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Mercedes-Benz Motorsport-Story: Teil 2

Die Daimler-Motoren-Gesellschaft und der Rennsport
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Mercedes-Benz ist nicht nur der Erfinder des Automobils, sondern in seinen beiden Wurzeln Daimler und Benz aktiver Geschichte machender Motorsportaktiviste. Als die vier Räder begannen, das Rennen zu machen, war Daimler als Motorenlieferant und mit eigenen Fahrzeugen von Beginn an vorne mit dabei. Als Meilensteine der ersten Mercedes-Motorsport-Phase gelten der Vierfachsieg mit Daimler-Motoren beim ersten Automobilwettbewerb der Welt 1894, die epochalen Grand-Prix-Siege 1908 und 1914 sowie der Beginn der Kompressor Ära 1922.

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Acht Jahre ist das Automobil mit Verbrennungsmotor erst alt, als es sich einem ersten öffentlichen Wettbewerb stellen muss. Siegreich sind bei dieser 1894 in Frankreich ausgetragenen Veranstaltung vier Fahrzeuge mit Motoren, die nach dem System Daimler gebaut sind. Dieses erste Kräftemessen für Autos mit offiziellem Charakter ist von der Pariser Zeitung „Le Petit Journal“ ausgeschrieben worden und führt von Paris 126 Kilometer weit nach Rouen. Die Auslese ist hart: 102 Fahrzeuge bewerben sich um einen Startplatz, nur 21 werden schließlich zugelassen, und 15 Wagen erreichen dann das Ziel. Von diesen tragen neun Fahrzeuge einen in Lizenz gebauten Daimler-Motor, so auch die vier erstplatzierten Wagen. Deren 2,6-kW-Maschinen ermöglichen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20,5 km/h. Auch in den folgenden Jahren erringen unterschiedliche, jeweils mit Daimler-Motoren angetriebene Fahrzeuge zahlreiche Siege und untermauern den guten Ruf der Spitzen-Technik aus Deutschland. Bereits früh erkennen die Unternehmen die publikumsträchtige Wirkung solcher rennsportlichen Erfolge und beginnen, sie für den Verkauf ihrer Fahrzeuge zu nutzen.

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Eine scharfe Trennung zwischen dem Auto als Alltagsfahrzeug und als Sportgerät ist zu dieser Zeit nicht möglich. Denn von seinen Erfindern ist der Kraftwagen zunächst vor allem als pragmatisches Fortbewegungsmittel gedacht. Doch schon bald entsteht die Idee, mit diesen motorisierten Gefährten auch in öffentlichen Veranstaltungen gegeneinander anzutreten. Verbesserungen der Wettbewerbsautos gehen direkt in die Serie ein – wenn man angesichts der geringen Bauzahlen im Manufakturverfahren schon von Serie sprechen kann. Der erste Wettbewerb 1894 ist deshalb nicht nur der Beginn des Motorsports im modernen Sinne, sondern auch der Anfang von rasanten Fortschritten im Automobilbau. Im folgenden Jahr zeigt sich ein ähnliches Bild bei der Wettfahrt Paris – Bordeaux – Paris über 1192 Kilometer, die als erstes reines Autorennen gilt: Unter den ersten acht Automobilen im Ziel sind sechs nach Daimler-Lizenz ausgerüstete Wagen, außerdem zwei Benz-Fahrzeuge. 1896 holen dann Wagen mit Daimler-Motoren auf der Strecke Paris – Marseille – Paris über 1728 Kilometer einen Dreifachsieg mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25,2 km/h.

1898: Daimler-Wagen fahren eigene Rennerfolge ein

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Aber die Daimler-Motoren-Gesellschaft will nicht nur als Motorkonstrukteur glänzen, sondern mit ihren eigenen Produkten Rennen gewinnen. Das gelingt den Stuttgartern beim Rennen Berlin – Leipzig – Berlin (25. bis 27. Mai 1898), als ein Daimler-Wagen mit Friedrich Greiner am Steuer siegt. Es folgen diverse andere Veranstaltungen. Die erste Dolomitenfahrt im August 1898 rund um Bozen gewinnen Wilhelm Bauer und Wilhelm Werner mit ihrem Daimler-Viktoria-Wagen. Das von dem 5,5 kW starken Fahrzeug mit Zweizylindermotor dominierte Rennen gilt als erste kontrollierte Fernfahrt mit Automobilen durch die Alpen – wieder setzt Daimler ein Zeichen in der jungen Geschichte des Motorsports. Wilhelm Bauer siegt im Jahr darauf auch im Wettbewerb der zweisitzigen Wagen bei der Tourenfahrt Nizza – Colomars – Tourettes – Magagnone – Nizza. Den zweiten Platz belegt Arthur de Rothschild. Beide Fahrer pilotieren einen Daimler Typ Phönix mit einer Leistung von 8,8 kW. Den Erfolg für die deutsche Marke macht Wilhelm Werner auf einem Daimler vom Typ 12 PS Phönix-Rennwagen mit dem Sieg in der Klasse der viersitzigen Wagen perfekt.

