Checkliste für Oldtimer zum Saisonstart

Oldies wieder on Tour

Checkliste für Oldtimer zum Saisonstart: Oldies wieder on Tour

Im Kfz-Meisterbetrieb von Jeremias Paulke stehen die automobilen Schönheiten an diesem Tag Schlange. Aufgereiht wie auf einer Perlenkette. Rund 20 Mercedes-Benz 190 SL der Baujahre 1954 bis 1963 warten auf die prüfenden Blicke und die pflegenden Hände des Berliner Serviceteams. Der Auftrag an diesem Tag: Frühjahrscheck für die Oldtimer des hiesigen Markenklubs.

Monate schlummerten die Schönheiten eingemottet in Garagen und Scheunen, drückten Reifen platt, setzten Rost an Bremsen und Lack an oder fahren jetzt nur mit halber Kraft. Paulke nimmt die Besitzer mit auf die Prüftour: „So lernen sie ihre Schätze besser kennen und sehen, was wir machen.“ Dafür sind nicht nur Hebebühne, Spezialwerkzeug und -material nötig, sondern vor allem viel Erfahrung. Solche Spezialisten finden sich in den zertifizierten Fachbetrieben für historische Fahrzeuge.

Die Stationen beim Oldtimer-Check:

1. Station: Bremsen

Ziehen die Bremsen gleichmäßig? Funktioniert die Handbremse? Auf dem Bremsenprüfstand kommt die Wahrheit ans Licht. Der kritische Sichtblick auf der Hebebühne gilt Bremsschläuchen und den Belegen von Trommeln und Scheiben.

2. Station: Räder und Reifen

Damit auch im Wortsinne alles rund läuft wird das Auto freigehoben, um Räder und Reifen auf Beschädigungen und Allgemeinzustand zu inspizieren. Neue Pneus werden meist wegen Rissen und ihrem Alter fällig. Paulke: „Nach sieben bis acht Jahren härten die Gummis aus, werden spröde und verlieren ihren Grip.“ An der Profiltiefe hapert es aufgrund der geringen Laufleistung eher nicht.

3. Station: Karosserie

Wer nicht schon im Herbst nach Steinschlägen geschaut und sein Schätzchen in den vergangenen Wochen zum Make-up in die Werkstatt geschickt hat, sollte dies noch vor der Saison tun. Die meist nicht verzinkte Karosserie bietet dem Rost zahlreiche Angriffsflächen. Ob die Oldtimer letztendlich mit Patina oder Hochglanz vom Hof rollen, muss der Kunde entscheiden. Das Gros der Branche plädiert mittlerweile für die Erhaltung der Originalsubstanz.

Mit einem Endoskop kommt der Profi dem Rost in den Hohlräumen auf die Schliche und checkt den in der Regel mit Karosserielack gestrichenen und mit Spezialwachs versiegelten Unterboden. Bei den meist grazilen Cabriodächern liegt der Fokus auf der Mechanik: Gelenke, Scharniere und Spannhaken am Scheibenrahmen brauchen Pflege.

4. Station: Motorraum

Auf der Liste stehen Luft- und Kraftstofffilter, Keilriemen, Ölwechselfälligkeit und die Flüssigkeitsstände von Motoröl, Bremsflüssigkeit, Kühl- und Wischwasser. Wenn nötig, wird aufgefüllt, gewechselt, geschmiert. Vorsicht: Nicht alle Klassiker vertragen vollsynthetische Motoröle. Bei der Gelegenheit lohnt auch der Check von Manschetten, Kabeln und Gummis.

5. Station: Elektrik

Das kann jeder: Scheibenwischer, Waschanlage, Kühlung, Heizung und Beleuchtung auf Funktion prüfen, gegebenenfalls Lampen auswechseln. Gut, wer die Batterie am Erhaltungsladegerät hat überwintern lassen. Der Kfz-Meister prüft den Lade- und Säurestand und füllt destilliertes Wasser auf.

Das Geld für den Check inklusive Auffüllen aller Flüssigkeiten, Lampenwechsel, Kaffee, Brötchen und Pflegetipps vom Fachmann ist gut investiert. Aber: Ohne gültige HU- und AU-Plakette ist die Fahrt in den Frühling tabu. Also erst auf die Kennzeichen schauen und dann schrauben. Mit dem Saisonkennzeichen dürfen die Schönheiten ausschließlich in dem angegebenen Zeitraum rollen.



Fotos: ProMotor/T.Volz

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