daimler-Benz - folgte die nächste Umbenennnung in Maybach Mercedes-Benz Motorenbau GmbH, nur drei Jahre später trug sie den Namen Motoren- und Turbinen-Union Friedrichshafen GmbH.

Die Herrenfahrer-Limousine Typ 22/70 PS W 3 auf dem Stand der Maybach-Motorenbau GmbH in Berlin, September 1921.

Vor 100 Jahren erblickte der erster Serienwagen von Maybach das Licht der Welt: Vom 23. September bis 2. Oktober 1921 stellte die Maybach-Motorenbau GmbH ihr erstes Fahrzeug, den Typ 22/70 PS (intern W 3), auf der Berliner Automobilausstellung aus. Er leistete mithilfe seines Sechszylinder-Reihenmotors und dem angedockten Planetengetriebe knackige 70 PS. Die erste Zahl bezeichnete die früheren „Steuer-PS“, eine vom Fiskus seit 1909 aus Leistung und Hubraum errechnete Kennzahl; die zweite die Motorenleistung.

Im Jahr 2002 wurde die Nobelmarke von der damaligen DaimlerChrysler AG reanimiert. Zehn Jahre lang wurden hochexklusive Maybach-Wagen in Handarbeit gefertigt - unter anderem der Maybach 57 und der Maybach 62. Im Jahr 2012 wurden die missglückten Belebungsversuche wieder eingestellt. Inzwischen fungiert die Bezeichnung „Mercedes-Maybach“ als Ausstattungslinie, beispielsweise für die S-Klasse oder den GLS.

Der Maybach W3 ist 1921 gespickt mit technischen Highlights

Nun aber nochmal von Anfang an. Wir springen zurück in das Jahr 1921: Der W 3 wartete vor 100 Jahren mit technischen Highlights auf, die von den Medien mit Begeisterung aufgenommen wurden. Der Wagen war als erstes deutsches Automobil mit einer Vierradbremse ausgerüstet. Eine weitere Innovation und eine deutliche Fahrerleichterung stellte das Maybach-Zweigang-Planetengetriebe dar, denn es erforderte kein Zwischengas mehr. Gestartet wurde mit einem elektrischen Anlasser.

6-Zylinder-Reihenmotor mit der Typenbezeichnung W 2

Der Sechszylinder-Reihenmotor mit der Typenbezeichnung W 2 vereinte Bewährtes mit Neuem. Von den Maybach-Flugmotoren wurde das Prinzip der Überbemessung übernommen. Das daraus resultierende hohe Drehmoment im Teillastbereich verbesserte zum Einen das Fahrverhalten eines Pkw, zum Anderen war der Motor dadurch auch für Nutzfahrzeuge und Boote geeignet. Die 70 PS (51,5 kW) bei 2.200 U/min, die der Reihen-Sechszylinder-Motor bot, waren für die damalige Zeit eine herausragende Leistung.

Der Lieferumfang von Maybach umfasste das komplette Chassis, also Fahrgestell, Motor, Getriebe und Antriebsstrang. Die Herstellung der Karosserie samt Innenausbau überließ das Unternehmen während der gesamten Produktionszeit bis 1941 den damals zahlreichen deutschen Spezialfirmen für Karosseriebau.

12-Zylinder Spitzenmodell: Maybach Zeppelin DS 8

Neben dem Automobilbau widmete sich das Unternehmen hauptsächlich einem umfangreichen Motorenprogramm für zahlreiche Anwendungen. Benzin- und Dieselmotoren fanden ihren Einsatz in Booten, Nutzfahrzeugen und Omnibussen und in den legendären Zeppelin-Luftschiffen. 1924 stellte Maybach den ersten Dieselmotor für Bahntriebwagen vor und trug damit wesentlich zur Verdieselung des Schienenverkehrs bei.

