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CLASSICS

Kompakt und Klasse. Teil 4: So hätte der 190er auch aussehen können...!

Aufbruch in die Moderne - die Geburt der dritten Baureihe!
Bild: 'mercedes 190 w 201.jpg'

Der Weg zur Baureihe W 201, die 1982 zunächst mit den Typen 190 und 190 E erscheint, ist mühsam. Der damalige Aufsichtsratvorsitzende Wilfried Guth bemerkt 1977, als im Oktober die Grundsatzentscheidung für eine dritte Baureihe fällt: „Die Geburt der Idee, dass man auch kleinere Autos bauen kann und dass Daimler damit in das andere Marktsegment gehen kann, die war sehr, sehr mühselig, sehr langsam.“ Doch mittlerweile hatten die Techniker und Designer schon längst harte Fakten geschaffen...

Der amerikanische Markt fordert ein kleineres Modell

Bild: '003 Mercedes Benz  Oldtimer Klassik Klassiker Geschichte Historie.jpg'

Ohne Anstöße aus den USA wären vermutlich auch diese Aktivitäten nicht umzusetzen gewesen. Von dort kommen Wünsche nach einem Mercedes-Benz als Zweitwagen. Zudem geben die Umweltbestimmungen des „Clean Air Act“ klare Vorgaben für den Flottenverbrauch (Corporate Average Fuel Economy, CAFE) und damit die Treibstoffökonomie der in den USA verkauften Modellpalette. So ist beispielsweise für das Jahr 1985 ein Durchschnittsverbrauch von 27,5 Meilen pro Gallone (umgerechnet 8,6 Liter auf 100 Kilometer) vorgeschrieben. Dieser Wert ist mit der damaligen Modellpalette nicht zu erfüllen.

Die Baureihe W 201 nimmt Formen an

Bild: '006 Mercedes Benz  Oldtimer Klassik Klassiker Geschichte Historie.jpg'

Gekürztes Fahrzeug der Mercedes-Benz Baureihe W 114/115, das 1974 mit Hinblick auf die spätere Baureihe W 201 entstand, in dessen Maßen, um die Größe des neuen kleineren Mercedes-Benz darzustellen.

Das unter der Leitung von Hans Scherenberg im Februar 1974 vorgelegte erste Lastenheft für die Baureihe W 201 legt bereits eindeutig die Schwerpunkte und die Maße für den zukünftigen kleineren Mercedes-Benz fest. Die Abmessungen sind so klar definiert, dass das Serienfahrzeug, das erst fast neun Jahre später auf den Markt kommt, kaum von diesen Vorgaben abweicht. Und noch etwas schreibt das Lastenheft damals schon fest: „Der 201 soll sich aufgrund der unter dem Markensymbol vom Kunden erwarteten Eigenschaften bezüglich Qualität, Sicherheit und Fahrkultur bewusst von anderen Fahrzeugen der Mittelklasse absetzen.“

Werner Breitschwerdt, damals noch unter Scherenberg Karosseriechef in Sindelfingen, fackelt nicht lange und lässt 1974 ein Fahrzeug der Baureihe W 115 in der Länge und Breite aufschneiden und auf die reduzierten Maße der projektierten Baureihe W 201 zusammensetzen. So kann er sich einen ersten unmittelbaren Eindruck von den Raumverhältnissen machen.

Ein neues Design für eine neue Ära

Bild: '010 Mercedes Benz  Oldtimer Klassik Klassiker Geschichte Historie.jpg'

Die Baureihe W 201 ist das deutliche Signal des Aufbruchs in eine neue Epoche: Die Marke wird jünger. Der neue kleinere Mercedes-Benz liefert den Beweis, er setzt nicht nur bei Technik, Komfort und Sicherheit Zeichen, sondern läutet auch mit seinem Design eine neue Ära ein. Werner Breitschwerdt und Bruno Sacco entstammen einer neuen Generation von Führungskräften, die auch ihr Verständnis von einem modernen Mercedes-Benz mit der Baureihe W 201 in die Tat umsetzen. Sie können unverhohlen als Väter der dritten Baureihe bezeichnet werden.

