Von Beginn des Jahres 1929 an ist der von Benz kommende Hans Nibel alleiniger Chefingenieur. Mit ihm sind auch der Konstruktionschef Max Wagner und der Versuchschef Fritz Nallinger aus Mannheim gekommen. Nibel und Wagner hatten sich schon sehr früh mit fortschrittlichen Fahrwerkkonstruktionen vertraut gemacht. Erinnert sei an den Benz Mittelmotor-Rennwagen von 1923, der seiner Zeit weit voraus war. Nun setzen beide ihre Vorstellungen und Erfahrungen in die Praxis um.
Luftgekühlter Hecktriebler
Das erste Projekt ist die Baureihe W 17. Von diesem Versuchstyp entstehen 1931 zwölf Versuchsfahrzeuge. Er hat im Heck einen luftgekühlten Vierzylinder-Boxermotor mit 1,2 Liter Hubraum und einer Leistung von 18 kW und umreißt damit bereits die Eckdaten des späteren VW Käfers. Doch das Arbeitsgeräusch des Motors ist zu laut, und so wird dieses Konzept nicht weiter verfolgt.
Interessant sind aus dieser Zeit sowohl der ganz frühe Prototyp mit Versuchskarosserie, der einem überdimensionalen Kohlenkasten mit Rädern zu großer Ehre gereichen würde, als auch ein sehr seriennaher und gefälliger Versuchswagen mit diversen formalen Ähnlichkeiten zum – viele Jahre später erscheinenden – VW Käfer.
Auch stilistisch sind die Ähnlichkeiten zwischen dem W17 und dem später aufgelegten VW Käfer unverkennbar
Kassenschlager Typ 170 (W 15, 1931 bis 1936)
Erfolgreich realisiert wird dagegen der Typ 170 (W 15). Das preisgünstige und technisch innovative Einstiegsmodell hat im Oktober 1931 auf dem Pariser Salon Premiere – und wird ein großer Verkaufserfolg. Im Jahr 1932 werden bereits 4.438 Stück gebaut, mehr als die gesamte Produktionszahl aller Mercedes-Benz Pkw-Modelle des Vorjahres. So hat der W 15 großen Anteil daran, dass Daimler-Benz die wirtschaftlich schwierige Zeit der frühen 1930er Jahre gut übersteht.
Als neueste technische Errungenschaft ist Typ 170 vorn und hinten mit Schwingachsen, also einer Einzelradaufhängung, ausgerüstet. Die moderne Technik und die gefällige Form des Wagens finden ebenso Anklang wie der trotz des Sechszylindermotors niedrige Preis. Als viertürige Limousine kostet das Fahrzeug 4.400 RM, also fast 1.600 RM weniger als die günstigste Ausführung des Typ Stuttgart. Er steht somit als hubraumkleinstes und preisgünstigstes Fahrzeug am unteren Ende des Mercedes-Benz Pkw-Programms.
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