Nach dem zweiten Weltkrieg lag die deutsche Automobilindustrie – wie alles andere auch – am Boden. Doch in den Folgejahren gaben die Autobauer Gas und schufen den Nimbus vom Pkw „made in Germany“, ein Gütesiegel, das bis heute Bestand hat. „Schuld“ an dieser Legendenbildung war nicht zuletzt Mercedes und hier speziell die Typen W 120 und W 121.
Aus der "Three-Box" wird der Ponton
Der W 120 war die erste echte Neukonstruktion von Mercedes nach dem Krieg. Dementsprechend modern präsentierte sich seine Konzeption. Die Karosserie des Mercedes Oldtimers war in der sogenannten Ponton-Form gestaltet, was bedeutete: integrierte Kotflügel sowie ein rechteckiger Grundriss, der sich in drei annähernd quadratische Bereiche, nämlich Vorderwagen, Fahrgastraum und Heck, aufteilte. Dieses Konstruktionsprinzip war allerdings keine Mercedes-Erfindung. Sie tauchte bereits 1946 bei einigen US-Herstellern unter dem Begriff "Three-Box-Design" auf. Typische Vorteile der Ponton-Karosserie waren ein geringerer Luftwiderstand, was sich positiv auf Windgeräusche und Verbrauch auswirkte, sowie ein geräumiges Passagierabteil.
Premiere der selbsttragenden Karosserie
Die Ponton-Modelle, deren offizielle Typbezeichnungen Mercedes Typ 180 (für den W 120) und Typ 190 (für den W 121) lauteten, verfügten erstmals in der Mercedes-Geschichte über eine selbsttragende Karosserie. Sie besaßen also nicht mehr einen Rahmen, auf den die Karosserie aufgesetzt wurde. Stattdessen bildeten Karosserieaufbau und -Boden des Mercedes Oldtimers eine verschweißte, statische Einheit, die sich selbst trug. Die Vorteile: hohe Verwindungssteifigkeit bei niedrigem Gewicht.
Fahrwerk mit "Fahrschemel"
Die modernen Konstruktionsvorgaben der Karosserie fanden eine entsprechend moderne Fortsetzung beim Fahrwerk. Die Doppelquerlenker-Vorderachse wurde an einem sogenannten „Fahrschemel“ aufgehängt, der auch die Aufnahme von Motor, Getriebe und Lenkung übernahm. Hinten rollte der Wagen auf der bewährten Pendelachse, die mit weit auseinander liegenden Längslenkern optimiert wurde.
Es dieselt im 180er und drückt im 190er
1954 kam mit dem Typ 180 D das Modell auf den Markt, das sich als erfolgreichster Vierzylinder-Ponton herausstellen sollte. Fast 150.000 Einheiten konnten von dem bei Taxi-Fahrern heißgeliebten Diesel verkauft werden. Der Selbstzünder hörte auf den Namen OM 636 VII und leistete unverwüstliche 40 PS. Der parallel angebotene, seitengesteuerte Ottomotor namens M 136 VII brachte es auf 52 PS. Noch kräftiger ging es ab 1956 im Typ 190 zur Sache: Sein aus dem Mercedes 190 SL entlehnter 1,9-Liter-Motor stellte 75 PS bereit, was zu entsprechend zügigen, für die damalige Zeit sogar sehr zügigen Fahrleistungen führte. Folglich passte Mercedes die Bremsanlage der gesteigerten Dynamik an. Verrippte Bremstrommeln und breitere Bremsbacken fingen den Mercedes Oldtimer zuverlässig ein.
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