CLASSICS
Das blaue Wunder - Mit Silberpfeilen im Tiefflug
Der besondere Mercedes Oldtimer: Erinnerungen an den schnellsten Renntransporter der Welt!
Den "Schöpfern" des Renntransporters gelang die Quadratur des Kreises: Sie kreierten ein in Optik und technischer Perfektion wahrhaft einmaliges Fahrzeug. Und lieferten der Rennabteilung exakt das, was sie brauchte: Ein unvergleichlich schnelles Fahrzeug zum Transport der Rennboliden. Der X-Rohrrahmen des 300 S wird vorne und hinten verlängert, damit auf der angestrebten "Ladefläche" genug Platz für einen Mercedes-Benz Rennwagen verfügbar ist. Der SL-Motor, mit Benzin-Direkteinspritzung, bekommt seinen Platz "wie im richtigen Leben" knapp über der Vorderachse. Das Viergang-Synchrongetriebe mit Evolventen-Verzahnung ist samt Daimler-Benz Einscheiben- Trockenkupplung am Motor angeflanscht.
Dieser Motor ist der originale 3-Liter-Reihen-sechszylinder des 300 SL, der unter Berücksichtigung der Schwerarbeit, die vor ihm liegt, von 215 PS auf 192 PS gedrosselt ist. Zusammen mit dem hohen Drehmoment von 25,8 mkg bei 4700 /min erreicht der Renntransporter letztlich spielend 160 bis 170 Stundenkilometer, je nachdem, was er auf dem Buckel hat.
Ein fulminanter Mix aus diversen Mercedes-Teilen und viel Kreativität
Die Hochstgeschwindigkeit stand auf dem Kotflügel!
Während seiner "aktiven" Zeit von Mitte 1954 bis Herbst 1955, als Daimler-Benz sich vom Rennsport zurückzog, war der Renntransporter die Sensation auf den Straßen und Autobahnen Europas. Der Renntransporter entwickelte sich zum Star der Fahrerlager, wo er häufig mehr umlagert wurde als die Rennwagen. Das Gespann kam als Leihgabe auch in die Vereinigten Staaten und wurde auf etlichen Ausstellungen gezeigt. Stets sorgte es für Furore. Um seine Geschwindigkeit spannten sich Legenden, bis man schließlich an seine hinteren Kotflügel "Max. Speed 105 m.p.h." malte. Damit hörte die Fragerei auf, nicht aber das Staunen. Ende 1957 kam der schnelle Transporter zurück auf heimatlichen Boden, leicht lädiert zwar, aber immer noch in gutem Allgemeinzustand.
Das damalige Mercedes-Benz Museum sollte dem mittlerweile in die Jahre gekommenen, aber immer noch faszinierenden Unikat die wohlverdiente Ruhe bieten, zusammen mit dem dort bereits harrenden 300 SLR. Das "Zweierteam" war jedoch für die Statik des damaligen Museums zu schwer, und wegen eines geplanten Umbaus sollte zunächst auf die Ausstellung verzichtet werden So kam es, dass der einst stolze Renntransporter Frondienste im Fahrversuch leistete, bis sich seine Reparatur nicht mehr lohnte und er auf Anweisung Rudolf Uhlenhaut's im Dezember 1967 verschrottet wurde.
Nach der Verschrottung folgte die Wiederauferstehung!
Während der Bau des Renntransporters schon im "ersten Leben" ein mutiges und visionäres Projekt war, bedeutete der Plan, diesen Zeitzeugen der Mercedes-Benz Rennsportgeschichte "wiederzubeleben", fast noch eine Steigerung. Da für den Renntransporter kaum Aufzeichnungen und Pläne vorlagen, mussten diese in akribischer Detailarbeit rekonstruiert werden. Der Firma MIKA GmbH in Mölln, spezialisiert auf die Restaurierung von Kraftfahrzeugen, fiel schließlich im Auftrag des Mercedes-Benz Museums 1993 die ehrenvolle Aufgabe zu, anhand von Fotos und vorhandenen Eckdaten den Renntransporter originalgetreu zu rekonstruieren. Eine Herausforderung, die meisterhaft bewältigt wurde. Fast 6000 Arbeitsstunden stecken im wiedererstandenen Renntransporter. Nach sieben Jahren tüfteln, schweissen und entwerfen dann kommt es endlich zu einem Ergebnis.
Es war der des 300 S. Eine kleine Abweichung vom Original wurde aus Sicherheitsgründen gestattet: Die Vorderradbremsen sind die Scheibenbremsen des SL von 1989. Dafür entfiel die Scheibenbremse zwischen Kardanwelle und Differential. Alle sonstigen technischen Daten wie Motorleistung, Achskonfigurationen, Getriebeabstufungen, Außenmaße, die Schalensitze samt Bezugsstoffen, die Anordnung des Drehzahlmessers, die genauen Maße der Auffahrtschienen, entsprechen exakt denen des Originals. Einer, der das Original noch kannte, meinte bei der Vorstellung der Replik: "Wie schön, dass es ihn wieder gibt" und dabei lag jenes Vibrieren in seiner Stimme, das ein Wiedersehen nach langer Trennung begleitet.
GALERIE: DAS BLAUE WUNDER - MIT SILBERPFEILEN IM TIEFFLUG
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Aktualisiert: Mittwoch, 25. November 2009
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