CLASSICS
Im Wind mit Frau & Kind
Passend zum – hoffentlich bald beginnenden – Frühling nehmen wir die familienfreundlichen weil viersitzigen Cabriolets von Mercedes-Benz unter die Lupe.
Mal ehrlich – wer sehnt bei diesem heftigen Winter nicht nach den ersten wärmenden Sonnenstrahlen? Und wo könnte man die als Mercedes-Fan angenehmer genießen, als in einem offenen Modell der Stuttgarter? Als nette Menschen denken wir aber selbstverständlich nicht nur an uns selbst, sondern auch an unsere Lieben. Da es für die in einem Roadster, sprich Zweisitzer, schnell eng werden kann, fällt der Blick ganz unweigerlich auf ein geräumiges, viersitziges Cabriolet. Und von denen gibt es in der jüngeren Mercedes-Historie glücklicher Weise eine ganze Menge.
Wir müssen draußen bleiben!
Natürlich gibt es im Hause Mercedes-Benz geradezu legendäre Cabriolets, die mehr als zwei Passagieren Platz bieten. Wir lassen einfach mal ein zwei Typenkürzel fallen: 500 K und 540 K. Zwei traumhafte Cabrios mit einem Ruf wie Donnerhall. Der Haken an der Sache: Beide haben die Preisregionen eines (großen) Einfamilienhauses schon lange überschritten. Von daher keine echten Alternativen für unseren Frühjahrs-Check.
Auch das 170s Cabriolet fällt durchs Raster. Hier ist die Preisentwicklung zwar nicht ganz so heftig, wie bei den Mercedes-Traumcabrios der 30er-Jahre, doch für den Wochenendausflug mit Kind & Kegel gibt es wesentlich alltagstauglichere Exemplare mit dem Stern auf der Haube.
Das G-Modell-Cabriolet darf aus einem ganz anderen Grund nicht mitspielen: Seine vorderen Türen weisen Scheibenrahmen auf, so dass sich kein totales Open-Air-Gefühl einstellen kann. Für Familien mit Frischluftbedürfnis und einem Haus im Wald aber dennoch ein echter Tipp.
Im offenen Ponton wie eine Schwalbe reisen
Seine selbsttragende Karosserie macht den Ponton-Mercedes, der 1955 auf der IAA als 220 Cabriolet präsentiert wird und der 1956 als 220 S Cabriolet in Serie geht, zu einer ganz neuen Generation von Cabriolet. Mit ihm schaffen die Mercedes-Ingenieure einen offenen Reisewagen, der ein zeitlos elegantes Design mit Komfort und Sicherheit verknüpft. Um den Typen 220 S (W 180) und 220 SE (W 128) die dafür notwendige Karosseriesteifigkeit mit auf den Weg zu geben, sind einige konstruktive Eingriffe an der gegenüber der Limousine um 120 Millimeter verkürzten Bodengruppe notwendig. Auch das Verdeck präsentiert sich sichtbar modern: Es verzichtet auf die bis dahin üblichen außen liegenden Sturmstangen und zeigt stattdessen eine glatt gezeichnete Außenhaut.
Das Fahrgefühl ist damals wie heute einzigartig. Historische Quellen sprechen davon, dass man „wie eine Schwalbe im Flug frischen Sauerstoff atmen und heiter auf Reisen gehen“ kann. Dieses heitere Reisen geht ab 1957 sogar noch etwas zügiger von statten, denn Mercedes erhöht die Motorleistung von 100 auf 106 PS. Gleichzeitig wird der neue hydraulische Kupplungsautomat „Hydrak“ eingeführt.
Ab 1958 gibt es den 220 SE mit Benzineinspritzung. Sein 2,2-Liter-Sechszylinder leistet damit 115 PS. Erst im November 1960, als bereits die neue Limousinen-Generation mit Heckflossen über die Straßen rollt, tritt auch das 220 SE Cabriolet ab.
Fazit: Ein Ponton-Cabriolet ist eine der exklusivsten Möglichkeiten, die liebe Familie an der frischen Luft spazieren zu fahren. Voraussetzungen sind allerdings technische Leidenschaft, eine geruhsame Fahrweise und ein Geldbeutel ohne Löcher.
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Aktualisiert: Montag, 15. März 2010
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