CLASSICS
Roadster in Red: Mercedes-Benz SL (R107)
Von astralem Kühlerschmuck und der Leidenschaft für einen schönen Stern
Sechszylinder, 179 PS, 3,0 Liter Hubraum. Soweit die nackten Fakten. Nimmt man noch den Begriff „Roadster“ hinzu, muss der ambitionierte Kraftfahrzeug-Interessierte damit rechnen, dass ihm Bilder von kleinen, rustikalen zweisitzigen, meist dunkelgrünen Freiluft-Mobilen aus dem Vereinigten Königreich durch den visuellen Kortex perlen. Folgt man der ursprünglichen Definition der Begrifflichkeit, spielt der Fahrspaß eine größere Rolle als der Komfort. Vor dem Hintergrund, kommt man nicht im ersten Anlauf auf den Gedanken, einen astralen Kühlerschmuck auf den entsprechenden Hauben zu vermuten.
Während der konservative, angelsächsische Traditionalist dem Ruf des Purismus gerne folgt, fügt der Alemanne die Tugenden „Zuverlässigkeit“ und „Luxus“ zusammen, garniert es mit dem Hauch des Statussymbols und lässt das ganze denjenigen zusammenschrauben, der bis heute eigentlich „Per aspera ad astra“ auf dem Siegelring stehen haben müsste. Wir sprechen hier vom „SL“. Also von DEM SL, Sie wissen schon!
Sport Leicht Kurzabriss
Nein, nicht der 300SL der Baureihe W198, dessen Türen, geöffnet, an der Tiefgaragendecke Funken schlagen würden. Nicht der kleine Bruder, der 190 SL der Baureihe W121, der mit seiner berühmt berüchtigten Besitzerin. Auch nicht dessen unmittelbarer Vorgänger (W113) , der als „Pagode“ in die Annalen einging. Die Rede ist vom R107, der von 1974 bis 1989 – dann auch mal auch als C-Version mit weit über 230.000 Stück aus dem Württembergischen Ländle rollte.
Fortgesetzt wurde die SL-Reihe dann durch den R129, an dem AMG eine kräftige Herztransplantation vornahm, so dass man sich statt an Lipizaner-zarten 2800 Kubikzentimeter mit 140 über Holzrückerbrutale 7,3-Liter Big Block-Urgewalten mit ofenfrischer 525 PS-Zwölfton-Musik freuen konnte.
Die Siebziger Jahre
Gigantomanie war aber in den Siebzigern und Achtzigern in dem Bereich noch nicht so Mode, und so gibt es zwar einige Varianten in Sachen Hubraum (280 bis 420 bzw. 500) beim „R“ und „C“, die aber „NUR“ mit Hilfe des M110´er Sextetts und später mit dem unkaputtbaren M116-Deutschland-Achter zwischen 177 bis 240 Pferdestärken belebt wurden. Understatement war damals noch das Gebot der Stunde.
Was sich ja auch in der Dekorwahl der Bestuhlung und der Kopfstützen zeigte. Dezentes englisches Tuch weist den grauschläfigen Mann von Welt aus und ist die Inkarnation der Eloquenz in Form von Karomustern. Was auch der Werbefilm allein schon durch die pseudointellektuelle Musikauswahl aus dem Reich des „JATZ“ mit Easy-Listening-Anleihen á la James Last als Kind seiner Zeit verdeutlicht.
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Aktualisiert: Donnerstag, 22. Dezember 2011
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