Eine gute Felge ist das Glanzstück eines Mercedes. Und sie soll es lang bleiben. In der Entwicklungsphase eines neuen Leichtmetallrades, besonders bei glanzgedrehten Bicolor-Rädern, sind Aussagen über die Korrosionsbeständigkeit sehr wichtig. Hier übernehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Korrosionsprüfzentrum und in der Lackentwicklung eine wichtige Aufgabe und untersuchen unter genormten Bedingungen Materialproben oder komplette Räder. Zusätzlich kontrollieren sie auch die Materialien und Prozesse in der laufenden Produktion. Dazu steht eine Reihe von effektiven Verfahren zur Verfügung.
Glanzgedrehte Leichtmetallräder erfordern einen ganz speziellen Lackaufbau, der besonders die scheinbar blanken Metallflächen vor korrosiven Angriffen zuverlässig schützt. Im Herstellungsprozess werden diese Räder zunächst komplett lackiert. Anschließend wird der Lackaufbau in bestimmten Bereichen der Radschüssel, meist auf den Speichen, durch eine Drehmaschine mit sehr feinen Bearbeitungswerkzeugen wieder entfernt. Es entsteht eine hochglänzende Metalloberfläche, die in einem erneuten Lackierungsprozess transparent versiegelt wird. Ihren besonderen Reiz beziehen diese Räder aus dem Kontrast zwischen den farbig lackierten Bereichen und der hochglänzenden Metalloberfläche.
Mercedes-Benz hat entscheidend an der Entwicklung von zuverlässigen Korrosionsschutzsystemen für glanzgedrehte Räder mitgewirkt und besitzt heute eine Führungsrolle auf diesem Gebiet. In der Entwicklungsphase definierten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Lackentwicklung anspruchsvolle Ziele. Die Herausforderung: Die bei glanzgedrehten Rädern auftretende „Filiform“-Korrosion – dabei wird der Lack im Bereich der metallisch glänzenden Flächen zunächst fadenförmig (filiform) unterwandert – sollte zuverlässig verhindert werden. Meist folgen die Filiform-Fäden den mikroskopisch kleinen Riefen, die durch das Drehwerkzeug beim Glanzdrehen verursacht werden. Im fortgeschrittenen Stadium können sich dann die Lackschichten teilweise ablösen – es kommt zur sogenannten Delamination. Mit den neu entwickelten Korrosionsschutzlacken, der bei allen Zulieferern im Produktionsprozess exklusiv für glanzgedrehte Mercedes-Benz Räder zum Einsatz kommen, gehört die Filiform-Korrosion der Vergangenheit an.
Folterkammern für Lackierungen stressen die Räder
Zur Entwicklung der neuen Korrosionsschutzlacke für glanzgedrehte Räder wurden härteste Testmethoden eingeführt: Es sind ultimative Prüfungen für die Räderbeschichtungen. Zunächst präparieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Korrosionsprüfzentrum einzelne Radsegmente im glanzgedrehten Bereich mit tiefen Ritzen, die bis auf das blanke Leichtmetall reichen. Anschließend kommen die so präparierten Radsegmente für 24 Stunden in den sogenannten CASS-Test (copper accelerated salt spray test = beschleunigter Kupfer-Salzsprühtest).
In der truhen-ähnlichen Anlage werden die Lackierungen permanent verschiedenen, hoch korro-siven Salznebeln ausgesetzt. Anschließend wartet die Filiform-Kammer auf die Probanden. Hier müssen die teilweise mit einer Salzkruste aus dem CASS-Test bedeckten Prüfteile einem 28-tägigen Klimawechselprogramm trotzen. Bei der anschließenden Begutachtung bewerten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die von den Ritzen fadenförmig ausgehende Filiform-Korrosion. Es erhalten nur diejenigen Korrosionsschutzlacke eine Freigabe, die eine Unterwanderung auf ein Minimum reduzieren und sich gleichzeitig nicht negativ auf andere Eigenschaften auswirken. Der Klimawechseltest-Daimler, kurz KWT-D, orientiert sich an den extremsten Klimaanforderungen weltweit.
In speziellen Klimakammern werden einzelne Räder ständig wechselnden Umweltbedingungen ausgesetzt. Die unterschiedlichen Klimabelastungen basieren auf weltweiten Wetterdaten, Schmelzwasseranalysen und Schadstoffangaben der Luft. Der KWT-D bildet verschiedene Klimazonen ab. So wurde beispielsweise eine Heiß-Feucht-Phase zur Simulation eines Tropenklimas und eine Kältephase zur Simulation der Kaltländer integriert. Aus dem automobilen Alltag kommen die verschiedenen Feuchte- und Klimaverläufe wie eine morgendliche Betauung und eine nachmittägliche Abtrocknung. Zusätzlich wird das zu prüfende Rad vier Mal pro Woche mit einer Salzlösung besprüht, damit die korrosive Belastung initiiert und verstärkt wird. Der KWTD stresst die Korrosionsschutzmaterialien der Leichtmetallräder erheblich mehr als der Klimawechseltest nach Angaben des VDA und läuft zudem schneller ab. In gleicher Zeitspanne können also mehr Testreihen durchgeführt werden.
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