Ein Kind der 80er: Mercedes-Benz Forschungszentrum in Berlin-Marienfelde
Also eins waren die Achtziger mit Sicherheit nicht: langweilig. Allein die damalige Mode – Stichwort Netz-T-Shirt – treibt uns (zumindest heute) Tränen in die Augen. Die Schweizer entdecken eine andere Mode: Sie „erfinden“ die Autobahngebühr für Pkw. In London und Philadelphia wird 1985 Musik-Geschichte geschrieben. Zeitgleich finden dort die legendären Live Aid-Konzerte statt. Aber auch für Mercedes ist 1985 ein geschichtsträchtiges Jahr.
Allrad heißt bei Mercedes 4MATIC
Im Rahmen des „Fahrdynamik-Konzepts“ präsentieren die Stuttgarter 1985 ihren Beitrag zum Thema Allradantrieb. Der hört auf den Namen 4MATIC, was bereits einen Hinweis darauf gibt, dass es sich um einen automatisch zuschaltenden Vierradantrieb handelt.
Das System ist für alle Sechszylindertypen der neuen Baureihe W 124 verfügbar. Eine komplexe Regelungselektronik kombiniert den Mercedes-typischen Heckantrieb mit einem kompletten zusätzlichen Vorderradantrieb inklusive Verteilergetriebe und Differential. Letzteres wird aus Platzgründen in die Ölwanne integriert. Dieser hohe technische Aufwand zahlt sich aus, ist aber nicht ganz billig: Mit 4MATIC ausgerüstete Wagen kosten gegenüber ihren konventionell angetriebenen Kollegen rund 12000 DM mehr.
Von Gorbatschow, Greenpeace und Glykol
Nix für Greenpeace-Aktivisten: Top-Modell der S-Klasse
1985 beginnt eine neue politische Zeitrechnung. Denn mit Michail Gorbatschow kommt ein Mann in den Kreml, der sich statt Kaltem Krieg dauerhaften Frieden wünscht. Friedlich mögen es in der Regel auch die Umweltschützer von Greenpeace. Aber hin und wieder rücken sie mit ihrem Schiff, der Rainbow Warrior, gegen Walfänger und Ölbohrplattformen aus. Das scheint der französischen Regierung nicht zu gefallen – sie lässt die Rainbow Warrior 1985 im Hafen von Auckland, Australien, versenken. Damit bekommt ein anderes Schiffswrack Gesellschaft: Die Forscher Jean-Louis Michel und Robert Ballard finden 1985 den gesunkenen Luxusliner Titanic in 3803 Metern Tiefe. Und was ist bei uns in Deutschland los? Nun, wir gucken erstmals Sat 1 und trinken dazu (wenn wir Pech haben) österreichischen Glykol-Wein.
Die Geburt des 560ers
Sechs Jahre nach ihrem Debüt spendiert Mercedes der S-Klasse, Baureihe W 126, eine umfangreiche Modellpflege. So dürfen sich Besucher der IAA 1985 über ein komplett überarbeitetes Typenprogramm der S-Klasse freuen. Alle Modelle profitieren von einer behutsam modernisierten Optik, größeren Rädern und neue Motoren. Darunter auch ein neuer V8 mit 5,6 Litern Hubraum – der 560er. Er mobilisiert 272 PS, doch das ist nur die ka(t)strierte Version. Ohne Kat und mit etwas höherer Verdichtung haut der 560er satte 300 PS raus. Doch warum gibt es den Motor überhaupt mit und ohne Katalysator? Zum einen, weil die Festlegung der Abgasgrenzwerte international noch sehr uneinheitlich ist, zum anderen, weil der für den Katalysator-Betrieb unabdingbare Bleifrei-Sprit noch nicht flächendeckend zur Verfügung steht.
[Kommentar schreiben] Kommentare