1900: Die Ära Mercedes beginnt

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Im April 1900 wird „Mercedes“ zur Produktbezeichnung, als Jellinek und die DMG eine Vereinbarung über den Vertrieb von Wagen und Motoren treffen und Daimler die Entwicklung eines neuen Motors zusagt, der „Daimler-Mercedes“ heißen soll. Kurz darauf bestellt Jellinek binnen weniger Wochen insgesamt 72 Wagen verschiedener Leistungsstufen bei der DMG – das ist 1900 ein echter Großauftrag. Das erste mit dem neuen Motor ausgerüstete Auto, ein Rennwagen Mercedes 35 PS, wird am 22. Dezember 1900 ausgeliefert. In diesem ersten Mercedes, den wie bereits viele Fahrzeuge davor Wilhelm Maybach, Chefkonstrukteur der DMG, entworfen hat, erlebt die Entwicklung des modernen Autos einen frühen Höhepunkt: Die dynamische Evolution vom kutschenartigen Kraftwagen hin zum Automobil mit eigenständiger Formensprache hat sich ja schon länger angekündigt. Aber Maybach gelingt nun mit diesem Rennwagen ein wegweisendes Konzept. Das Automobil hat einen 5,9 Liter großen, als Frontmotor eingebauten Vierzylinder, dessen Leistung von beachtlichen 26 kW immerhin eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h ermöglicht. Dazu kommen Merkmale wie niedriger Schwerpunkt, Pressstahlrahmen, die leichte Bauweise des Motors und der revolutionäre Bienenwabenkühler.

Auf der Woche von Nizza 1901 sind die Daimler-Rennwagen in fast allen Disziplinen siegreich. Die Erfolge des neuen Wagens beeindrucken Publikum und Fachleute. Paul Meyan, der Generalsekretär des französischen Automobil-Clubs, erkennt die neue Vormacht der deutschen Automobilmarke Mercedes auf den lange Zeit von französischen Fabrikaten dominierten Rennstrecken: „„Wir sind in die Ära Mercedes eingetreten“, schreibt er nach der Woche von Nizza des Jahres 1901.

1903: Gordon-Bennett-Sieg in Irland

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Der Mercedes 35 PS Renn- und Tourenwagen wird bereits 1902 durch den Mercedes-Simplex 40 PS Rennwagen abgelöst. Das Fahrzeug trägt seinen Namen zu Recht: Wilhelm Maybach hat das Automobil mit dem 29,4 kW starken Motor konsequent auf mehr Leistung, einfachere Bedienung und größere Zuverlässigkeit ausgelegt. Auf diesem Rennwagen erzielt unter anderem Graf William Eliot Zborowski den zweiten Platz in der Klasse der schweren Wagen bei der Fernfahrt Paris – Wien im Juni 1902. Das Teilstück Paris – Innsbruck gilt zugleich als dritter Wettbewerb in der Reihe der legendären Gordon-Bennett-Rennen.

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Diese stellen seinerzeit die wichtigste Wettbewerbsserie im internationalen Automobilrennsport dar. Ende 1899 hat der in Paris lebende amerikanische Verleger und Herausgeber des „New York Herald“, James Gordon Bennett, diese Konkurrenz ins Leben gerufen. Sie wird einmal jährlich als Nationenrennen ausgetragen. Die Wagen müssen mindestens 400, dürfen maximal aber nur 1000 Kilogramm wiegen und müssen bis zur letzten Schraube in dem Land hergestellt sein, für das sie fahren. Die Nation, die den Sieger stellt, darf im Folgejahr das Rennen organisieren und austragen. Von den Gordon-Bennett-Rennen geht Anfang des 20. Jahrhunderts die Tradition der Nationalfarben für Rennwagen aus. Die DMG startet für Deutschland mit weiß lackierten Fahrzeugen. Weitere Farbgebungen, die sich in diesen Jahren etablieren, sind Grün für England, Rot (anfangs schwarz) für Italien, Blau für Frankreich, Schwarz-Gelb für Österreich-Ungarn und Rot-Gelb für die Schweiz.

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Weil 1902 der britische Fahrer S. F. Edge auf Napier gewinnt, soll das Rennen 1903 in England stattfinden. Da dort Straßenrennen nicht zugelassen sind, wird der Wettbewerb nach Irland verlegt. Auf eigener Achse fahren die Daimler Ende Juni nach Irland – und zum Sieg: Der Belgier Camille Jenatzy geht auf dem Wagen des amerikanischen Enthusiasten Clarence G. Dinsmore als erster Fahrer durchs Ziel. Mit einem Durchschnittstempo von 79,2 km/h erzielt Jenatzy den ersten international bedeutenden Sieg für die DMG. Als Folge des Daimler-Triumphs wird das nächste Gordon-Bennett-Rennen 1904 in Deutschland ausgetragen. Auf einem Rundkurs bei Homburg im Taunus siegt der französische Fahrer Léon Théry, Camille Jenatzy erringt auf seinem Mercedes 90 PS Rennwagen diesmal nur den zweiten Platz, gefolgt von Baron de Caters auf einem zweiten Mercedes 90 PS. Drei weitere Fahrzeuge dieses Typs starten für das österreichische Daimler-Werk in Wiener Neustadt, zwei davon kommen auf die Plätze 5 und 11.

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