Bis 1941, dem Ende der Automobilproduktion in Friedrichshafen, gingen rund 1.800 Sechs- und Zwölfzylinder-Fahrzeuge an die zahlungskräftige Kundschaft. Karl Maybach betonte immer, es sei sein Ziel, das technisch beste Automobil herzustellen und höchste Kundenansprüche zu erfüllen. Vor allem das Spitzenmodell Maybach Zeppelin DS 8, das ab 1931 angeboten wurde, zeichnete sich durch einen leistungsstarken Motor mit einer Leistung von 200 PS (147 kW) und ein hochentwickeltes Doppelschnellganggetriebe aus.

Die DaimlerChrysler AG reaktiviert die Marke Maybach

Nach dem Krieg konzentrierte sich die MTU Friedrichshafen GmbH in erster Linie auf den Bau von Dieselmotoren, ehe im Jahr 2002 der nächste große Meilenstein in der Geschichte von Maybach anstand. Die damalige DaimlerChrysler AG unter Leitung von Jürgen Schrempp reanimierte die Marke Maybach für den Bau von luxuriösen Fahrzeugen. Am 24. Juni 2002 verließ das erste Exemplar des damals neuen Maybach (Baureihe 240) das Werk in Sindelfingen. Maybach bot ihren Kunden zwei höchst exquisite Limousinen zur Auswahl: Das Spitzenmodell Maybach 62 (Länge 6,17 Meter) und den Maybach 57 (Länge 5,73 Meter). Ausgestattet mit der Automobiltechnologie des 21. Jahrhunderts und dem technischen Vorsprung der Schwestermarke Mercedes-Benz, galten die neuen Maybach-Modelle als die innovativsten Luxuswagen der Welt. Die Maybach‑Limousinen wurden in Sindelfingen produziert, wo im Durchschnitt fünf Modelle pro Tag aus dem Werk rollten.

Auf gute Zeiten folgen leider schlechte Zeiten

Doch der scheinbar perfekte Plan platzte und die Maybach-Modelle standen sich die Reifen platt. 1.000 bis 1.500 Fahrzeuge oder deutlich mehr sollten es pro Jahr mindestens werden, die in Nobelgegenden wie Shanghai, Los Angeles, Dubai oder München verkauft werden sollten. Doch nachdem das Luxus-Duo aus Maybach 57 und 62 Anfang des dritten Jahrtausends eine glorreiche Premiere feierte, geschah nicht mehr viel. Die Nachfrage war bedeutungslos und so gab es jahrelang keinen Nachfolger; sogar fest eingeplante Modellpflegen blieben aus. Das Problem: Die elitäre Kundschaft verstand den historischen Bezug der Marke Maybach zu seinem Namensgeber Wilhelm Maybach nicht und andere Luxusmodelle von Rolls-Royce oder Bentley machten schlicht mehr her. Technisch war der Maybach nicht so modern wie erhofft. So basierten die Maybach-Modelle auf der S-Klasse (W 220) der Jahrtausendwende. Viele technische Module gingen sogar auf das Vorgängermodell der Baureihe W 140 zurück. Ein weiterer Kritikpunkt: Der Maybach wurde ohne die Option auf eine B6-Panzerung angeboten. Gerade von Staatsmännern, Königen und Kaisern wurde diese fehlende Möglichkeit im Konfigurator entscheidend vermisst.

Maybach wird zur Ausstattungslinie für S-Klasse und GLS

Um den Bezug zur Tradition wiederherzustellen, versuchte man es 2010 mit einer limitierten „Zeppelin"-Edition. Äußerlich erkennbar war das neue Flaggschiff der Luxusmarke an einer zweifarbigen, Sonderlackierung. Der Schriftzug „Zeppelin" im Bogen unter dem Doppel‑M der markanten Kühlerfigur sowie auf dem Heckdeckel wies deutlich auf die Sonderstellung des Maybach Zeppelin hin. Der Maybach Zeppelin war weltweit auf 100 Exemplare limitiert.

