CLASSICS
Zukunft braucht Herkunft - das Gedächtnis der Daimler AG
Archive und Museum bilden zusammen die Geschichte des Unternehmens ab
Zukunft braucht Herkunft, und Innovation baut auf Tradition auf. Für diese Werte steht Mercedes-Benz Classic mit der Abteilung Archive und Sammlung in ganz besonderer Weise. Das Archiv, eines der größten Wirtschaftsarchive ganz Europas und wohl das kompletteste in der Autoindustrie, ist Gedächtnis der außergewöhnlichen Unternehmens-, Produkt- und Ideengeschichte seit der Erfindung des Automobils im Jahr 1886. Seine Bestände zeugen ebenso von der Fähigkeit zum visionären und konstruktiven Entwickeln, wie sie eine vielfältige Wirtschafts- und Sozialgeschichte dokumentieren.
„Die Archive untermauern unsere einmalige Unternehmensgeschichte mit Informationen zu allen Produkten, die wir in den vergangenen 125 Jahren seit der Erfindung des Automobils durch Carl Benz und Gottlieb Daimler gebaut haben“, sagt Michael Bock, Leiter von Mercedes-Benz Classic und Geschäftsführer der Mercedes-Benz Museum GmbH. „Wir nutzen diesen fast unerschöpflichen Fundus vor allem für die Markenkommunikation von Mercedes-Benz.“
Offiziell beginnt die Geschichte der Archive vor 75 Jahren mit der Verwaltungs-Anordnung Nr. 1145 der damaligen Daimler-Benz Aktiengesellschaft. Darin teilt der Vorstand des Unternehmens am 9. Dezember 1936 mit, dass der Ingenieur Max Rauck „mit der Sammlung und Sichtung unseres historischen Schrift- und Bildmaterials zwecks Einrichtung und Führung eines historischen Archivs“ beauftragt worden ist. Intern hatte Rauck allerdings im Auftrag des Vorstands schon nahezu zwei Jahre lang den Bestand an archivwürdigem Material sondiert.Seit der Veröffentlichung der Verwaltungs-Anordnung Nr. 1145 sind die Archive stetig gewachsen – und haben sich dabei auch in ihrer Struktur und Fokussierung kontinuierlich weiter entwickelt. Dabei hat Daimler mediale, politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen aufgegriffen, vor allem aber die Entwicklung des Unternehmens selbst.
Wichtige Meilensteine in der Geschichte der Archive sind unter anderem der strukturelle Zusammenschluss mit der Museumssammlung im Jahr 1957, der Umzug in das damals neu gebaute Mercedes-Benz Museum im Jahr 1960 und die 1973 vorgenommene Aufteilung des Historischen Archivs in die Bereiche Technisches Archiv und Unternehmensarchiv. Heute besteht das Gedächtnis des Konzerns aus Unternehmensarchiv, Produktarchiv, Medienarchiv und Archivbibliothek sowie der Fahrzeugsammlung.
Das Archiv stellt sich heute der immer wichtiger werdenden Aufgabe, Quellen verschiedener Medientypen zu sammeln und zu bewahren. Diese Herausforderung wird auch produktiv genutzt, indem für die Nutzer Werkzeuge zur Verfügung gestellt werden, mit denen sich Inhalte des Archivs multimedial erschließen lassen. Das trifft besonders auf das Multimedia-, Archiv- und Recherchesystem M@RS zu.
Bewahren der eigenen Geschichte
Die Gründung eines Unternehmensarchivs ist 1936 ein notwendiger Schritt für die damalige Daimler-Benz AG. Der Zeitpunkt ist dabei symbolträchtig gewählt, denn es sind genau 50 Jahre seit der Erfindung des Automobils vergangen. Es gilt, sich dieses halben Jahrhunderts in Dokumenten zu versichern und Weichen zu stellen für die Sammlung solcher Unterlagen in der Zukunft.
Es ist eine ereignisreiche Epoche gewesen, in die technisch wegweisende Entwicklungsschritte für die Evolution des Automobils gefallen sind. In dieser Zeit hat sich das Automobil zum wichtigen Verkehrsmittel und leistungsstarken Sportgerät emanzipiert, es sind neue Werke gegründet worden, und 1926 hat die Daimler-Motoren-Gesellschaft aus Stuttgart mit Benz & Cie. aus Mannheim zur Daimler-Benz AG fusioniert, wodurch die Marke Mercedes-Benz entstanden ist. Aber auch der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise haben in diesen Jahrzehnten gelegen, ebenso wie der Großbrand des Daimler-Werks in Cannstatt.
GALERIE: ZUKUNFT BRAUCHT HERKUNFT - DAS GEDÄCHTNIS DER DAIMLER AG
Diese Epoche muss eigentlich zahlreiche Zeugnisse hinterlassen haben. Doch wer Mitte der 1930er-Jahre nach einem zentralen Ort sucht, an dem diese Zeit durch Dokumente aus Sicht der damaligen Daimler-Benz AG erfahrbar gemacht wird, greift zunächst ins Leere. Ein ausgeprägtes Bewusstsein für das historische Potenzial von Akten aus dem Betriebsalltag ist offenbar noch nicht vorhanden. Denn seit Carl Benz und Gottlieb Daimler im Jahr 1886 mit Patent-Motorwagen und Motorkutsche die Mobilität der Menschen für immer verändert haben, sind viele Dokumente verloren gegangen. Das stellt Max Rauck schnell fest, als er seine vorbereitenden Recherchen für die Archivgründung unternimmt. So berichtet der Ingenieur im September 1935 an den Vorstand, dass „historisches Material [...] in unserer Firma nur sehr wenig vorhanden“ sei. Und die Mitarbeiter des Unternehmens sind nach wie vor wenig sensibilisiert für das Thema Archiv: Auf ein Rundschreiben vom März 1935 erhält der Ingenieur „nur wenig historisches Material“.
Dabei ist man sich im Unternehmen schon früh bewusst gewesen, dass die Innovation vor dem Hintergrund der Tradition besonders deutlich zu Tage tritt. So zeigt Daimler 1899 auf der Automobilmesse in Paris nicht nur die neuesten Modelle, sondern auch die Motorkutsche von 1886 – das 13 Jahre alte Vehikel erscheint den Besuchern damals als skurriler Oldtimer, von dessen vergleichsweise einfacher Technik sich die neuen Automobile positiv abheben.
Ein entscheidender Meilenstein dieser Auseinandersetzung mit der Produktgeschichte durch Exponate sind die Museumsaktivitäten, die schon zu Zeiten der DMG in Untertürkheim begonnen haben. Aber erst die Eröffnung des ersten öffentlich zugänglichen Mercedes-Benz Museums im Jahr 1936 macht das Museum zu einem festen Bestandteil der öffentlichen Wahrnehmung der Marke und des Unternehmens.
INFOS ZUM ARTIKEL
Kommentare: 2
Aktualisiert: Freitag, 11. November 2011
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Mercedes-Fans.de » Redaktion aus Essen (41)
Danke sehr! Das freut uns doch, wenn es auch mal Lob für die Redaktion gibt!
EV12 » Peter aus HGW (32)
Toller Bericht!