CLASSICS
Mercedes Meilensteine: 50 Jahre Automatikgetriebe
Seit 1961 kann man im Mercedes schalten und walten lassen
„Fahren in Vollendung“ verspricht im Jahr 1961 der Prospekt zum ersten von Mercedes-Benz selbst entwickelten Automatikgetriebe. Mehrere Jahre intensiver Entwicklung stecken in der Viergang-Kupplungsautomatik, die im April 1961 als Sonderausstattung im Typ 220 SEb der Baureihe 111 Premiere hat. Im Mercedes-Benz 300 SE, der im August 1961 präsentiert wird, gehört das Automatikgetriebe sogar zum serienmäßigen Lieferumfang. Damit beginnt ein besonderes Erfolgskapitel der Marke innerhalb von 125 Jahren Automobil.
Die Entscheidung, ein eigenes Automatikgetriebe zu bauen, fällt bei Mercedes-Benz aufgrund des Anspruchs an die beständige Innovationsstärke – eine Konstante in der Markengeschichte: Weil das automatisch schaltende Getriebe den Charakter eines Automobils maßgeblich beeinflusst, darf der nach dem Besten strebende Entwickler nur mit einer für die Fahrzeuge der eigenen Marke maßgeschneiderten Lösung zufrieden sein. Das neue Getriebe hat statt eines Drehmomentwandlers eine hydraulische Anfahrkupplung, was den Vorteil geringerer Leistungsverluste mit sich bringt. Das nachgeschaltete Viergang-Planetengetriebe besteht aus zwei Planetensätzen, drei Lamellenkupplungen und drei Bandbremsen.
Automatisch schalten in der Geschichte von Mercedes-Benz
Fahrzeuge von Mercedes-Benz mit teilautomatisierten Schaltvorgängen hat es schon früher gegeben. So besitzt zum Beispiel der als „Großer Mercedes“ in die Technikgeschichte eingegangene Typ 770 (Baureihe W 07) eine halbautomatische Saugluftschaltung des Schnellgangs. Gesteuert wird diese Funktion des Maybach-Schnellganggetriebes durch einen Hebel am Lenkrad.
Und während die Mercedes-Benz Ingenieure schon am ersten eigenen Automatikgetriebe arbeiten, wird im Sommer 1957 die hydraulisch-automatische Kupplung „Hydrak“ vorgestellt. Als Sonderausstattung ist der neue Kupplungsautomat zunächst bei den Typen 220 S sowie 219 erhältlich. Das System umfasst eine hydraulische Kupplung zum Anfahren, eine konventionelle Einscheiben-Trockenkupplung zum Ein- und Ausrücken beim Gangwechsel sowie einen Freilauf zur Überbrückung der hydraulischen Kupplung. Echte Automatikgetriebe kommen ebenfalls in dieser Zeit auf. Den Anfang machen dabei Getriebe von Zulieferern. So bietet Mercedes-Benz den Typ 300 c ab Herbst 1955 mit einer Dreigang-Wandlerautomatik von Borg-Warner an.
1961: Das erste Automatikgetriebe vom Erfinder des Automobils
Mercedes-Benz führt im April 1961 das erste selbst entwickelte Automatikgetriebe im Typ 220 SEb ein. Während die Automatik in diesem Typ auf Wunsch geliefert wird, ist sie im Typ 300 SE der Baureihe 112 – vorgestellt im August 1961 – serienmäßig eingebaut. Von dieser ebenso kultivierten wie komfortablen und leistungsfähigen Übertragung der Motorkraft profitieren in der Folge auch weitere Typen der Stuttgarter Marke. So ist die Viergang-Automatik ab August 1962 zum Mehrpreis von 1.400 DM auch in den Typen 220 und 220 S lieferbar.
Auch der Roadster Mercedes-Benz 230 SL (W 113) wird von 1963 an auf Wunsch mit der automatischen Viergang-Automatik ausgestattet – das ist eine Premiere bei den Sportwagen von Mercedes-Benz. Und die Repräsentationslimousine Mercedes-Benz 600 schließlich ist ab 1964 ausschließlich mit der Automatikschaltung erhältlich. Die Premiere der Automatik ist – 75 Jahre nach der Erfindung des Automobils durch Carl Benz – ein weiterer Meilenstein in der Markenhistorie und zugleich die Geburtsstunde einer beispielhaften Serie von Innovationen. Denn die Technik der automatischen Schaltung hat Mercedes-Benz seit 1961 ständig weiterentwickelt.
Seit 1961 werden im Mercedes Werk Hedelfingen Automatikgetriebe gebaut
Gebaut werden die Automatikgetriebe seit November 1961 im Werk Hedelfingen. Im Jahr 1966 entsteht hier das 100.000. Pkw-Automatikgetriebe von Mercedes-Benz, das 500.000. folgt bereits 1971, und die millionste Automatik läuft 1975 vom Band. An dieser Entwicklung lässt sich der Erfolg ablesen. Das gleiche Bild zeigen auch die Zulassungszahlen: Schon 1964, drei Jahre nach der Premiere der Automatikschaltung von Mercedes-Benz, werden 14,5 Prozent aller Personenwagen der Marke mit diesem Getriebe ausgeliefert, bei den Typen mit Ottomotor sind es sogar mehr als 20 Prozent. Dieser Anteil steigt kontinuierlich – Mitte der 1980er-Jahre liegen Automatik und Schaltgetriebe bei jeweils rund 50 Prozent.
Die Zukunft der Automatik
In den S-Klasse-Limousinen der Baureihe 116 hat im August 1972 ein neues Automatikgetriebe von Mercedes-Benz Premiere. Es ist nicht mehr als Kupplungsautomatik ausgeführt, sondern als Wandlerautomatik. Zunächst wird das Getriebe mit hydraulischem Drehmomentwandler als Sonderausstattung angeboten, die von 1973 an lieferbaren Typen 450 SE und 450 SEL haben die Automatik dann serienmäßig an Bord. Auch die Roadster und Coupé-Modelle der SL-Baureihe 107 sowie Mittelklasse-Typen der Baureihen 114 und 115 („Strich-Acht“) sind mit der Wandlerautomatik lieferbar. Die leistungsstarken Typen mit V8-Motoren erhalten dabei zunächst ein Dreigang-Getriebe, andere Motorisierungen werden mit einer Viergang-Automatik kombiniert. Vom Jahr 1980 an sind Viergang-Getriebe Standard für alle Personenwagen von Mercedes-Benz, die mit automatischem Getriebe ausgeliefert werden.
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Aktualisiert: Mittwoch, 20. April 2011
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