Inzwischen ist der Maybach kein eigenes Modell mehr, sondern die edelste Ausstattungslinie für die S-Klasse oder den GLS. Dennoch verbinden einige Mercedes-Fans mit dem Namen Maybach noch immer das Non-Plus-Ultra im Automobilbau. Ein Maybach wird immer etwas Besonderes sein. „Ein Maybach-Kunde ist bis heute ein besonderer Kunde für Daimler“, so Ron Bussink. Für ihn ist und und bleibt ein Maybach einfach das allerbeste Auto der Welt! 

1909 Gründung der „Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH“ in Bissingen an der Enz als älteste Vorläufergesellschaft der heutigen MTU Friedrichshafen

1912 Umzug der Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH nach Friedrichshafen

1918 Umbenennung in „Maybach-Motorenbau GmbH“

1919 Beginn der Herstellung von schnellaufenden Dieselmotoren

1921 Beginn der Herstellung von Automobilen. Bis 1941 Bau von rund 1800 Luxus-Fahrzeugen

1936 Zunehmende Umstellung auf Kriegsproduktion; bis Kriegsende Herstellung von rund 140.000 Motoren für Kettenfahrzeuge

1944/45 Zerstörung des Maybach-Motorenbaus und der Stadt Friedrichshafen durch Bombenangriffe

1948 Wiederaufnahme der Produktion

1961 Beginn der Herstellung von Mercedes-Benz Dieselmotoren beim Maybach-Motorenbau

1963 Gründung der „Mercedes-Benz Motorenbau GmbH“ in Friedrichshafen-Manzell

1966 Zusammenschluss der Maybach-Motorenbau GmbH mit der Mercedes-Benz Motorenbau GmbH zur Maybach Mercedes-Benz Motorenbau GmbH

1969 Abschluss eines Vertrages zwischen der Daimler-Benz AG und der MAN AG zur Zusammenlegung der Interessen beider Unternehmen auf dem Gebiet schnellaufender Dieselmotoren und Luftfahrtantriebe

Umbenennung der Maybach Mercedes-Benz Motorenbau GmbH in „Motoren- und Turbinen-Union Friedrichshafen GmbH“

Umbenennung der MAN Turbo GmbH in „Motoren- und Turbinen-Union München GmbH“

1978 Umbenennung der Firmen in „mtu Motoren- und Turbinen-Union Friedrichshafen GmbH“ und „mtu Motoren- und Turbinen-Union München GmbH“

2001 Übernahme der Detroit Diesel Corporation durch die DaimlerChrysler AG

Umbenennung der mtu Motoren- und Turbinen-Union Friedrichshafen GmbH in „MTU Friedrichshafen GmbH“

2002 Zusammenlegung sämtlicher Off-Highway-Aktivitäten des DaimlerChrysler-Konzerns im Geschäftsbereich DaimlerChrysler Off-Highway unter unternehmerischer Führung der MTU Friedrichshafen. 7000 Mitarbeiter, Umsatz: 1,7 Mrd. Euro (2003)

Der Weggefährte von Gottlieb Daimler wird am 9. Februar 1846 geboren Wilhelm Maybach: Der „König der Konstrukteure“ feiert seinen 175. Geburtstag Am 9. Februar 1846 wird vor 175 Jahren Wilhelm Maybach in Heilbronn geboren

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Quelle: MTU Friedrichshafen

1 Kommentar

  • Pano

    Pano

    Sehr guter Artikel mit schönen Bildern. Vielen Dank dafür. Ins Maybach-Haus von Herrn Bussink erhalt man meines Wissens nur Einlass wenn man eine enstprechende EInladung hat. Aber es gibt ja alternativ das Museum in der Oberpfalz (https://www.automuseum-maybach.de/10638-Impressum.html). Und das Zeppelin Museum in Fiedrichshafen ist ebenfalls einen Besuch wert (https://www.zeppelin-museum.de/). Natürlich wenn die Umstände es wieder erlauben. Grüße Pano

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