Erste Entwürfe

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Die ersten Entwürfe aus dem Jahr 1974 kommen noch wie kleine S-Klassen der Baureihe W 116 daher. Diese sogenannten „Mercedesle“, wie sie der Designer Andreas Langenbeck einmal treffend genannt hat, entsprechen nicht Saccos Vorstellung, weil sie keine formale Eigenständigkeit erkennen lassen. Er zieht die Reißleine und verordnet seinen Mitarbeitern eine Auszeit vom Projekt, um ihnen einen neuen klaren Blick zu geben. Claus Hieke, später für das AMG-Design verantwortlich, sieht es immer noch als das große Verdienst Saccos an, erkannt zu haben, dass es wenig zielführend ist, Autos einfach maßstäblich zu verkleinern.

Bild: '011 Mercedes Benz  Oldtimer Klassik Klassiker Geschichte Historie.jpg'

Um kreativen Abstand zu gewinnen, lassen Breitschwerdt und Sacco die Mitarbeiter andere Projekte bearbeiten, um erst mit einem gewissen zeitlichen Abstand einen neuen Anlauf zu nehmen. Das Rennen macht 1978 ein Entwurf Peter Pfeiffers, damals noch als Coupé ausgeführt, der aber bereits alle wesentlichen Elemente der späteren W 201-Karosserie enthält, beispielsweise der unscheinbare Knick, der vom Dach durch die Heckscheibe in der Kante des Kofferraumdeckels ausläuft. Aber auch erst viel später aufgenommene Details wie die Türgriffe, 1981 beim SEC-Coupé der Baureihe C 126 in Serie gegangen, die farblich abgesetzten seitlichen Kunststoffteile, 1988 bei der Modellpflege in das Programm aufgenommen, oder der Plakettengrill, 1991 bei der S-Klasse der Baureihe W 140 verwirklicht, zeichnen diesen Entwurf aus. In der Vorstandssitzung vom 6. März 1979 in Sindelfingen erteilt der Vorstand die endgültige Formfreigabe. Die Karosserie überzeugt durch ihre formale Geschlossenheit und wird zum Markenzeichen einer neuen Designära bei Mercedes-Benz. Der in den USA liebevoll „Baby-Benz“ genannte neue kleinere Mercedes-Benz ist auch viele Jahre später immer noch ein frisch wirkendes Automobil.

Technisch top

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So zukunftsweisend das Design der Baureihe W 201 für Mercedes-Benz damals ist, so überzeugend sind auch ihr Handling, der Federungskomfort und natürlich auch die passive Sicherheit, die keinesfalls den größeren Modellen nachstehen. Eine Premiere ist die Einführung der Raumlenkerhinterachse, die hohe Fahrsicherheit mit Fahrkomfort auf eine bis dahin nicht gekannte Stufe stellt und bis heute im Prinzip immer noch gebaut wird, wenn auch den späteren Modellen angepasst. Die Verbindung von agilem Fahrverhalten, bei Personenwagen von Mercedes-Benz bis dahin unbekannt, und Fahrkomfort bei einem derart kompakten Fahrzeug ist neu und wird international anerkannt.
Die Baureihe W 201 wird bis 1993 gebaut. Aus ihr hat sich mit der Baureihe 202 die C-Klasse entwickelt, die es seitdem und in mehreren Nachfolgebaureihen in zahlreichen Karosserie- und Motorvarianten gibt.

NAFA – das „Nahverkehrsfahrzeug“

Bild: '018 Mercedes Benz  Oldtimer Klassik Klassiker Geschichte Historie.jpg'

Volle Straßen, Parkplatznot und lange Staus werfen neue Fragen in der Fahrzeugforschung auf. Mercedes-Benz beantwortet sie 1981 mit der Konzeptstudie „Nahverkehrsfahrzeug“, kurz NAFA genannt. Mit einer Länge von 2,50 Metern und einer Höhe und Breite von jeweils 1,50 Metern widerspricht der innovative Zweisitzer allem, was man bisher aus dem Unternehmen kennt.

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Kommentare: 1
Aktualisiert: Donnerstag, 29. Juli 2010

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mb4life » Max aus Sandhausen (19)

Mi, 28.07.2010 // 13:32 Uhr

Danke für diesen außergewöhnlichen Bericht, mit einem Blick hinter die Kulissen der damaligen Entwicklungsabteilung. Ich halte das Design des 190er für absolut zeitlos. Gut dass Breitschwerdt und Sacco ein eigenes Aussehen durchgesetzt haben und keine Verkleinerung eines anderen Modells aktzeptieren wollten.

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