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Mercedes-Benz Baureihen: Die 107er

Der Mercedes SL von 1971-1989: Mit acht Zylindern zum Erfolg
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Im April 1971 rollt ein neuer SL auf die Straße, der Mercedes-Benz 350 SL. Erstmals in der Geschichte der Modellreihe arbeitet unter der langgestreckten Motorhaube ein Achtzylinderaggregat. Von allen Seiten zeigt sich der Mercedes-Benz als starkes, selbstbewusstes und repräsentatives offenes Fahrzeug, dem seine Väter ein nicht minder gelungenes, abnehmbares Coupédach mit auf den Weg geben. Neben Eleganz und Qualität strahlt die Karosserie auch Sicherheit aus, denn das Crashverhalten des Zweisitzers ist seiner Zeit weit voraus.

Schwierige Entscheidung bei Daimler

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Die Entscheidung zur Serienfertigung der Baureihe R 107 („R“ wie Roadster statt „W“ wie Wagen) fällt der Vorstand nach heftigen Debatten am 18. Juni 1968. Strittig ist gewesen, ob es statt der Variante mit Stoffdach nicht eine Targa-Ausführung geben soll, also mit einem herausnehmbaren Dachteil, denn aus den USA kommen wegen erhöhter Sicherheitsstandards alarmierende Nachrichten bezüglich der Zulassung offener Autos. Es ist dem damaligen Entwicklungschef Hans Scherenberg zu verdanken, dass dann doch die Entscheidung zugunsten des offenen Zweisitzers mit Stoffdach und zusätzlichem abnehmbarem Hardtop fällt, er hatte vehement dafür gekämpft: „Der SL hat mir viel Freude, aber auch viel Mühe gemacht. Das haben wir uns nicht leicht gemacht“, so sein Resümee über die entscheidende Sitzung.

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Die Coupéfrage steht aber nach wie vor im Raum. Sie wird nicht an diesem Tag entschieden. Diskutiert wird vor allem, ob auf Basis der Baureihe R 107 und somit bald zusätzlich ein viersitziges Sportcoupé entstehen soll, oder ob man damit noch wartet, um es auf der kommenden S-Klasse (W 116) aufzubauen. Dann jedoch wäre ein Serienmodell erst wesentlich später gekommen, Mitte der 1970er Jahre. Karl Wilfert, seinerzeit Leiter der Karosserie-Konstruktion in Sindelfingen, entwickelt – ziemlich eigenmächtig – ein Coupé auf R 107-Basis, das er eines Tages dem Vorstand als „Rohling“ präsentiert. Zunächst abgelehnt, schafft es Wilfert mit der ihm eigenen Beharrlichkeit, seine Idee vom Sportcoupé durchzusetzen.

Dem SL folgt das Cooupé (C107)

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So folgt dem neuen SL schon ein halbes Jahr nach dessen Premiere im Oktober 1971 ein bequemes viersitziges Sportcoupé, der Typ 350 SLC, dessen eigenwillige Linie im Laufe der Jahre ebenfalls Freunde in aller Welt findet. Die Baureihe trägt die interne Bezeichnung C 107. Bis zur Windschutzscheibe entspricht das Aussehen dem der offenen Variante, dahinter wachsen Höhe und Länge. Über dem viersitzigen Fahrgastabteil streckt sich in sanfter Rundung das flache Dach, das in eine großzügige, in zwei Richtungen gewölbte, sehr schräg stehende Heckscheibe mündet. Der Kofferraumdeckel hat im Gegensatz zum SL eine leicht konvexe Kontur.

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In der Seitenansicht wird die Länge des Coupés erstens durch den um 360 Millimeter längeren Radstand dokumentiert, 2820 gegenüber 2460 Millimeter, zweitens durch die Linie der Seitenscheiben, die ohne störende B-Säulen voll versenkbar sind, wie bei einem
Mercedes-Benz Coupé üblich. Der cW-Wert des SLC ist besser als der des SL, so dass das Coupé trotz eines Mehrgewichts von rund 50 Kilogramm die gleichen Fahrleistungen erreicht. Besonders bemerkenswert ist, dass es seiner Einstufung als „Sportcoupé“ alle Ehre machte, denn mit ihm siegt Mercedes-Benz bei zahlreichen Rallyes und Langstreckenrennen.

Bei dem Mercedes war Sicherheit Programm

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Béla Barényis Sicherheitskonzept mit Knautschzonen vorn und hinten sowie der gestaltfesten Fahrgastzelle findet weiterentwickelt in der Baureihe 107 ihren Niederschlag. Das Rückgrat der Baureihe R 107 ist nicht einfach nur eine verkürzte und verstärkte Limousinen-Bodengruppe wie beim Vorgänger, sondern eine eigenständige Rahmenbodenanlage mit geschlossenem Kardantunnel sowie kastenförmigen Quer- und Längsträgern, deren Besonderheit in unterschiedlichen Blechstärken liegt und dem daraus resultierenden, sorgsam definierten Knautschverhalten.

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Der SL soll unter allen Umständen ein offener Wagen sein. So bieten bei einem eventuellen Überschlag einzig die A-Säulen samt Windschutzscheibe das Sicherheitspotenzial. Sie werden von Grund auf neu entwickelt und erbringen eine um 50 Prozent höhere Festigkeit als die bisher gebaute Version. Zudem wird die Windschutzscheibe für eine erhöhte Festigkeit in den Rahmen eingeklebt. Das ergibt eine beachtliche Widerstandskraft beim Dachfalltest, womit der offene Wagen auch ohne Targabügel die Zulassung für die USA erhält. Konsequenter Weise ist die Heckscheibe im Hardtop ebenfalls geklebt.

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Selbst im Innenraum gibt es richtungweisende Neuerungen. Das harte Armaturenbrett weicht einer ausgeklügelten Blechkonstruktion und ist sowohl im oberen als auch im Kniebereich stoßnachgiebig und schaumgepolstert. Schalter und Hebel sind versenkt angeordnet. Ebenfalls eine Neuheit: Das Vierspeichenlenkrad, frisch nach den Erkenntnissen der Unfallforscher. Geblieben ist der schon bewährte Pralltopf, aber Lenkradkranz, Speichen, Polsterplatte und Nabe sind mit Polyurethan umschäumt. Der Sicherheit dient auch, dass der Kraftstofftank nicht mehr im Heck, sondern kollisionsgeschützt über der Hinterachse eingebaut ist. Ab März 1980 steht das Anti-Blockier-System ABS im Angebot, ab Januar 1982 auch Airbag und Gurtstraffer.

Der Mercedes SL wird auf Anhieb ein Bestseller

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Aber nicht die Sicherheitsaspekte sind es, welche die Kunden in aller Welt bewegen, in aller Eile nach dem neuen SL zu greifen. Es ist das Angebot eines rundum gelungenen offenen Automobils, in den USA über mehrere Jahre das einzige dort angebotene. Seine markante Front mit dem dominanten SL-Gesicht, den Breitbandscheinwerfern und geriffelten Blinkerabdeckungen wirkt kraftvoll, die Linie der niedrigen Silhouette ist offen, geschlossen und mit Hardtop harmonisch, und der einen Hauch nach innen gewölbte Kofferraumdeckel inklusive des ebenfalls konkav gewölbten Hardtops erinnern an „Pagoden“-Zeiten. Die Breitband-Rückleuchten sind mit ihrer gerippten Oberfläche nicht nur weitgehend schmutzunempfindlich, sondern geben dem Heck zudem einen kräftigen Touch.

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Aktualisiert: Donnerstag, 09. September 2010

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